Auch Madonna meldet sich zu Wort

Chodorkowski: Pussy-Riot-Prozess "Schande"

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Pussy Riot im Gefängnis

Moskau - Im Fall der inhaftierten Musikerinnen der Punkband Pussy Riot melden sich auch Madonna und Russlands bekanntester Häftling Chodorkowski zu Wort.

Madonna hat sich während ihrer Russland-Tour für eine baldige Freilassung der wegen Rowdytums angeklagten Mitglieder der Punkband Pussy Riot ausgesprochen. “Ich bin für die freie Meinungsäußerung und hoffe, dass die Richter Nachsicht zeigen“, sagte die Sängerin am Montag der Nachrichtenagentur AP.

Der inhaftierte Kremlgegner Michail Chodorkowski hat den Prozess gegen die Moskauer Skandalband Pussy Riot als “Schande“ für Russland kritisiert. Die drei wegen Rowdytums angeklagten Frauen würden erniedrigt und mit langen Sitzungen ohne angemessene Pausen und Mahlzeiten gequält, schrieb der frühere Ölmilliardär für seine Internetseite.

Zu Beginn des sechsten Prozesstages am Montag warf die Verteidigung dem Gericht erneut Willkür vor, weil nur 3 von 17 Entlastungszeugen zugelassen worden seien.

“Meine Gesuche werden gar nicht erst gehört“, sagte die 23-jährige Musikerin Nadeschda Tolokonnikowa am Montag. Sie sei nur ein Körper, der täglich ins Gericht gebracht werde und von zehn bis zehn dort bleiben müsse. Bereits bei früheren Gelegenheiten hatten sich die drei angeklagten jungen Frauen über Essens- und Schlafentzug beschwert. Ein erneuter Antrag der Anwälte der Band, die Richterin aus dem Verfahren zu entfernen, wurde am Montag abgelehnt.

Den seit März inhaftierten Künstlerinnen drohen nach ihrem Protest gegen Kremlchef Wladimir Putin in einer Kirche sieben Jahre Straflager.

Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) sind nach einem Punkgebet gegen Putin und Patriarch Kirill in der wichtigsten russischen Kathedrale wegen Rowdytums aus religiösem Hass angeklagt. Sie wiesen bei neuen Vernehmungen vor dem Chamowniki-Gericht die Vorwürfe als absurd und unrechtmäßig zurück. Sie hätten die Gefühle russisch-orthodoxer Christen mit dem politischen Protest nicht verletzen wollen.

“Für uns gibt es kein ehrliches und unabhängiges Gerichtsverfahren mehr und keine Möglichkeit, uns selbst zu verteidigen und die Menschen vor Gesetzlosigkeit zu schützen“, schrieb Russlands bekanntester Häftling Chodorkowski. Der 49-Jährige warf der “korrupten Justiz“ vor, den Interessen der Machthaber und Reichen zu dienen.

Auch die Verteidigung der drei Punkrockerinnen kritisierte erneut die Härte des Verfahrens. Verteidiger Mark Fejgin warf dem Gutachter Igor Ponkin vor, im staatlichen Auftrag und voreingenommen ein belastendes Dokument zum schrillen Auftritt der Band verfasst zu haben. Es gebe Beweise, dass Ponkin mit dem Nebenkläger-Anwalt Michail Kusnezow in Verbindung stehe. So habe Kusnezow die Doktorarbeit Ponkins betreut, sagte Fejgin. Zudem hätten beide ein umstrittenes Buch über Homosexualität geschrieben.

Richterin Marina Syrowa lehnte es jedoch ab, Ponkin als Gutachter und Zeuge von dem Prozess abzuziehen. Anders als Fejgin sah sie keine Verbindung zwischen ihm und dem Anwalt der Belastungszeugen. Beobachter erwarten, dass Syrowa noch in dieser Woche das Urteil spricht. Sie hatte die Untersuchungshaft bis Januar 2013 angesetzt. Ein Unterstützer der Band erhielt unterdessen fünf Tage Arrest, nachdem er am Freitag die Freilassung von Pussy Riot gefordert hatte.

dpa/dapd

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