Fall Kalinka: Vater wird nicht  ausgeliefert

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Der Arzte hatte der damals 15- jährigen Kalinka (Foto) 1982 am Bodensee eine Spritze gegeben, an der das Mädchen starb. Er soll beabsichtigt haben, Kalinka zu vergewaltigen.

Paris/Kempten - Der leibliche Vater des vor 27 Jahren getöteten Mädchens Kalinka wird nicht nach Deutschland ausgeliefert. Er hatte einen Arzt, den er für den Mörder seiner Tochter hält, entführt.

Das Landgericht in Toulouse lehnte am Donnerstag den Auslieferungsantrag der Staatsanwaltschaft Kempten wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Freiheitsberaubung ab. Der 72 Jahre alte Franzose hatte zugegeben, im Oktober die Entführung des deutschen Arztes und Stiefvaters von Kalinka nach Frankreich eingefädelt zu haben. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass in Frankreich ebenfalls in dem Entführungsfall ermittelt wird - dieses Verfahren habe Priorität.

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Der Vater Kalinkas hält den Arzt für den Mörder seiner Tochter. Der 72-Jährige wollte ihn der Justiz übergeben. Nach der Entführung leitete die französische Justiz ein Verfahren gegen den Vater des Mädchens ein. Deutschland hatte seine Auslieferung beantragt. Polizeibeamte hatten den Entführten gefesselt und mit Kopfverletzungen im elsässischen Mülhausen gefunden. Seitdem ist der 74 Jahre alte Mediziner in Paris inhaftiert. Die Bundesregierung setzt sich für die Freilassung ein. Der Arzte hatte der damals 15- jährigen Kalinka 1982 am Bodensee eine Spritze gegeben, an der das Mädchen starb. Er soll beabsichtigt haben, Kalinka zu vergewaltigen.

Der entführte Deutsche Dieter K.

1995 war der Mediziner in Frankreich in Abwesenheit wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte die Strafe jedoch nie verbüßt, weil Deutschland ihn nicht nach Frankreich ausgeliefert hatte. Das Verfahren soll demnächst in Paris neu aufgerollt werden. Der Vater Kalinkas ist auf freiem Fuß und hat bestritten, an der Entführung direkt beteiligt gewesen zu sein. Einer der mutmaßlichen Kidnapper, ein 38 Jahre alter Mann, hatte vor einem Ermittlungsrichter in Mülhausen nach Angaben seines Anwalts erklärt, er habe aus “Mitgefühl und Menschlichkeit“ für den Vater gehandelt, ohne Geld dafür verlangt zu haben. “Er hat über den Fall in einer Zeitung gelesen und Kontakt aufgenommen“, sagte der Anwalt Ludwig Wehr im französischen Rundfunk.

Seit Jahren setzen sich der Vater und eine französische Initiative (“Gerechtigkeit für Kalinka“) dafür ein, den deutschen Arzt vor Gericht zu bringen. Zuletzt forderten sie in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy, “Missstände“ in der Justiz beider Länder zu beenden, die einer Verurteilung des Täters entgegenstünden.

Der Arzt aus Kempten wurde 1997 in Deutschland schon einmal wegen einer Sexualstraftat verurteilt. Er bekam zwei Jahre Haft auf Bewährung, weil er in seiner Praxis eine 16-Jährige mit Schlafmitteln ruhiggestellt und vergewaltigt hatte. Gegen das ihrer Ansicht nach zu milde Strafmaß hatten damals Frauengruppen protestiert.

dpa

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