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Versunkene Stadt entdeckt: Forscher graben 3400 Jahre alte Ruinen aus – „Grenzt an ein Wunder“

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Von: Patrick Huljina

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Luftaufnahme der Ausgrabungen von Kemune mit bronzezeitlicher Architektur, die teilweise im See versunken ist.
Luftaufnahme der Ausgrabungen von Kemune mit bronzezeitlicher Architektur, die teilweise im See versunken ist. © Universitäten Freiburg und Tübingen, KAO

Deutsche und kurdische Archäologen haben am Rande des Mossul-Stausees im Irak eine versunkene Stadt ausgegraben. Die Ruinen sollen mehr als 3400 Jahre alt sein.

Freiburg/Erbil - Der Irak hat mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Besonders der Süden des Landes leidet immer wieder unter extremer Trockenheit. Seit Dezember wurden daher zu Bewässerungszwecken große Mengen Wasser aus dem Mossul-Stausee abgelassen. Dadurch wurde Anfang des Jahres 2022 eine 3400 Jahre alte Stadt am Fluss Tigris freigelegt. Das teilte die Universität Freiburg am Montag (30. Mai) mit.

Irak: Forscher graben 3400 Jahre alte Ruinen aus – „Grenzt an ein Wunder“

Deutsche und kurdische Archäologen legten in einem Wettrennen gegen die Zeit eigenen Angaben zufolge zwischen Januar und Februar dieses Jahres die Siedlung frei und dokumentierten sie. Anschließend stieg der Wasserspiegel wieder an. Das Team grub den Angaben zufolge unter anderem eine Befestigungsanlage mit Mauern und Türmen, ein mehrstöckiges Lagerhaus sowie über 100 Keilschrifttafeln aus, berichtet merkur.de.

Vieles ist demnach noch gut erhalten. „Dass die Keilschrifttafeln aus ungebranntem Ton so viele Jahrzehnte unter Wasser überdauert haben, grenzt an ein Wunder“, sagte der an der Grabung beteiligte Archäologe Peter Pfälzner von der Universität Tübingen.

Versunkene Stadt entdeckt: Forscher vermuten, es handelt sich um das alte Zachiku

„Bei der ausgedehnten Stadtanlage mit Palast und mehreren Großbauten könnte es sich um das alte Zachiku handeln“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Forscher vermuten, dass die Stätte namens Kemune ein wichtiges Zentrum im Großreich von Mittani war. Das Mittani-Reich herrschte etwa zwischen 1550 und 1350 vor Christus über weite Teile Nordmesopotamiens und Syriens.

Kemune liegt am Rand des Mossul-Stausees in der Region Kurdistan im Norden des Irak und wurde nach Angaben der Forscher erstmals 2010 bei einem Niedrigwasserstand entdeckt. Erst 2019 konnten die Grabungen beginnen. Damals legten die Archäologen einen Palast frei.

Um die Ausgrabungen zu schützen, deckten die Archäologen die Ruinen mit Planen ab und schütteten sie mit Kies zu. Derzeit ist die Stätte nach dem Ende der Dürre vorerst wieder vollständig unter dem Wasser des Stausees verschwunden.

In Südtirol ragt ein alter Kirchturm aus dem Reschensee. Dort ist das „Atlantis der Alpen“ versunken. Im Irak haben zuletzt Sandstürme zu schweren Atemproblemen bei Menschen geführt. Tausende mussten ins Krankenhaus. (ph mit dpa)

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