Millionenschaden

Feuer im Europa-Park Rust ist gelöscht

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Eine schwarze Rauchsäule steigt am Samstag über dem Europapark Rust auf. Foto: Achim Keller

Keine 24 Stunden nach dem Großbrand hat der Europa-Park Rust wieder geöffnet. Bis auf letzte Glutnester ist das Feuer mittlerweile gelöscht. Nach der Ursache wird fieberhaft gefahndet. Die Betreiber gehen von einem Millionenschaden aus.

Rust (dpa) - Bei einem Großbrand in Deutschlands größtem Freizeitpark - dem Europa-Park in Rust - mit Rauchschwaden bis in den Himmel ist ein Millionenschaden entstanden. Sieben Feuerwehrleute zogen sich bei Löscharbeiten leichte Rauchvergiftungen zu.

Wie es zu dem verheerenden Feuer kommen konnte, war am Sonntag noch unklar. Teile des auch bei Franzosen und Schweizern beliebten Vergnügungsparks in der Nähe von Freiburg sind vorübergehend nicht benutzbar. Tausende Besucher konnten sich am Samstag rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Der Alarm in dem nördlich von Freiburg gelegenen Freizeitpark erreichte die Feuerwehr des Ortenaukreises gegen 18.20 Uhr. Auf Bildern war zu sehen, wie dichter Rauch über einer Lagerhalle aufstieg. Luftaufnahmen, die während des Feuers entstanden und über Twitter verbreitet wurden, zeigten Flammen auf mehreren Seiten des Gebäudes. Die Rauchsäule war weithin zu sehen. Wiederum auf anderen Bildern in sozialen Netzwerken waren im Skandinavien-Bereich des Parks brennende Balken und Gerippe von Gebäuden zu erkennen.

Nach Angaben des Freizeitparks war das Feuer womöglich in der Lagerhalle ausgebrochen und habe dann auch die angrenzende Attraktion "Die Piraten von Batavia" erfasst - eine Anlage, in der Besucher Bootsfahrten machen konnten. Es dauerte Stunden, bis das Feuer unter Kontrolle war. Die Arbeiten dauerten die ganze Nacht. Tausende Vergnügungslustige suchten trotzdem bereits am Sonntag wieder den Nervenkitzel.

Auch die in der ARD ausgestrahlte Fernsehshow "Immer wieder sonntags" mit Stefan Mross ging wie geplant über die Bühne. Bei herrlichem Sonnenschein sprach der Moderator der Schlagersendung von einer "Schrecksekunde" mit Blick auf den Brand. Als das Feuer ausbrach, lief an anderer Stelle des Parks die Generalprobe für die Show. Dabei schrieb die Schweizer Schlagersängerin Beatrice Egli in Rust auf ihrem Instagram-Profil: "Feuer im Europa Park!! Probe immer wieder Sonntags." Dazu verbreitete sie mehrere Videos, die - aus sicherer Entfernung aufgenommen - eine gewaltige Rauchsäule zeigen.

Kameraschwenks zeigten dann am Morgen jubelnde Zuschauer und blauen Himmel. Von der Rauchsäule des Großbrandes war nichts mehr zu sehen. "An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen Einsatzkräften bedanken, bei allen Helfern des Europa-Parks", sagte Mross zu Beginn der Live-Sendung kurz nach 10.00 Uhr morgens. Eine Stunde vorher hatte der Park wie gewohnt seine Pforten geöffnet.

Der Gästeservice des größten europäischen Freizeitparks sprach von "Business as usual" - also von einem ganz normalen Tag. Die großen Achterbahnen seien in Betrieb, es liefen alle Shows. Um die Brandstelle herum lag nach Schilderungen von Augenzeugen noch brenzliger Geruch in der Luft. Sie sprachen aber von einem ungestörten Freizeitvergnügen für die Besucher. An den Attraktionen gab es demnach teils großen Andrang.

Von den rund 100 Attraktionen des Parks seien lediglich 3 zunächst nicht mehr nutzbar gewesen. Zerstört worden sei etwa ein Kostümlager und die Indoor-Themenwelt "Piraten in Batavia". Die Themenbereiche Skandinavien und Holland stünden vorerst nicht zur Verfügung. "Wir hoffen, dass wir die nicht nutzbaren Bereiche wie etwa das Fjord Rafting bald wieder öffnen können", sagte eine Sprecherin des Parks. Angesichts der vergleichsweise geringen Einschränkungen, die etwa auch bei Wartungsarbeiten vorkämen, gebe es keine Rabatte für Besucher.

Nach Darstellung der Sprecherin kamen bis zum Sonntagmittag etwa 15.000 Menschen in den Park. "Wir sind zufrieden", sagte sie. Sie sprach zwar nach vorläufigen Schätzungen von einem Millionenschaden. Zu beziffern sei der aber nicht. Beamte der Kriminaltechnik nahmen die Ermittlungen zur Brandursache auf, wie die Staatsanwaltschaft in Freiburg und das Polizeipräsidium in Offenburg mitteilten. Im Einsatz sei auch ein Experte des Landeskriminalamtes.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) lobte den Einsatz der rund 550 Helfer. "Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und trotz der schwierigen und kritischen Ausgangslage eine großflächige Ausbreitung im Freizeitpark verhindert", sagte er. "Gott sei Dank wurde niemand schwerer verletzt und alle Einsatzkräfte, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, konnten dieses inzwischen wieder verlassen", sagte Strobl. "Mein Dank gilt auch den Besucherinnen und Besuchern, die ruhig und besonnen geblieben sind und damit die Einsatzkräfte bestmöglich unterstützt haben", sagte Strobl.

Nach Darstellung des Ministeriums waren rund 300 Feuerwehrleute im Einsatz. Hinzu kamen rund 100 Polizeibeamte aus Offenburg sowie 150 Einsatzkräfte des Rettungs- und Sanitätsdienstes. Letztere kümmerten sich auch um Jugendliche und Kinder im Park. Laut Polizei zählte der Park am Samstag insgesamt 25 000 Gäste. Der Europa-Park ist Deutschlands größter Freizeitpark und rechnet in diesem Jahr nach eigener Auskunft mit mehr als 5,6 Millionen Besuchern, ähnlich wie im Vorjahr.

Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern haben in Deutschland die meisten Freizeitparks. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen (VDFU) mit Sitz in Berlin findet sich in den drei Bundesländern mehr als die Hälfte der deutschlandweit größeren Parks und Freizeiteinrichtungen.

Baden-Württemberg ist dabei das Land der Superlative: Der knapp 100 Hektar umfassende Europa-Park in Rust bei Freiburg, 1975 eröffnet, ist der größte und besucherstärkste Freizeitpark in Deutschland. Er zählt im Jahr nach eigener Darstellung mehr als 5,5 Millionen Besucher. Außerdem liegt im Südwesten der Erlebnispark Tripsdrill in Cleebronn bei Heilbronn, gegründet 1929 - er ist der älteste Freizeitpark der Republik. Er zählte 2016 nach eigener Darstellung 730.000 Besucher.

Der Europa-Park in Rust ist dem Verband zufolge außerdem der größte private Hotelbetrieb Deutschlands. Zahlen zu Umsatz und Ertrag nennen die Unternehmen sowie der Verband traditionell nicht.

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