Wunderrettung in den Alpen

Frau stürzt in Gletscherspalte: Nach zwei Tagen kann sie gerettet werden - ihre Kleidung lässt Retter wüten

Zwei Wanderer gehen über den Schneeferner-Gletscher auf der Zugspitze.
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Gletscher sind ein gefährliches Terrain (Symbolbild).

Warnungen zum Trotz hat sich eine Frau in Shorts auf einen Alpen-Gletscher gewagt - ein Sturz in die Tiefe folgte. Nach 48 Stunden folgte eine „Wunderrettung“.

  • Von einer „Wunderrettung" auf einem Alpengletscher berichten Schweizer Bergretter.
  • Ein in Deutschland lebende Frau war in Shorts mehr als zehn Meter weit in eine Gletscherspalte gefallen.
  • Eine Alpinisten-Gruppe hörte nach 48 Stunden ihre Rufe - die Frau kam mit einer leichten Unterkühlung davon.

Update vom 30. August: Die Bergrettung Zermatt hat eine Frau aus einer Gletscherspalte gerettet. Die Retter sprechen von einem Wunder. „Allein schon so einen Sturz zu überleben ist ein Riesenglück“, sagt Bergretter Richard Lehner. „Wenn man da mit dem Kopf aufschlägt, kann man sich tödliche Verletzungen zuziehen.“ Lehner seilte sich in die Gletscherspalte ab und rettet die Frau (siehe auch Erstmeldung vom 27. August).

Frau stürzt in Gletscherspalte - Bergretter: „Man fühlt eine gewisse Wut in sich“

Für die Bergretter geht es einzig darum, Menschen nach Unfällen zu retten. Wie diese in ihre missliche Lage gekommen sind, hinterfragen Bergretter eigentlich nicht. Doch die Frau war nur mit einer kurzen Hose bekleidet. Für erfahrene Alpinisten ein fahrlässiges Verhalten. „Man fühlt eine gewisse Wut in sich, eine Frau in so minimierter Ausrüstung auf dem Gletscher zu sehen. Auf der anderen Seite ist man froh, dass man bei ihr ist und sie aus der misslichen Lage befreien kann“, sagte der Bergretter gegenüber Bild. Lehner fand die Frau auf einem kleinen Vorsprung in zehn bis 15 Metern Tiefe. Sie hat die Schuhe verloren, ist aber ansprechbar. „Sie war sehr ruhig und hat wenig gesprochen“, sagt Lehner. Sie habe nicht über Schmerzen geklagt. „Sie stand unter Schock und war mit den Gedanken sehr bei sich selbst.“

Zwei Tage harrte die Frau dort aus. Keiner hatte sie vermisst. Eine Seilschaft, die einen Umweg wegen der zahlreichen Schneelöcher auf dem Gletscher machte, hörte Hilferufe aus einer Spalte und setzte einen Notruf ab. Die Rettung aus der Gletscherspalte sei technisch einfach gewesen, so Lehner gegenüber Bild. Doch dass man nach zwei Tagen eine Frau zufällig in einer Gletscherspalte findet, sei ein Wunder.

„Wunderrettung“ in den Alpen: Frau in Shorts nach zwei Tagen aus Gletscherspalte gerettet

Erstmeldung vom 27. August 2020

Zürich - Nach zwei Tagen und zwei Nächten ist eine in Deutschland wohnhafte Frau unversehrt und lediglich leicht unterkühlt aus einer Gletscherspalte in den Walliser Alpen in der Schweiz gerettet worden.

Die Russin sei am Sonntag in kurzen Hosen und ohne entsprechende Ausrüstung alleine spazieren gegangen und dabei unglücklich rund 10 bis 15 Meter tief in eine Spalte auf dem Gletscher gefallen, teilte die Fluggesellschaft Air Zermatt am Mittwoch auf ihrer Facebookseite mit.

Wunderrettung in den Alpen: Frau stürzt in Shorts in Gletscherspalte - Retter erstaunt über glücklichen Ausgang

Die Frau habe zwei Nächte auf einer Eisbrücke ausgeharrt, bevor eine Bergsteigergruppe ihre Hilferufe gehört habe. Sie sei dann gerettet und „mit milder Unterkühlung (34°C)“ mit dem Rettungshelikopter ins nächstgelegene Krankenhaus geflogen worden.

„Die Bergrettung Zermatt hat in den letzten 20 Jahren keine derartige Wunderrettung aus einer Gletscherspalte erlebt“, hieß es in der Mitteilung weiter.

Zermatt/Schweiz: Frau trotz Warnung allein auf Gletscher unterwegs - „Kann von Glück reden“

Die Frau sei trotz der Mahnungen der Mitarbeiter einer Hütte in Shorts losgegangen und sei allein unterwegs gewesen, es sei auch keine Vermisstenmeldung bei der Polizei eingegangen.

Deswegen könne die Gerettete von Glück reden, dass sie von einer Gruppe von Alpinisten aus dem kleinen Loch zufällig gehört worden sei. Die Aufenthaltsdauer in der Spalte von rund 48 Stunden sei eine lange Zeit, sagte ein Pilot der Air Zermatt dem Lokalsender Radio Rottu Oberwallis.

Air Zermatt führt auch Rettungsflüge durch. Der Grenzgletscher zu Italien im Monte-Rosa-Massiv oberhalb von Zermatt befindet sich auf rund 4000 Metern Höhe. Gletscher sind nicht nur anspruchsvolles Terrain für Wanderer - sondern durch den Klimawandel auch akut bedroht.

Für großes Erstaunen bei den Helfern hatte zuletzt auch die Aktion einer Familie am oberbayerischen Königssee gesorgt - die Wanderer waren in Pantoffeln in den Bergen unterwegs. Dann setzten sie noch einen drauf. (dpa/fn)

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