Corona-Pandemie-News-Ticker

Corona in Österreich: Kurz mahnt vor Risiko durch Mutationen - „Pandemie im Sommer noch nicht vorüber“

Die Corona-Zahlen in Österreich steuern auf einen neuen Lockdown zu. Kanzler Sebastian Kurz will den Sommer 2021 retten und verrät Öffnungsstrategie. Der News-Ticker.

  • Coronavirus-Pandemie in Österreich*: Steht die Alpenrepublik vor dem nächsten Lockdown?
  • Die Lage entwickelt sich nach Ansicht von Experten besorgniserregend. Besonders in Wien steigen die Infektionszahlen massiv (Update vom 19. März, 10.17 Uhr).
  • Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)* wirbt auf seinem Deutschlandbesuch für die Aufhebung der Grenzkontrollen, aber macht eine klare Ansage zu Ostern (siehe Update 19. März, 8 Uhr und 18. März, 16.22 Uhr).

+++ Dieser Ticker ist beendet. Alle weiteren Informationen und Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie in Österreich lesen Sie fortan in diesem News-Ticker. +++

Update vom 19. März, 11.24 Uhr: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz ist auf Deutschland-Reise. In Berlin nahm Kurz an der Verleihung des „Axel-Springer-Awards“ teil. In seiner Laudatio für die beiden Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci bringt Kurz ein Statement:

„Wir wissen alle, dass diese Pandemie im Sommer noch nicht vorüber sein wird“, sagte Kurz, wie oe24.at berichtet. Das Risiko durch neue Virus-Mutationen, sei ein sehr reales und man wisse, dass Impfungen entsprechend angepasst werden müssen. 

Zudem betonte Kurz oe24.at zufolge auch die Wichtigkeit der Impfungen und die internationale Zusammenarbeit. Die habe national und europäisch, sowie global oberste Priorität. Nur wenn ein großer Teil der Bevölkerung bis zum Sommer geimpft sei, sei eine Rückkehr zur Normalität möglich.

Corona in Österreich - Fast alle Ampel stehen auf Rot

Update vom 19. März, 10.17 Uhr: Droht Österreich der nächste Lockdown? Die Lage ist ernst. Das Bundesministerium des Innern meldet am Freitagmorgen 3.515 Corona-Neuinfektionen österreichweit. 1.834 Covid-19-Patienten müssen demnach im Krankenhaus behandelt werden, davon liegen 397 Menschen auf der Intensivstation.

Die Ampeln stehen in Österreich, außer in Vorarlberg, auf Rot. Die 7-Tage-Inzidenz ist in Vorarlberg mit 60,4 am niedrigsten. Am höchsten ist der Wert weiterhin in Salzburg (291) und Wien (274,4). Im Burgenland liegt der Anteil der Corona-Mutationen bereits bei etwa 94 Prozent. Besonders dynamisch ist die Entwicklung in Wien. Die städtischen Krankenhäuser haben damit begonnen, nicht dringende und planbare Operationen auszulagern oder zu verschieben. Schon am Donnerstag wurden die Corona-Regeln in Kitas und Schulen verschärft (siehe auch Update vom 18. März, 15.46 Uhr).

Epidemiologin Rendi-Wagner: Coronavirus-Mutation ansteckender und aggressiver

Geht es nach Epidemiologin und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner, steht der nächste Lockdown bereits vor der Tür. „Wir sehen, dass das neue Virus ansteckender und aggressiver ist. Das sehen wir auch auf den österreichischen Intensivstationen“, sagte Rendi-Wagner im Ö1-„Morgenjournal“. Die Patienten kämen viel früher, schon in der ersten Erkrankungswochen auf die Intensivstation, außerdem seien sie Jünger.

„Diese Entwicklung ist besorgniserregend“, betont die Epidemiologin im Ö1- Morgenjournal“ am Freitag. Es sei wichtig, rechtzeitig entgegenzusteuern. Je länger man wartet, umso höher steigen die Zahlen. Rendi-Wagner schlägt verstärktes Contact Tracing, vermehrtes Homeoffice und Reduzierungen der Sozialkontakte vor - „bis hin zur Rücknahme der verfrühten Lockerungen Anfang Februar“.

Epidemiologin und SPÖ-Chefin: Pamela Rendi-Wagner fordert eine Rücknahme der „verfrühten Öffnungsschritte“.

Corona-Neuinfektionen in Österreich

  • Burgenland: 106
  • Kärnten: 163
  • Niederösterreich: 751
  • Oberösterreich: 556
  • Salzburg: 276
  • Steiermark: 499
  • Tirol: 236
  • Vorarlberg: 51
  • Wien: 877 - darin sind 638 Befunde vom 18. März enthalten, die anderen von weitere von Tagen zuvor.

Corona in Österreich - Kurz wirbt auf Deutschlandbesuch für Abbau der Grenzkontrollen

Update vom 19. März, 8 Uhr: Kanzler Kurz spricht nun am frühen Morgen gemeinsam mit Armin Laschet in NRW bei einem gemeinsamen Presse-Statement. „Es ist gerade eine sehr extrem herausfordernde Phase“, erklärt Sebastian Kurz zunächst. Jeder könne es kaum erwarten, ein Stück Normalität zurückzubekommen. Umso schöner werde es sein, wenn im Sommer ein normales Leben gelebt werden könne. Aus diesem Grund sei auch der Abbau der Grenzkontrollen wichtig. Das sei für die Wirtschaft wichtig, jedoch auch für den Austausch der Menschen. Selbstverständlich sei auch der Erhalt der Touristik sehr wichtig.

Die Phase nach der Pandemie sei eine Phase des wirtschaftlichen Aufbaus. Es sei eine Phase, die geschickt genutzt werden müsse. Bereits am Donnerstag erklärte Sebastian Kurz, dass mit einem Abbau der stationären Grenzkontrollen an der deutschen Grenze zum österreichischen Bundesland Tirol innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen zu rechnen sei.

Kurz schließt Oster-Urlaube nach Österreich für Deutsche aus

Update vom 18. März, 16.39 Uhr: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat bei seinem Besuch in Deutschland auf die Reisefreiheit zwischen Österreich und Deutschland gedrängt. Die Verlängerung der Grenzkontrollen an der deutschen Grenze zu Tirol hatte im Vorfeld für Kritik gesorgt. Kurz erwartet nun die baldige Aufhebung der Grenzkontrollen. Bundesinnenminister Horst Seehofer habe ihm signalisiert, dass er die Kontrollen so schnell wie möglich schrittweise zurückführen wolle, sagte Kurz am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem CSU-Politiker in Berlin.

„Ich gehe davon aus, dass wenn das Infektionsgeschehen sich in Tirol weiter so gut entwickelt, dass das in den nächsten ein bis zwei Wochen hoffentlich der Fall sein wird“, sagte Kurz. Zu Ostern schließt Kanzler Kurz im Interview mit ntv jedoch Urlaube nach Österreich für Deutsche aus.

Lockerungen in Österreich - Kurz verrät Etappenziele

Auch über die Etappenziele für Lockerungen in Österreich hat Kanzler Kurz gesprochen. Alle über 65-Jährigen sollen bis Ende April durchgeimpft werden. Das sei sein erstes Ziel, berichtet oe24.at. Das Impfen der 50-Jährigen sei die Stufe zwei. Diese sollte bis Anfang Juni geschehen. In Stufe drei - Mitte Juni bis Anfang Juli - sollen alle Menschen in Österreich geimpft sein, die geimpft werden wollen. „Bis zum Sommer haben wir acht Millionen Impfdosen, vorausgesetzt, das auch AstraZeneca weiter verimpft werden darf“, sagte Kurz laut oe24.at.

Corona-Inzidenz in Österreich steigt - Wien verschärft Corona-Regeln für Schulen und Kitas

Update vom 18. März, 15.46 Uhr: Das Gesundheits- und das Innenministerium haben 3.357 neu registrierte Coronavirus-Fälle und 26 weiter Todesfälle innerhalb der letzten 24 Stunden gemeldet (Stand: heute, 9.30 Uhr), berichtet das ORF. Die 7-Tage-Inzidenz ist auf 216,6 (Vortag: 210,7) gestiegen, teilt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) am Donnerstagnachmittag mit.

Wien hat die Corona-Regeln für Schulen und Kindergärten verschärft. Wegen der britischen Corona-Mutation geht die Stadt „auf Nummer sicher“. Bei zwei positiven Corona-Fällen in einer Schulklasse oder einer Kindergartengruppe wird künftig die komplette betroffene Klassen oder Gruppen geschlossen. Die Quarantänezeit auf 14 Tage verlängert. Die 7-Tage-Inzidenz liegt in Wien momentan bei 274,6.

Update vom 18. März, 9.22 Uhr: In Österreich liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 210,7. Das teilt die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) mit (Stand: 17. März, 14 Uhr). Am höchsten ist die Zahl weiterhin in Salzburg (284,2) und Wien (270,0). Am niedrigsten ist der Wert in Vorarlberg (57,9) und Tirol (159,4).

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) veröffentlicht am Donnerstag die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zu seltenen Blutgerinnseln (Thrombosen) nach Impfungen mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca. Österreich hatte als erstes Land in Europa eine Charge des Impfstoffs vorsichtshalber zurückgezogen, nachdem ein Todesfall mit einer Krankenschwester aus dem Landesklinikum Zwettl (Niederösterreich)* und eine Kollegin an einer Lungenembolie bei einer Kollegin schwer erkrankt war.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz will sich mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lassen. „Ja, ich lasse mich mit AstraZeneca impfen. Um klar zu machen, dass ich auf diesen Impfstoff vertraue“, sagte Kurz im Interview mit oe24.at. Schon zu Beginn der Impfkampagne in Österreich hatte Kurz für den Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmariesen geworben. „Impfvordrängler“ bei dem Biontech-Impfstoff hatten in der Alpenrepublik für einen Skandal gesorgt.

Corona in Österreich: Kanzler Sebastian Kurz will Lockerungen und eine baldige Aufhebung der Grenzkontrollen.

Corona in Österreich - Geheimpläne für Hotspot Wien

Update vom 17. März, 17 Uhr: In Österreichs Hauptstadt Wien wurden am Mittwoch 1080 neue Corona-Fälle gemeldet. Das entspricht knapp einem Drittel aller täglichen Neuinfektionen im Land, allerdings sind darin auch 134 Nachmeldungen der vergangenen Tage enthalten. Die 7-Tage-Inzidenz nähert sich dennoch der 300er-Marke, aktuell liegt sie bei 270,1.

Laut oe24.at wird in Regierungskreisen bereits diskutiert, wie man vorgehen soll, sollte die Inzidenz in Wien über 400 steigen. Während man in anderen Bundesländern die jeweiligen Bezirke abriegeln würde, wäre in Wien nur eine Quarantäne für das gesamte Bundesland möglich, erklärt demnach ein Regierungsinsider. Eine komplette Abriegelung Wiens, wie es derzeit beispielsweise in Wiener Neustadt der Fall ist, sei „eher unwahrscheinlich“.

Stattdessen solle es dem Bericht zufolge „Reisewarnungen“ für Wien geben. Personen aus anderen Bundesländern müssten sich dann bei der Rückreise in ihr jeweiliges Bundesland testen lassen. Ob es eine Ausnahme für Pendler gebe, sei derzeit noch offen, heißt es in dem Bericht weiter. „Gut möglich, dass sich die dann auch täglich testen lassen müssen so wie jetzt in Wiener Neustadt“, wird der Regierungsinsider zitiert. Bei einer Inzidenz von 400 müssten wohl aber die Schulen erneut schließen, auch ein harter Lockdown wäre dann wieder möglich.

Corona in Österreich: Kurz prescht mit Impf-Pass voraus - Urlauber ab April willkommen?

Update vom 17. März, 14.58 Uhr: Österreich will im April schrittweise mit der Einführung eines grünen Corona-Impfzertifikats beginnen. Das Gesundheitsministerium werde in Kürze die rechtlichen Grundlagen dafür schaffen, erklärte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Mittwoch in Wien. In einer ersten Phase sollen die negativen Testergebnisse digital erfasst werden, wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erklärte. Das Impfzertifikat, wie es auch auf europäischer Ebene ab Juni eingeführt werden soll, sei ein gutes technisches Mittel, um wieder freies Reisen für Geimpfte, Getestete und Genesene zu ermöglichen, so Kurz.

Den Zeitpunkt für mögliche Reiseerleichterungen verband Kurz mit der Öffnung der touristischen Infrastruktur in Österreich, also sobald Kultur, Gastronomie und Hotellerie wieder öffnen würden. „Ab dem Zeitpunkt sind alle deutschen Urlauber wieder willkommen in Österreich“, erklärte Kurz. Weitere Öffnungsschritte werde es je nach Entwicklung der Corona-Lage geben. Über weitere Maßnahmen werde die Regierung am kommenden Montag bei einem Corona-Gipfel beraten.

Die aktuelle Corona-Entwicklung in Österreich sieht Kurz weiterhin nicht als alarmierend an. Der Anstieg der Zahlen seit Öffnung aller Geschäfte vor rund fünf Wochen sei linear und nicht exponentiell. Zudem sei die Entwicklung regional sehr unterschiedlich, sagte Anschober. Insbesondere im Osten Österreichs sei die ansteckendere britische Virus-Variante B.1.1.7 inzwischen für 95 Prozent der Fälle verantwortlich.

Corona in Österreich: Zahlen steigen erneut massiv an

Update vom 17. März, 12.08 Uhr: Von Dienstag auf Mittwoch wurden in Österreich 3239 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Im Vergleich zum Vortag (2425) ist die Zahl der neuen Corona-Fälle damit massiv gestiegen. Auch im Vergleich zum Mittwoch der Vorwoche, als es 2528 neue Infektionen gab, ist die Zahl deutlich höher. Einen ähnlich hohen Wert gab es in Österreich zuletzt am 5. Dezember, als 3444 Neuinfektionen gemeldet wurden.

Zudem gibt es 30 neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion. Die 7-Tage-Inzidenz in der Alpenrepublik liegt derzeit bei 216,9.

Deutschland wird die Grenzkontrollen zu Österreich vorerst aufrecht erhalten. „Wir werden die Kontrollen verlängern“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dem Münchner Merkur. Der Bundesinnenminister machte aber gleichzeitig Hoffnung.

Corona in Österreich: Kurz reist nach Berlin - Kein Treffen mit Merkel

Update vom 17. März, 9.19 Uhr: Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz wird am Donnerstag nach Berlin reisen, um politische Gespräche zu führen und an einer Preisverleihung teilzunehmen. Kurz werde Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Innenminister Horst Seehofer (CSU), Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet treffen, teilte die österreichische Botschaft in Berlin mit. Im Mittelpunkt werde die Bekämpfung der Corona-Pandemie und die Wiederherstellung der vollen Reisefreiheit in Europa mit Blick auf den Sommer stehen.

Ein Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nicht geplant - aus „Termingründen“, wie es von österreichischer Seite hieß. Ein Regierungssprecher in Berlin sagte lediglich: „Es sind keine bilateralen Treffen geplant.“

Beim aktuellen Besuch in Berlin wird es wohl kein Treffen geben: Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (Archivbild).

Österreichs Kanzler Kurz hält Biontech-Laudatio: „Werden im Sommer zur Normalität zurückkehren“

Anlass für die Reise ist die Verleihung des Axel Springer Awards an die Gründer des Pharmaunternehmens und Impfstoff-Entwicklers Biontech, Özlem Türeci und Ugur Sahin. Kurz wird die Laudatio halten. „Mit der Impfung werden wir im Sommer zur Normalität zurückkehren“, sagte der österreichische Regierungschef. Wichtigstes Thema der Gespräche in Berlin sei daher „eine vollständige Wiederherstellung der Reisefreiheit in Europa im Sommer, damit deutsche Touristen ihren Urlaub wieder in Österreich verbringen können“.

Corona in Österreich: Heftige Anfeindungen gegen Kurz-Vertrauten - Gesundheitsminister braucht Personenschutz

Update vom 16. März, 22.30 Uhr: Nicht nur der Ton verschärft sich in der Corona-Krise in Österreich zunehmend. Wie Bundesgesundheitsminister Rudolf „Rudi“ Anschober (Die Grünen) an diesem Dienstag auf einer Pressekonferenz erzählte, braucht er wegen persönlicher Attacken aktuell Personenschutz.

„Wir brauchen Zusammenhalt, Spaltung schädigt uns. Fakten schaffen Vertrauen“, sagte Anschober und kritisierte: „Rund um Impfungen sowie das Infektionsgeschehen kursieren viele Falschinformationen und -annahmen.“

Zuletzt hatte es Sorgen um den Gesundheitszustand des 60-jährigen Grünen-Politikers gegeben. Der Oberösterreicher musste nach einer Kreislaufschwäche am vergangenen Wochenende zum Gesundheitscheck und zog sich vorübergehend aus dem politischen Tagesgeschäft zurück. Jetzt erzählte der Minister aus dem Kabinett von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) von den Anfeindungen, denen er sich in der Coronavirus-Pandemie ausgesetzt sieht.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP, li.) und Gesundheitsminister Rudolf „Rudi“ Anschober (Die Grünen).

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Verzichtete die Bundesregierung aus Wien auf 2,7 Millionen Impfdosen?

Update vom 16. März, 22.00 Uhr: In der Coronavirus-Pandemie in Österreich steht die Organisation der Impfungen weiter teils schwer in der Kritik.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hätte die Alpenrepublik offenbar mehr Corona-Impfstoff vom Hersteller Johnson & Johnson bestellen können. Demnach seien 3,9 Millionen Impfdosen für Österreich reserviert worden, die Regierung aus Wien habe sich letztlich aber nur rund 2,5 Millionen Impfdosen gesichert.

Einem Bericht des Nachrichtenportals oe24.at (hinter einer Bezahlschranke) zufolge verzichtete Österreich insgesamt sogar auf 2,7 Millionen Impfdosen. Zuletzt hatte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP)* Gespräche mit Israel geführt, das seine Bevölkerung bereits durchgeimpft hat. Beide Länder haben etwa 8,9 Millionen Einwohner.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Wien will Verteilung von Corona-Impfstoffen nachjustieren

Update vom 16. März, 16.20 Uhr: Der Impfgipfel im Wiener Bundeskanzleramt ist beendet. In einem waren sich die beteiligten Regierungschefs aus Österreich, Bulgarien, Kroatien, Lettland, Slowenien und Tschechien dabei einig: Die Aufteilung von Corona-Impfstoffen in der EU muss nachjustiert werden, um politische Spannungen zu vermeiden. Es sei ein Korrekturmechanismus nötig, sagte Österreichs Kanzler Sebastian Kurz. „So wie es ist, so soll es nicht bleiben.“ Konkrete Vorschläge, wie der Mechanismus aussehen sollte, wurden jedoch nicht präsentiert.

„Ich glaube, dass das auch eine rechtzeitige Warnung ist“, begründete der slowenische Ministerpräsident Janez Jansa den Vorstoß. Wenn manche Länder nicht wie ursprünglich vereinbart nach Bevölkerungsgröße beliefert würden, sondern mehr erhielten, würde die eine Hälfte der EU-Staaten bis Juni zu 60 Prozent durchgeimpft sein, und die andere nur zu 30 Prozent. „Das würde sicher zu einer politischen Krise führen“, sagte er.

Nach Angaben der Regierungschefs sind am Dienstagabend oder Mittwoch Gespräche mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratschef Charles Michel geplant.

Im Bundeskanzleramt Wien fand ein Arbeitsgespräch zur Impfstoffverteilung in der EU statt. Sebastian Kurz hatte eingeladen.

Corona: Österreich fällt AstraZeneca-Entscheidung - Sorge vor viertem „Lockdown Mitte April“ wächst

Erstmeldung vom 16. März: Wien - Streit um die Corona-Politik Österreichs. In der türkis-grünen Bundesregierung flogen zuletzt vermehrt Giftpfeile - auch von Kanzler Sebastian Kurz. Der ÖVP-Politiker prangerte öffentlich die schleppend voranschreitende Impfkampagne an und attackierte damit den grünen Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Aus der Opposition kamen ebenfalls deutliche Worte in Richtung Wien. Das Land steht vor wegweisenden Wochen.

Corona in Österreich: Regionale Lockerungen - Voralberg öffnet Gastronomie

Am Montag (15. März) standen erneut Beratungen zwischen Bund und Ländern auf dem Programm. Konkrete Ergebnisse wurden, wie im Vorfeld angekündigt, nicht präsentiert. Österreich scheint allerdings an seinem Modell der regionalen Differenzierung festhalten zu wollen. Lockerungen sind demnach dort möglich, wo das Infektionsgeschen es zulässt. In Voralberg etwa durfte die Gastronomie nun unter Hygieneregeln wieder öffnen.

Die Strategie sieht zudem vor, in Orten mit akutem Infektionsgeschehen strengere Maßnahmen zu erlassen als im Rest des Landes. Wie erfolgreich dieser Kurs ist, wird sich schon bald am Beispiel Wiener Neustadt zeigen. Die 50.000-Einwohner-Stadt ist als erste große Stadt von den Restriktionen betroffen.

Corona in Österreich: Hofer warnt vor „weiterem Lockdown Mitte April“

Österreich änderte seine ursprüngliche Corona-Strategie zuletzt, nachdem mehrere Lockdowns* keine zufriedenstellende Wirkung gezeigt hatten. Schon bald könnte sich die Alpenrepublik jedoch wieder im Lockdown befinden. Es wäre der insgesamt vierte. FPÖ-Chef Norbert Hofer zeigte sich am Montag „alles andere als optimistisch“ und warnte vor einem „weiterem Lockdown etwa Mitte April“.

Der frühere Verkehrsminister, der nach der Ibiza-Affäre wie die gesamte FPÖ aus der Regierung flog, befürchtet einen Anstieg der Corona-Fälle* im Land: „Die Zahl der täglichen Neuinfektionen liegt den Experten zufolge dann bei rund 6000 - und das nur unter der Voraussetzung, dass sich die Zahlen weiter linear entwickeln.“ Aktuell werden in Österreich täglich knapp 3000 neu Fälle gemeldet, am Dienstag waren es 2.425. Hofer sieht in der Öffnung der Schulen einen Treiber der Pandemie und konstatiert: „Trotzdem wird noch immer nicht daran gedacht, die Klassenzimmer mit Luftreinigungsgeräten auszustatten. Das ist enttäuschend.“

Corona in Österreich: Inzidenz von 209,8 - „ der Beginn einer dritten Welle“

Die Neos, kleinste Fraktion im Nationalrat, forderten derweil mehr Tests, um das Infektionsgeschehen einzudämmen. Bei Unternehmen ab 50 Mitarbeitern könnte es schon bald zu einer Testpflicht zweimal pro Woche kommen. Die SPÖ sprach sich zudem gegen mögliche Lockerungsschritte aus. Gerade die Sieben-Tages-Inzidenz sowie die Lage in den Intensivbetten bereitet den Sozialdemokraten Sorge.

209,8 Fälle pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lautet die aktuelle Bilanz Österreichs (Stand: 16. März). Zum Vergleich: In Deutschland, wo die Infektionszahlen zuletzt ebenfalls gestiegen sind*, beträgt die Inzidenz 83 (Stand: 15. März). Anschober sprach angesichts dieser Zahl am Montag bereits vom „Beginn einer dritten Welle“. In der Alpenrepublik liegen zudem derzeit 60 Prozent der belegten Intensivbetten in Wien oder Niederösterreich. Wie Der Standard berichtet, mussten in der Hauptstadt daher bereits vereinzelte Operationen in Privatkliniken verlagert werden.

Corona in Österreich: „Brüssler Basar“ - Kurz lädt zum Impfstoff-Gipfel

Die Lage in Österreich wird damit zusehends angespannter. Den entscheidenden Weg aus der Krise sieht Kanzler Kurz nur in den Impfungen. Daher lädt der 34-Jährige am Dienstagmittag zu einem Impfstoff-Gipfel mit anderen europäischen Regierungschefs. Im Bundeskanzleramt berät sich Kurz mit den Ministerpräsidenten aus Bulgarien, Slowenien und Tschechien, Bojko Borissow, Janez Janša und Adrej Babiš. Im Anschluss daran diskutiert das Quartett mit Krišjānis Kariņš und Andrej Plenkovic, Ministerpräsidenten Lettlands und Kroatiens, über eine Änderung der EU-Impfstrategie.

Die Regierungschefs fordern eine gerechtere Verteilung des Corona-Impfstoffs*. Das derzeitige Bestellsystem würde sonst „bis zum Sommer riesige Ungleichheiten unter Mitgliedsstaaten schaffen und vertiefen“, heißt es in einem gemeinsamen Statement. Am Wochenende sprach Kurz von einem „Brüsseler Impfstoff-Basar“.

Gemeinsam durch die Corona-Krise: In der Vergangenheit hatte sich Kurz immer wieder mit anderen Staaten ausgetauscht, so wie hier mit dem slowenischen Premier Janez Jansa.

Corona in Österreich: Impfungen mit Astrazeneca werden fortgesetzt

Die EU-Kommission hat es den Mitgliedsstaaten grundsätzlich freigestellt, auf welche Impfstoffhersteller sie setzen. In Malta ist die Impfrate deshalb vergleichsweise hoch, weil sich der Inselstaat für Biontech/Pfizer entschied, in Bulgarien dagegen geringer, da das Land den billigeren Astrazeneca-Impfstoff bevorzugte.

Apropos Astrazeneca: Beim Umgang mit dem schwedisch-britischen Hersteller will Österreich ein gemeinsames europäisches Vorgehen. Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Portugal impft Österreich momentan weiter mit Astrazeneca. Hofer forderte hingegen den „sofortigen Stopp“ der Astrazeneca-Impfungen. Nach den „immer häufiger auftretenden Komplikationen“ müsse Österreich nachziehen. Anschober verwies derweil darauf, dass es noch keinen kausalen Beweis zum Zusammenhang zwischen den Impfungen und anschließenden Blutgerinnseln gebe. Astrazeneca bleibt damit Teil der österreichsichen Impfstrategie.. (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Georg Hochmuth/AFP

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