Wer steckt wen an?

Corona-Gefahr in Schule und Kita gleich? Studie liefert Anregung für zielführende Hygienekonzepte

Bunte Abdrücke von Kinderhänden und ein Regenbogen am Fenster einer Berliner Kita
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Bunte Abdrücke von Kinderhänden und ein Regenbogen am Fenster einer Berliner Kita.

Von Home-Schooling und Betreuung daheim haben viele Eltern die Nase voll. Aus Angst vor den möglichen „Corona-Spreadern“ Schule und Kita mussten diese schließen. Zu Unrecht?

Heidelberg - Am Mittwoch treffen sich Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Bundesländer zum nächsten Corona-Gipfel. Der Ruf nach Lockerungen wird bei vielen Bundesbürgern immer lauter. Auch viele Eltern und Pädagogen haben diesen Wunsch.

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung macht zumindest Hoffnung, dass sich bei einer möglichen Öffnung von Kitas und Schulen die Corona*-Gefahr in Grenzen hält. Eine Studie des Landesuntersuchungsamtes Rheinland-Pfalz und des Heidelberger Institute of Global Health (HIGH) der dortigen Universität kam zu dem Ergebnis: Die Corona-Übertragungsrate war mit einem Wert von 1,34 an Kitas und Schulen geringer als befürchtet.

Coronavirus: Ansteckungsrate in Kitas fast drei Mal höher als in Schulen

Allerdings ergab sich auch, dass in Kindertagesstätten die Ansteckungsrate 2,9 mal höher als in Schulen ist. Dabei sorgten in den Kitas vorwiegend die Betreuerinnen und Betreuer für die Corona-Infektionen*, in Schulen steckten sich in erster Linie die Schüler untereinander an. Das Infektionsgeschehen ergab sich unter Einhaltung von Maskenpflicht*, Abstandsregeln und regelmäßigem Lüften der Räumlichkeiten.

Im Rahmen der Studie des HIGH hatte der Leiter des Projekts, Prof. Philipp Zanger, mit seinem Team insgesamt 784 Corona-Fälle in Kitas und Schulen untersucht. Diese fielen in den Zeitraum seit dem Ende der Sommerferien 2020 von August bis Dezember. Als Datengrundlage dienten die Ergebnisse der rheinland-pfälzischen Gesundheitsämter, welche die Kontakte der Betroffenen untersuchten.

Video: 1,3 Millionen Selbsttests an Schulen und Kitas

Corona-Ansteckung in Kitas: Forscher empfehlen Fokus auf Erzieherinnen und Erzieher

Die Wissenschaftler um Studienleiter Prof. Zanger schlussfolgerten, dass Hygienekonzepte in Kitas ihr Augenmerk besonders auf die Pädagogen richten sollten. Dort steckten in den untersuchten Fällen die Erzieherinnen und Erzieher je rund zur Hälfte ihre Kollegen bzw. die Kinder an. Dagegen sorgten die Kinder nur selten für die Ausbreitung oder Ansteckung des Coronavirus*. In den Schulen hingegen verlief das Infektionsgeschehen eher umgekehrt unter den Schülerinnen und Schülern ab, die das Virus aber nur selten an das Lehrpersonal übertrugen.

Daher kommen Zanger und sein Team zu dem Schluss, dass bei der Erstellung von Hygienekonzepten in Kitas mehr auf die Kontakte zwischen den Erzieherinnen und Erziehern geachtet werden soll. Dafür müsse es auch in Pausen- und Besprechungsräumen entsprechende Konzepte geben. Zudem könnten gezielte Corona-Tests* und Impfungen* dazu beitragen, die Neuinfektionen zu minimieren.

Corona-Ansteckung bei Kindern: Einhaltung der Schutzmaßnahmen entscheidend

Ob die Heidelberger Studie allerdings für eine Entwarnung bezüglich der Infektionsgefahren an Kindertagesstätten und Schulen reicht, ist fraglich. Denn bei anderen wissenschaftlichen Studien zum Corona-Infektionsgeschehen bei Kindern gab es unterschiedliche Erkenntnisse.

Eine Studie des Virologen Christian Drosten kam zu dem Ergebnis, dass die Viruslast bei Kindern nicht wesentlich anders als die von erwachsenen Personen sein könnte. Dagegen ergab die Münchner Virenwächter-Studie, dass Kinder in Kitas und Schulen „nicht signifikant zur Ausbreitung der Pandemie“ beitragen, „wenn geeignete Maßnahmen zum Infektionsschutz getroffen werden.“ Wie auch in der HIGH-Studie zeigte sich, dass das Vorhandensein von Schutzmaßnahmen von entscheidender Bedeutung für das Infektionsgeschehen sein könnte. (kh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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