Nordkorea provoziert mit Atomtest

Kommentar: Wer bedroht den Frieden?

Er heißt Kim Jong Un und gilt als Diktator der schlimmeren Sorte auf dieser Welt. Und die hat der Nordkoreaner mit einem neuen Atomtest aufs Neue provoziert. Von Frank Pröse

Die Gründe liegen offensichtlich sowohl in einer innenpolitischen Machtdemonstration gegenüber dem Militär als auch im Muskelspiel mit jenen Ländern, die sich an internationalen Auflagen gegen das ohnehin schon weitgehend isolierte Land beteiligen. „Sanktionen bedeuten Krieg und eine Kriegserklärung gegen uns“, ließ Nordkorea jüngst verlauten, als der UN-Sicherheitsrat beschlossen hatte, die Zügel wegen Raketentests schärfer anzuziehen. Auflagen der Vereinten Nationen haben dem Land untersagt, Atom- und Raketentechnologie zu entwickeln. Bei den Vereinten Nationen und den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats - USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien - stieß der neuerliche Test auf scharfe Kritik. Doch sei die Frage erlaubt, mit welchem Recht ausgerechnet Atomwaffenstaaten, die sich nicht an die Abrüstungsvorgaben des von ihnen unterzeichneten Sperrvertrags halten, anderen Ländern eine nuklearer Bewaffnung verbieten wollen.

Zur Klarstellung: Niemand kann an immer mehr Atomwaffenstaaten Interesse haben. Aber woher nehmen Washington, Paris, Peking, London und Moskau die Chuzpe und prangern Pjöngjang an, wo sie doch selbst nuklearen Dreck am Stecken haben? Auch jene, die jetzt Nordkorea der Bedrohung des Weltfriedens bezichtigen, spielen mit dem Feuer, weil sie nicht im Traum daran denken, sich an die Buchstaben des Sperrvertrags zu halten. Wer nicht abrüstet, bedroht die anderen. Die Ablehnung atomarer Waffen gilt für alle, für Nordkorea wie für die USA.

Kommentare