Zweifel angebracht

Kommentar: Schockbilder auf Zigarettenschachteln

Ein offenes Raucherbein, ein nach außen wuchernder Kehlkopfkrebs oder auch ein paar schwarze Zahnstümpfe – dies sind nur drei hübsch-hässliche Beispiele für Schockbilder, die Raucher ab Mai auch in Deutschland auf ihren Zigarettenschachteln erblicken werden. Ob ihnen deshalb die Lust am Qualmen vergeht? Von Hans Willms

Den meisten Rauchern wird es vermutlich egal sein, aber einen Versuch ist’s doch wert, den Tabakkonsum weiter zu reduzieren.Zyniker weisen angesichts der aktuellen Debatte immer gerne darauf hin, dass die Raucher über die Tabaksteuer mit dafür sorgen, den Staatssäckel zu füllen. Und da sie in der Regel eher stürben, entlasteten sie zugleich die Rentenkassen. Nach vorsichtigen Schätzungen sterben in der Tat Jahr für Jahr mehr als 100.000 Raucher an den Folgen ihres ungesunden Lasters. Beißender Spott ist genau deshalb völlig fehl am Platze. Mehr als 100.000 Todesopfer bedeuten schließlich auch mehr als 100.000 Schicksalsschläge.

Aber Raucher sind und bleiben ein uneinsichtiges Völkchen. Und ihnen ist das Risiko auch voll bewusst. Besonders treffend brachte das einst der Kabarettist Volker Pispers auf den Punkt. Jeder Lottospieler wisse, dass die Chance auf einen Hauptgewinn bei 1:140 Millionen läge, und trotzdem gehe jeder Lottospieler davon aus, dass es ihn treffen werde. Der Raucher wüsste, dass die Chance an Lungenkrebs zu erkranken, bei 1:10 000 läge, und trotzdem gehe jeder Raucher davon aus, dass es ihn nicht treffen werde. Angesichts dieser nüchternen Erkenntnis bleiben Zweifel am Erfolg der kommenden Schockbilder-Kampagne wohl durchaus angebracht.

An solche Bilder müssen wir uns gewöhnen

Rubriklistenbild: © dpa

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