Neuer "Jack the Ripper" in England?

London - Im nordenglischen Bradford geht die Angst vor einem neuen “Jack the Ripper“ um. Drei Prostituierte aus dem Ort sind bereits verschwunden. Verdächtigt wird ein Kriminologie-Student.

Sie verdienten sich ihr Geld als Prostituierte, waren drogenabhängig, alkoholkrank und ans untere Ende der Gesellschaft gerutscht - seit einigen Monaten sind sie verschwunden, eine von ihnen wurde tot gefunden. Sind die drei Frauen, deren Lebensgeschichten sich so ähneln, die Opfer eines brutalen Mörders geworden?

Viele Fragen sind offen, doch Großbritannien fürchtet bereits eine neue Mordserie im Stil des Killers “Jack the Ripper“. Seit Juni 2009 sind in der nordenglischen Stadt Bradford die 31, 36 und 43 Jahre alten Prostituierten verschwunden und vermutlich ermordet worden. Die 36-Jährige galt erst seit wenigen Tagen als vermisst. Anfang der Woche fand die Polizei Leichenteile einer Frau in einem Fluss. Am Donnerstag bestätigte sie den grausigen Verdacht - es handelt sich dabei um die vermisste 36-Jährige.

Nach monatelangen Ermittlungen hat die Polizei endlich eine neue heiße Spur. Zwar gibt es derzeit keinerlei Beweise, dass auch die beiden anderen Frauen tatsächlich tot sind und ein einziger Täter dafür verantwortlich sein könnte. Seit Donnerstag dürfen die Fahnder jedoch einen 40 Jahre alten Verdächtigen weiter vernehmen. Ihm wird vorgeworfen, die Prostituierten umgebracht zu haben. Die Polizei nahm ihn am Montag fest, nur einen Tag später fand sie die Leichenteile im Fluss.

Verdächtiger hat zu Serien-Morden geforscht

Die erste wirklich neue Spur ist gleichzeitig Futter für die Boulevardpresse: Der Mann studiert an der Universität Bradford Kriminologie und soll unter anderem zum Thema Serien-Morde geforscht haben. “Er hat gesagt, er mache einen “Doktor in Mord““, sagte ein Nachbar der Zeitung “Daily Mail“. Die “Sun“ spekulierte über grausige Details. Angeblich sollen die Leichenteile zum Teil angegessen gewesen sein, der Kopf der Frau soll einzeln in einem Rucksack gelegen haben.

Ob der Mann auch etwas mit dem bislang nicht geklärten Verschwinden zweier Frauen vor rund zehn Jahren zu tun zu haben könnte, wollte die Polizei nicht sagen. Am Mittwoch durchkämmte ein Großaufgebot der Polizei mehrere Gebiete in Bradford. “Die Ermittlungen gestalten sich sehr schwer und mühsam“, sagte der stellvertretende Polizeipräsident Jawaid Akhtar.

Und sie wecken schreckliche Erinnerungen. Bereits in den späten 70er Jahren hatte ein Serienmörder das Rotlichtviertel von Bradford heimgesucht. Insgesamt tötete der Mann in der nordenglischen Region Yorkshire über mehrere Jahre 13 Frauen. Bei sieben anderen versuchte er es - sie überlebten. 1981 wurde er festgenommen und mehrfach zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Serienmörder bekam schnell den Beinamen “Yorkshire Ripper“ - in Anlehnung an den Killer “Jack the Ripper“. Ripper bedeutet auf Deutsch Frauenmörder oder Lustmörder. “Jack the Ripper“ hatte Ende des 19. Jahrhunderts einen Herbst lang ganz London in Angst und Schrecken versetzt, nachdem mehrere Prostituierte auf brutale Art ermordet worden waren. Wer er tatsächlich war und ob alle Frauen durch seine Hand starben, ist aber bis heute nicht geklärt.

dpa

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