Impfstoff ist unterwegs

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Alles beginnt mit dem Ei: Eine Mitarbeiterin des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline in Dresden präpariert in einem Sicherheitslabor Hühnereier für die Produktion des Impfstoffes gegen die Schweinegrippe. Die Bundesländer werden seit gestern mit dem Impfstoff beliefert.

Eine Woche vor dem Start der Massenimpfung gegen Schweinegrippe hat die Bundesregierung Vorwürfe einer Zwei-Klassen-Medizin bei der Aktion entschieden zurückgewiesen.

Lediglich Soldaten, Bundespolizisten und Krisenstabs-Mitarbeiter erhielten Impfstoff ohne Wirkstoffverstärker - aber nicht, weil dieser weniger Nebenwirkungen hervorrufe, sondern wegen eines schon vor Aufkommen der Schweinegrippe geschlossenen Vertrags. Die Impfungen sollen am 26. Oktober beginnen.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm erklärte die Tatsache der unterschiedlichen Impfstoffe mit einem Rahmenvertrag mit dem US-Hersteller Baxter International für den Fall, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Pandemie feststellt. Dieser Vertrag sei bereits am 14. Oktober 2008 geschlossen worden. Über die Art des Stoffs oder Wirkstoffverstärker sei dabei nichts vereinbart worden, teilte auch der Sprecher des Verteidigungsministeriums mit. Die ersten Fälle von Schweinegrippe waren im April 2009 bekannt geworden.

Auch Kanzlerin Angela Merkel wird mit ihrem Hausarzt sprechen

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Es gebe keine Zwei-Klassen-Impf-Gesellschaft, sagte Wilhelm. Regierungsmitglieder bekämen - wenn sie wollen - beim Hausarzt denselben Impfstoff mit Wirkstoffverstärker wie der Rest der Bevölkerung. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde mit ihrem Hausarzt sprechen. Wenn dieser zur Impfung rate, werde sie sich mit dem entsprechenden Serum Pandemrix impfen lassen. Zudem betonte der Regierungssprecher, dass der Stoff ohne Verstärker - Celvapan - auch nicht besser sei. Privatversicherte erhalten nach Angaben des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) Impfstoffe gegen Schweinegrippe mit Verstärkerstoffen wie gesetzlich Versicherte.

Für die besonders gefährdeten Schwangeren bemühen sich die Bundesländer entsprechend der Empfehlung der Ständigen Impfkommission um den zusatzfreien Impfstoff, wie das zuständige Thüringer Gesundheitsministerium mitteilte. Man hoffe, dass dieser im November zur Verfügung stehe. Es gehe um etwa 100.000 Einzeldosen. Im Einzelfall könnten auch Kinder oder Nicht-Schwangere von ihrem jeweils behandelnden Arzt mit diesem Serum geimpft werden.

Bei zweiter Infektionswelle kann es Mutationen des Virus geben

Bundesweit begann gestern nahe Dresden die Verteilung des Impfstoffs mit den strittigen Verstärkerstoffen. Die Regierung riet zur Impfung. „Wir müssen uns leider darauf einstellen, dass sich im Winterhalbjahr auf der Nordhalbkugel in einer zweiten Welle eine größere Gefährdung aufbauen kann“, sagte Wilhelm. Bei dieser zweiten Infektionswelle könne es auch Mutationen des Virus geben.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte dagegen: „Es mag auch für eine solche Massenimpfung sehr, sehr gute Gründe geben, aber es ist immer noch die Freiheit des Einzelnen, ob man sich nun impfen lässt oder nicht.“ Auch der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, rät zu Impfskepsis. „Ich bin kein Verfechter der Massenimpfung derzeit, da die Neue Influenza eher milde verläuft in Deutschland“, sagte Ludwig. Der Nutzen einer Impfung sei nicht klar aufgezeigt, Risiken könnten nicht ausgeschlossen werden.

Die Verunsicherung bestätigt auch das Frankfurter Gesundheitsamt: „Ich kriege Meldungen von Krankenhausärzten, die sagen, die Mitarbeiter seien zurückhaltend“, sagte der stellvertretende Leiter René Gottschalk. „Ich weiß auch von Feuerwehrleuten, die sagen, ich lass mich nicht impfen.“ Da es sich um eine vom Bundesgesundheitsministerium initiierte Impfung handelt liegt die Zuständigkeit bei den Ländern und somit bei den Gesundheitsämtern.

dpa/AP

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