Halloween - wo hört der Spaß auf?

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Haben unsere Kinder nicht wieder goldig für Halloween gebastelt und ihre Kostüme schön gruselig zurechtgemacht? Einfach süß! In die Freude über die kreative Seite des aus Amerika herübergeschwappten Festes mischt sich unter Bürgern allerdings zunehmend Unbehagen.

Haben unsere Kinder nicht wieder goldig für Halloween gebastelt und ihre Kostüme schön gruselig zurechtgemacht? Einfach süß! In die Freude über die kreative Seite des aus Amerika herübergeschwappten Festes mischt sich unter Bürgern allerdings zunehmend Unbehagen.

Manche fürchten den 31. Oktober regelrecht. Aus gutem Grund. Denn die Unversehrtheit des Eigentums und der Gesundheit sind an diesem Tag nicht mehr automatisch gewährleistet. Unter dem Deckmantel der Spaß-Parole „Süßes, sonst gibt‘s Saures“ begehen kleine Horden Plagegeister handfeste Sachbeschädigungen und Körperverletzungen.

Ein besonders drastischer Fall aus Rodgau beschäftigt die Justiz nun seit einem Jahr. Es geht um die Attacke mit einem Baseballschläger an Halloween 2008. Betroffen ist eine ganze Familie, die den Vorfall für ihr unendliches Leid verantwortlich macht. Denn fünf Wochen und etliche Arztbesuche nach dem Baseballschlägerangriff musste das Familienoberhaupt ins Wach-Koma versetzt werden. Waren die Schläge Ursache der dramatischen Entwicklung?

Der Hausbesitzer verfolgte die Gruppe, die er beobachtet hatte

Polizei und eine Zeugin sagen, Kinder hätten sich an der Klingelanlage mit Farbe zu schaffen gemacht. Woanders sollen auch rohe Eier geworfen worden sein. Der Hausbesitzer verfolgte die Gruppe, die er beobachtet hatte und forderte sie auf, den Dreck wegzumachen. Dann setzte er sie in seinem Haus fest, um Kontakt mit den Eltern aufzunehmen. Letztlich rief er die Polizei.

Bevor die Ordnungshüter eintrafen, gingen aber Familienmitglieder der Kinder mit dem Baseballschläger dazwischen. Der Hausbesitzer erhielt Schläge und Tritte. Fünf Wochen und diverse Arzttermine danach musste er ins Koma versetzt werden. Seither ist im Leben der Familie nichts mehr so, wie es einmal war.

Lesen Sie dazu außerdem das Interview mit dem Rodgauer Dekan Carsten Tag unter „Halloween schärft den Blick für unsere Aufgabe

Nach Angaben der Offenbacher Polizei ist die Anklageschrift in dem Fall inzwischen fertig. Angeklagt sei gefährliche Körperverletzung. Ein Prozesstermin stehe noch aus. Parallel dazu gibt es von den Eltern der Kinder Anzeigen gegen den im Koma liegenden Hausbesitzer wegen Körperverletzung. Das bestätigte die Ehefrau des Opfers im Gespräch mit unserer Zeitung. Kommt auf ihre Familie noch mehr Unerträgliches zu? Muss sie - außer dem quälenden Prozess - einen endlosen Gutachterstreit darüber fürchten, ob die Attacke zu Halloween tatsächlich das furchtbare Unglück verursacht hat?

2008 in Rodgau zu Halloween drei Körperverletzungen

Der Fall ist ein Extrem. Alle anderen Halloween-Übergriffe, die in den Akten der Offenbacher Polizei stehen, sind vergleichsweise harmlos. „Es werden rohe Eier an Hauswände und Scheiben geworfen, Autos zerkratzt, Türschlösser zugeklebt und Briefkästen abgerissen“, nennt Polizeisprecher Ingbert Zacharias unrühmliche Beispiele.

Gegen die vielen Kinder, die friedlich Süßigkeiten sammeln und sich verkleiden, hat der Polizeisprecher absolut nichts einzuwenden. Trotzdem kann er die Furcht mancher Bürger vor dem amerikanischen Spuk verstehen: „So lange erwachsene Aufsichtspersonen die Gruppen begleiten, ist das in Ordnung. Brenzlig kann es werden, wenn größere Jugendliche unbeaufsichtigt losziehen.

2008 zählte die Polizei in Rodgau zu Halloween drei Körperverletzungen und zwei Sachbeschädigungen. Im gesamten Kreis Offenbach waren es am selben Abend 20 Sachbeschädigungen und vier Körperverletzungen. Hinzu rechnen muss man drei Körperverletzungen und fünf Sachbeschädigungen in Offenbach-Stadt. „Aber die Dunkelziffer ist wohl enorm hoch“, vermutet Zacharias. „Wer zeigt schon kleine Kinder an? Viele hauen auch einfach ab. So schnell kann man nicht gucken.

Wird Aufsichtspflicht verletzt, kann‘s teuer werden

Zu Anzeigen war es in Rodgau und anderen Kreisgemeinden auch Halloween 2007 schon gekommen. Maskierte Jugendliche bedrohten empörte Hausbesitzer nach Eierwürfen. Die rabiate Bande missbrauchte Spraydosen als Flammenwerfer. Andere standen einem Hauseigentümer im Flur plötzlich gegenüber und forderten Süßes. Er trieb die Clique hinaus und erklärte wütend, dass eigentlich Reformationstag sei. Und in einem Rodgauer Baugebiet wurde flaschenweise Rasierschaum an Häuser gespritzt.

Die wissen gar nicht, was auf ihre Eltern an Schadenersatzforderungen zukommen kann“, warnt der Polizeisprecher. Sofern die Eltern nachweislich ihre Aufsichtspflicht verletzten, seien sie haftbar. „Und das geht ganz schnell in die Tausende.“ Er appelliert, Kinder nicht ohne Begleitung losziehen zu lassen und vorher mit ihnen über mögliche juristische Folgen zu sprechen.

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