Gespräche zwischen Piusbrüdern und Vatikan begonnen

+
In Rom treffen sich Piusbrüder mit dem Papst.

Rom - Neun Monate nach der Aufhebung der Exkommunikation für vier Bischöfe der erzkonservativen Pius-Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI. haben in Rom Gespräche zwischen Vatikan und Piusbrüdern begonnen.

Wie der Vatikan am Montag bekanntgab, herrschte bei der ersten, dreistündigen Unterredung zwischen der abtrünnigen Priesterbruderschaft und dem Vatikan im Sitz der Glaubenskongregation ein “freundliches, respektvolles und konstruktives Klima“. Pressechef Padre Federico Lombardi begrüßte die Gespräche: “Endlich hat man mit der Diskussion doktrineller Fragen an einem dafür angemessenen Ort begonnen. Damit ist eine neue Phase in den Beziehungen angebrochen.“ Es seien die wichtigsten Themen der folgenden Zusammenkünfte festgelegt worden.

Die Treffen sollen voraussichtlich im Zwei-Monats-Rhythmus weitergeführt werden. In den kommenden Monaten stünden unter anderem Fragen der Kirchentradition, die Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) sowie die Einheit der Kirche auf der Tagesordnung. Die Konsultationen finden hinter verschlossenen Türen statt. Kernfragen sind die Religionsfreiheit, die Öffnung gegenüber den Juden sowie die “volle Gemeinschaft mit dem Papst“. Manche meinen, die Gespräche könnten Jahre andauern. Anfang des Jahres hatte die völlig überraschende Rücknahme der Exkommunikation der vier Piusbrüder - unter ihnen der Holocaust- Leugner Richard Williamson - Entsetzen und Verstimmung bei den Juden aber vor allem auch unter den Deutschen ausgelöst. Dabei ging es Benedikt wohl vor allem die Einheit seiner Kirche.

Holocaust-Leugnung und christlicher Glaube sind unvereinbar

Was die antisemitischen Töne der Bruderschaft angeht, stellte der Papst wiederholt und unmissverständlich klar, dass Holocaust-Leugnung und christlicher Glaube unvereinbar sind. Mit der Exkommunizierung des “Rebellen- Bischofs“, Marcel Lefebvre (1905-1991), 1988 durch Johannes Paul II. hatte die Kirche ihre bisher letzte, grundlegende Spaltung erlebt. Die Rücknahme der Exkommunikation sollte ein Schritt in Richtung Einigung bedeuten.

Bedingung für eine kirchenrechtliche Rehabilitierung der Piusbrüder bleibt jedoch die Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Mit von der Partie bei den Gesprächen sind für den Heiligen Stuhl nach Angaben des vatikanischen Pressechefs, Federico Lombardi, der Schweizer Dominikaner und Sekretär der Glaubenskongregation, Charles Morerod, der deutsche Jesuitenpater Karl Josef Becker sowie der spanische Opus-Dei-Generalvikar Fernando Ocariz Brana. Die Piusbrüder hingegen sind unter anderem vertreten von ihrem Bischof und Generaloberen Bernard Fellay, und dem spanischen Bischof Alfonso de Galarreta.

dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare