„Endet sonst neuerlich in einer Katastrophe“

Corona in Österreich: Ausbruch mit Mutation in Tirol - RKI-Chef gibt „Tausenden Skifahrern“ Schuld

In Tirol bereitet der Ausbruch der südafrikanischen Corona-Mutation große Sorgen. Es werden Forderungen nach einem Lockdown für das ganze Bundesland laut - eine Entscheidung soll bis Sonntag fallen.

  • Die Corona*-Zahlen in Österreich sind weiterhin hoch.
  • Die Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation* bereitet in Tirol große Sorgen. (siehe Erstmeldung)
  • Experten und Politiker fordern eine Quarantäne für das gesamte Bundesland. (siehe Update vom 4. Februar, 15.50 Uhr)
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

+++ Wir beenden diesen Ticker. Alle weiteren Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Österreich und Tirol lesen Sie fortan in diesem News-Ticker. +++

Update vom 5. Februar, 21.48 Uhr: Die österreichischen Behörden wollen nach dem Ende des Lockdowns Einkaufstourismus aus Bayern vorbeugen. Die Geschäfte im Nachbarland dürfen am Montag wieder öffnen. Die von der Regierung um Kanzler Sebastian Kurz angekündigte Verschärfung der Einreisebestimmungen ist mittlerweile in eine Verordnung umgesetzt worden und tritt am Mittwoch (10. Februar) in Kraft.

Das österreichische Außenministerium schließt eine Intensivierung der Grenzkontrollen bei Bedarf nicht aus. „Im Hinblick auf die Änderungen der Covid-19-Einreiseverordnung, welche am 10. Februar 2021 in Kraft treten, wird eine lageangepasste Situationseinschätzung erfolgen und gegebenenfalls werden entsprechende Maßnahmen gesetzt werden“, erklärte ein Sprecher in Wien. Neben Polizisten sind auch Soldaten im Corona-Einsatz an der Grenze.

Für den Fall, dass heimliche Einkäufer aus Bayern durch die Maschen der österreichischen Behörden schlüpfen sollten, müssen diese mit Kontrollen bei der Heimkehr rechnen: „Wir gehen davon aus, dass der Grenzverkehr von Bayern in Richtung Österreich für Einkaufen und Co. bereits von österreichischer Seite unterbunden wird“, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums in München. „Bei der Wiedereinreise gelten selbstverständlich unsere strengen Regeln, insbesondere die der Einreise-Quarantäneverordnung sowie der Test- und Anmeldepflicht.“

Corona in Österreich: RKI-Chef gibt „Tausenden Skifahrern“ Schuld an Mutations-Ausbruch in Tirol

Update vom 5. Februar, 10.41 Uhr: Kritik an der Situation in Tirol kommt jetzt auch aus Deutschland: RKI-Chef Wieler äußerte sich zur Lage. Dort sind in den vergangenen Tagen viele Mutanten, allen voran des südafrikanischen Erregers, entdeckt worden. „Das hätte vermieden werden können, wenn nicht Tausende Skifahren gegangen wären“, so Wieler.

Update vom 5. Februar, 6.36 Uhr: In Tirol breitet sich eine ansteckendere Corona-Mutation aus, die Regierung in Wien nennt die Situation „akut und ernst“. Dennoch will sie das österreichische Bundesland vorerst nicht abgeriegeln, wie sie am Donnerstag erklärte. Zunächst sollten Massentests eingesetzt und Testproben schneller sequenziert werden. Experten und die Opposition hingegen forderten ein härteres Vorgehen.

Am Sonntag sei "Tag der Bilanz", kündigte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) an. Die oppositionellen Sozialdemokraten (SPÖ) forderten die Regierung indessen auf, "endlich aktiv zu werden". Den Tiroler Verantwortlichen beim "Kopf in den Sand stecken zuzusehen, endet sonst neuerlich in einer Katastrophe", warnte der Gesundheitsexperte der SPÖ, Philip Kucher und verwies auf den Corona-Ausbruch im Skigebiet Ischgl vor rund einem Jahr.

Corona in Österreich: Regierung prüft Abschottung von ganz Tirol - „Wir haben ein Riesenproblem“

Update vom 4. Februar, 15.52 Uhr: Nach dem vermehrten Auftreten der südafrikanischen Mutation des Coronavirus in Tirol wehrt sich das Bundesland gegen erste Überlegungen für eine Quarantäne. Einen solchen gravierenden Schritt gebe die Datenlage nicht her, sagte Tirols Landeschef Günther Platter am Donnerstag im Landtag in Innsbruck. Zwar müsse man auf der Hut sein, aber es gelte, die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Die südafrikanische Variante sei in Tirol bisher 75 Mal identifiziert worden - nur fünf Betroffene seien aktiv positiv. Es würden nun die Kontaktnachverfolgung und das Testen intensiviert.

Günther Platter (ÖVP), Landeshauptmann von Tirol. (Archivbild)

Zuvor war nicht ausgeschlossen worden, dass das ganze Bundesland unter Quarantäne gestellt wird. Die Regierung in Wien prüfe mit Experten alle Optionen, erfuhr die österreichische Nachrichtenagentur APA aus informierten Kreisen. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hatte die Situation in Tirol als ernst bezeichnet. Eine Entscheidung soll spätestens am Sonntag fallen. 

Virologin Dorothee von Laer erklärte gegenüber dem Kurier: „Wir haben hier ein Riesenproblem mit dieser Variante. Es gibt einen starken Anstieg. Aber ich sehe kein Handeln der Politik hier in Tirol. Ich warte auf das zweite Ischgl.“ Sie forderte einen Lockdown des kompletten Bundeslandes. „Bis Sonntag zu warten, ist keine Option“, mahnte auch Philip Kucher, Gesundheitssprecher der SPÖ, in einer Aussendung. Er erinnerte daran, dass die Situation in Ischgl vor einem Jahr binnen weniger Tage explodiert ist.

Corona in Österreich: Zahl der Neuinfektionen weiter hoch

Erstmeldung vom 3. Februar: Wien - Die Corona-Zahlen in Österreich sind nicht so weit gesunken, wie es sich die Regierung um Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erhofft hat. Von Dienstag auf Mittwoch wurden von den Behörden 1520 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Hinzu kommen 55 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion*. Die Zahl der neuen Corona-Fälle der einzelnen Bundesländer im Überblick:

  • Wien: 257
  • Niederösterreich: 255
  • Steiermark: 248
  • Oberösterreich: 207
  • Salzburg: 197
  • Tirol: 131
  • Kärnten: 130
  • Vorarlberg: 68
  • Burgenland: 27

Corona in Österreich: Lockdown-Lockerungen trotz weiterhin hoher Infektionszahlen

Trotz der weiterhin hohen Infektionszahlen lockert Österreich den Lockdown* überraschend ab dem kommenden Montag (8. Februar). Der Handel darf wieder öffnen - wenn auch unter verschärften Auflagen. Museen und Galerien dürfen ebenfalls wieder besucht werden.

Sogar ein Besuch beim Friseur ist ab kommender Woche in Österreich erlaubt - wenn auch unter strengen Corona-Regeln. So dürfen Kunden nur mit einem negativen Corona-Test* (nicht älter als 48 Stunden) bedient werden. Zudem gilt eine FFP2-Maskenpflicht*. Die Strafen für Verstöße gegen die Corona*-Maßnahmen werden ebenfalls erhöht. Die Gastronomie und Kulturveranstaltungen bleiben weiterhin geschlossen.

Corona in Österreich: „Tiroler Subtyp“ der südafrikanischen Virus-Variante - deutsches Grenzgebiet betroffen

Auch in Österreich gibt es große Sorgen vor der Ausbreitung der Virus-Varianten. Nach Ansicht der Virologin Dorothee von Laer mehren sich die Anzeichen, dass Teile des Bundeslands Tirol ein Schwerpunkt bei der Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation sind. Laut den jüngsten Zahlen von Ende vergangener Woche dürften dort aktuell in etwa die Hälfte der durch eine Mutation verursachten Infektionen auf diese Variante zurückgehen, erklärte von Laer der Zeitung Der Standard.

Die Region zwischen Innsbruck und der deutschen Grenze bei Kufstein ist besonders von der Corona-Mutation betroffen. (Archivbild)

„Wir haben mittlerweile 80 Fälle und sicher eine große Dunkelziffer. Das ist nicht mehr ein kleines Cluster“, sagte die Expertin der dpa. Sie habe zwar keinen Überblick über das gesamte Bundesland, allerdings sei nach ihren Untersuchungen die Region zwischen Innsbruck und der deutschen Grenze bei Kufstein betroffen. 

Von Laer sprach sich dafür aus, die Mobilität einzuschränken und auch die für kommende Woche geplante Öffnung der Geschäfte in Tirol zumindest um eine Woche zu verschieben. Noch könne man die Ausbreitung dieser Virus-Variante vielleicht verlangsamen und zumindest Zeit gewinnen. Das sei wichtig, denn die südafrikanische Variante weise selbst schon wieder mindestens zwei zusätzliche Mutationen auf. Sie seien ein „Tiroler Subtyp“ der südafrikanischen Variante, so von Laer. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © kristen-images.com / Michael Kri via www.imago-images.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare