Wiesn weltweit: "O'zapft" wird nicht nur in München

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Das Oktoberfest in Blumenau / Brasilien

München/Welt - Das Münchner Oktoberfest ist unbestritten das Original. Mit Bier und bayrischer Musi - oder was man sich darunter vorstellt - wird aber auch in vielen anderen Ländern Oktoberfest gefeiert.

In China weiß das jedes Kind: Wenn man etwas kopiert, ist das eine Ehre für den Erfinder des ursprüglichen Produkts. In diesem Sinne wird dem Münchner Oktoberfest järhlich viel Ehre zuteil: Kopien des größten Volksfests der Welt gibt es in zalreichen Ländern.

Noch mehr Infos und Bilder zur Wiesn gibt es auf oktoberfest-live.de

Christoph Mücher vom Goethe-Institut in München hat selbst am Oktoberfest in Oakland in Neuseeland teilgenommen und ist begeistert. Die Ursprünge der Wiesn-Kopien führt er auf deutsche Auswanderer in diesen Ländern zurück - oder auf deutsche Firmen vor Ort. "Oft werden die Oktoberfeste von Handelsvertretungen dort organisiert", weiß er.  Er nennt es ein Erfolgsmodell, deutsche Kultur im Ausland bekannt zu machen. Für die auslänischen Partner sei das freilich ein "relativ exotisches" Spektakel. Doch alle  hier seien  guter Lauen und Geschäftspartner könnten gemütlich gute Gespräche führen. "Man kommt hier an Leute ran, die man sonst nicht erreicht", sagt Mücher. Er räumt aber auch ein, dass man es mit der Detailtreu nicht mehr so genau nimmt, je weiter das Fest vom Heimatland entfernt ist. Meist spiele "bayerische oder bayerisch anmutende Musik" auf. Von der Wiesn in Tokio weiß Mücher aber auch, dass die bayerische Blaskapelle in Lederhosen eigentlich aus Kroatien kam.

Hier eine kleine Auswahl von "Wiesn" auf der ganzen Wetl:

China:

In der Stadt Qingdao (oder auch Tsingtau) wird seit 1991 jedes Jahr das “Qingdao Beer Festival”  gefeiert. In den drei Wochen im August strömen Millionen Besucher in die Hafenstadt in der Provinz Shandong. Es werden zwar auch bayerische Biere ausgeschenkt, bei den "Schmankerln" setzt man aber eher auf chinesische Snacks. Das Tsingtao-Bier ist heute die bekannteste und meistgetrunkene chinesische Biermarke und wird auch weltweit exportiert. Gegründet wurde die Brauerei in Qingdao von Deutschen: Von 1897 bis 1914 war das Gebiet deutsche Kolonie.

Kanada:

Neun Tage lang bayerische Musik und bayerische Tänze: Seit 1969 feiert man in Kitchener-Waterloo in Kanada ein Oktoberfest. Die Festzelte orientieren sich am Münchener Vorbild. Und es gibt sogar ein Makottchen: "Onkel Hans" - eine überlebensgroße Figur - natürlich mit Trachtenhut.  Rund 700.000 Gäste aus aller Welt besuchen jährlich die kanadische Wiesn. Viele der Einwohner sind deutschstämmig und zeigen durch das Fest ihre Verbundenheit zur deutschen Kultur.  

USA:

Die meisten Oktoberfeste gibt es in den USA. Alles ist typisch bayerisch - oder was man sich hier darunter vorstellt.  Etwa in Cincinnati, Münchens Partnerstadt. Mit Blick auf die deutsche Aussprache nennen sie ihr Fest Zinzinnati Oktoberfest.

Seit 1974 findet das Evente jedes Jahr Ende September statt. Münchner Bier, Sauerkraut, Brezen oder Gemütlichkeit-Games  wie Bratwurst-Wettessen : Alles ist da. 

Oktoberfest in New York

Im Rahmen der deutsch-amerikanischen Steuben-Parade in New York wird auch ein Oktoberfest gefeiert. Ein Club bietet etwa ein Oktoberfest auf dem Hudson an - mit frischem deutschen Bier natürlich.

Brasilien:

Schon der Name der brasilianischen Stadt Blumenau klingt deutsch. 1850 wurde sie von deutschen Einwanderern gegründet. Bis heute ziehen die für Brasielien untypischen Fachwerkhäuser Touristen an. Mit Bier, das nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird, Weißwürsten, Schweinshaxe und Sauerkraut feiert man hier 17 Tage lang. Jährlich kommen rund 700.000 Besucher - damit ist das Oktoberfest das zweitgrößte Volksfest in Brasilien - nach dem Karneval von Rio. Erstmals wurde in Blumenau 1983 gefeiert: Nach einer verheerende Überschwemmung brauchte man Geld- und da die Oktoberfest-Idee so gut ankam, behielt man das Fest bei.

Schweiz:

Die "Züri-Wiesn" findet in der Haupthalle von ShopVille-RailCity in Zürich statt. Heuer feiert man die Schweizer Wiesn zum fünften Mal und zwar vom vom 28. September bis 15. Oktober. Die Veranstalter werben mit verschieden Angeboten: Das Paket "Wiesnkaiser" etwa umfasst 20 Mass Bier, 1 Raditeller, 5 Brezn, 10 Weisswürste, 10 Hauptgänge (Haxn, Hendl oder vegetarisch)), 5 alkoholfreie Getränke, einen  reservierter Tisch für 10 Personen im erhöhten VIP-Bereich und jede Menge Gaudi und Musi - zum Preis von  850 Franken. Beim Paket "Wiesenkönig" und  Braumeister muss man zwar gewissen Abstricke machen - dafür kosten sie auch "nur" 700 bzw. 350 Franken.

Japan:

Durch die Initiative eines großen deutschen Konzerns wurde eine Oktoberfest-Kopie 1996 auch in Tokio eingeführt. Gefeiert wird aber nur drei Tage im Oktober. Das Event findet in dem Nachbau eines Bierzelts statt. Das Fest richtet sich vor allem an Firmen und kostet Eintritt. Knödel und Bier sind aber inklusive.

Russland:

Bars und Restaurants in Moskau bieten während des "Oktoberfestes" hier bayerische Schmankerl und deutsches Bier an.  Das ganze findet seit dem Jahr 2000 zur selben Zeit wie im Freistaat  statt - und sogar noch eine Woche länger. Mangels eines Festgeländes wird das Event aber über die ganze Stadt verteilt gefeiert.

Namibia:

Auch in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia, feiert man im Oktober gerne mal im Dirndl: Deutschnamibier gründeten das Oktoberfest 1960 und feiern seither mit Bier und  traditioneller Blasmusik in Erinnerung an die deutsche Kultur.

Indien

In Indien wunderten sich die Besucher beim ersten Oktoberfest vor zehn Jahren in der Hightech-Metropole Bangalore vor allem über die Kleidung der aus Bayern angereisten Blaskapelle. Die Zeitung “The Times of India“ erklärte ihren Lesern den ungewöhnlichen Anblick: Die Kleidung der Musikanten sei nicht dreckig, sondern müsse so aussehen. “Man nennt es Lederhose und wenn es ölig ist, ist es ein Original.“

fa

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