Erde bebt weiter

Sieben Tote nach schwerem Erdbeben in Taiwan

Das zwölfstöckige Wohnhaus neigt sich gefährlich zur Seite, weil die untersten Etagen eingestürzt sind. Foto: Central News Agency
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Das zwölfstöckige Wohnhaus neigt sich gefährlich zur Seite, weil die untersten Etagen eingestürzt sind. Foto: Central News Agency
Vor allem die Stadt Hualien​ wurde stark getroffen: Mindestens vier Gebäude stürzten dort ein. Foto: Central News Agency
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Vor allem die Stadt Hualien​ wurde stark getroffen: Mindestens vier Gebäude stürzten dort ein. Foto: Central News Agency
Nach dem Erdbeben steht das beschädigte Yuntsui Building schief. Foto: Central News Agency
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Nach dem Erdbeben steht das beschädigte Yuntsui Building schief. Foto: Central News Agency
Das Erdbeben hatte eine Stärke von 6,4. Foto: Central News Agency
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Das Erdbeben hatte eine Stärke von 6,4. Foto: Central News Agency
Schaulustige haben sich in Hualien vor dem nun schief stehenden Yuntsui Building versammelt. Foto: kyodo
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Schaulustige haben sich in Hualien vor dem nun schief stehenden Yuntsui Building versammelt. Foto: kyodo
Rettungskräfte vor einem eingestürzten Gebäude in Hualien. Ein Erdbeben mit einer Stärke von 6,4 hat Taiwan erschüttert. Foto: Handout Hualien County Fire Bureau
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Rettungskräfte vor einem eingestürzten Gebäude in Hualien. Ein Erdbeben mit einer Stärke von 6,4 hat Taiwan erschüttert. Foto: Handout Hualien County Fire Bureau
In der Nähe von Taiwan treffen zwei tektonische Platten aufeinander, auf der Insel bebt immer wieder die Erde. Foto: Tian Jun-Hsiung
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In der Nähe von Taiwan treffen zwei tektonische Platten aufeinander, auf der Insel bebt immer wieder die Erde. Foto: Tian Jun-Hsiung

Gespenstische Szenen nach einem Erdbeben an der Ostküste Taiwans:  Hochhäuser, in denen noch Menschen vermutet werden, neigen sich gefährlich zur Seite. Während die Rettungsarbeiten laufen, sucht eine ganze Serie von Nachbeben die Region heim.

Taipeh (dpa) - Verschüttete Menschen, schrägstehende Hochhäuser, aufgerissene Straßen: Ein Erdbeben der Stärke 6,0 hat in der Nacht zum Mittwoch (23.50 Uhr Ortszeit) an der Ostküste Taiwans zu Leid und Zerstörung geführt.

Mindestens sieben Menschen kamen ums Leben, zitierte der TV-Sender Focus Taiwan das Rettungseinsatzzentrum in der Stadt Hualien. Bis zu 63 Menschen wurden demnach noch vermisst, 262 Menschen erlitten Verletzungen. Staatspräsidentin Tsai Ing-wen verschaffte sich vor Ort einen Eindruck von den Rettungsarbeiten. Die Suche nach Verschütteten werde unermüdlich weitergehen, sagte sie.

Das Beben ereignete sich etwa 18 Kilometer nördlich der am stärksten betroffenen Stadt Hualien in einer Tiefe von lediglich zehn Kilometern, wie die Zentrale Wetterbehörde der Insel mitteilte. Es war das stärkste einer ganzen Serie von Beben, die in den vergangenen Tagen registriert worden waren. Mehr als 180 Nachbeben gab es seit Dienstagabend, doch für besonderen Schrecken sorgten am Mittwoch zwei: eines mit der Stärke 4,7 und später eines mit der Stärke 5,7 vor der Ostküste ganz in der Nähe von Hualien. Die Rettungs- und Sucharbeiten mussten daraufhin vorübergehend gestoppt werden.

Premierminister Lai Ching-te sagte eine Soforthilfe der Regierung von 300 Millionen Taiwan-Dollar (gut acht Millionen Euro) für die Bewohner von Hualien zu. Dort stürzten mindestens vier große Wohn- und Geschäftsgebäude teilweise oder komplett ein, mindestens sieben Menschen wurden getötet. So starb unter anderem ein 36-jähriger Mann beim Einsturz des "Marshal Hotel", wie das Zentrale Rettungszentrum (CEOC) mitteilte.

Drei Menschen kamen zudem in den Trümmern eines zwölfstöckigen Gebäudes ums Leben, andernorts in Hualien starben eine 60-jährige Frau und ein 66-jähriger Mann. Das siebte Todesopfer sei eine Chinesin, die im Krankenhaus an ihren Verletzungen gestorben sei, berichtete Focus Taiwan. Aus einem elfstöckigen Gebäude brachten Rettungskräfte 116 Menschen in Sicherheit. Etwa 500 Einwohner von Hualien mussten vorübergehend in Notunterkünfte ziehen, während 40 000 Haushalte ohne Wasser und weitere 1800 ohne Strom waren. Größere Straßen waren aufgerissen und unbefahrbar, Brücken beschädigt.

"Als das Beben einsetzte, hat alles gewackelt. Ich hatte das Gefühl, dass ich jeden Moment von Trümmern getroffen werde", sagte eine Lehrerin namens Yeh dem lokalen Fernsehsender. "Ich war geschockt, wie lange das Beben dauerte" sagte Ching-ting Huang, eine weitere Frau aus Hualien. Eine Frau aus Südkorea bedankte sich überschwänglich, nachdem Retter sie nach zehn Stunden mit nur leichten Verletzungen aus Trümmern zogen.

Auch 31 Ausländer erlitten während des Bebens leichte Verletzungen, wie das Außenministerium bekannt gab. Unter ihnen befanden sich laut der staatlichen Nachrichtenagentur CNA vor allem Südkoreaner und Japaner. Taiwans Regierung bedankte sich am Abend bei der internationalen Gemeinschaft für die Anteilnahme unter anderem aus Japan, den USA und der Europäischen Union. Papst Franziskus sprach den Menschen in Taiwan sein Beileid aus. China wolle Rettungskräfte schicken, berichtete die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua.

Viele der Vermissten gehören zu Bewohnern des "Yunmen Cuiti​ Building" in Hualien. Das zwölfstöckige Wohnhaus neigte sich gefährlich zur Seite, weil die untersten Etagen eingestürzt sind. Rettungskräfte versuchten, das Haus mit Stahlträgern zu stützen. Laut den Rettern ist unklar, wie viele der im Gebäude registrierten Menschen zum Unglückszeitpunkt tatsächlich da waren und wie viele es nach draußen geschafft haben. Auch ein weiteres Hotel drohte einzustürzen. 

Die gesamte Serie von Erdbeben, die am 4. Februar mit einem Erdstoß der Stärke 5,8 begonnen habe, sei die stärkste, die die Region jemals erfasste habe, zitierte CNA die Wetterbehörde. "Dies ist ohne Beispiel und eine nicht normale Freisetzung von Energie", sagte Chen Kuo-chang demnach, der bei der Behörde für die Seismologische Abteilung zuständig ist.

In der Nähe von Taiwan treffen zwei tektonische Platten aufeinander, auf der Insel bebt immer wieder die Erde. Bei einem Erdstoß der Stärke 6,4 waren im Februar 2016 in Taiwan 115 Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Hochhäuser waren eingestürzt. Die Behörden machten Pfusch am Bau und nicht eingehaltene Vorschriften zum Erdbebenschutz mitverantwortlich. Ein Beben der Stärke 7,3 erschütterte Taiwan im September 1999. Damals starben dort mehr als 2400 Menschen.

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