Latrinenfliege in der Grapefruitkiste

Frankfurt/Main - Die Ergebnisse sind ebenso unappetitlich wie aufschlussreich: In einem Schulprojekt sammelten zwei New Yorker Zwölftklässler Proben aus ihrer Umgebung.

Die untersuchten sie anschließend per DNA-Analyse auf Organismen. Dabei entdeckten die Jungforscher nicht nur ungewöhnliche Tiere, sondern enthüllten auch zahlreiche Fälle von Lebensmittelbetrug. In der Wohnung, auf dem Bürgersteig, im Lebensmittelregal - vier Monate sammelten Brenda Tan und Matt Cost Proben - von Tütensuppen über Hundekuchen und Vogelfedern bis hin zu Pferdemist aus dem Central Park. “Wir glauben vielleicht, dass wir in einer sterilen städtischen Umwelt leben, die von der Natur unberührt ist“, sagt der 18-jährige Cost, der die Proben zur Analyse an das Amerikanische Museum für Naturgeschichte schickte. Dass eher das Gegenteil der Fall ist, zeigen die im Magazin “BioScience“ publizierten Resultate. “Auf 151 von 217 getesteten Objekten fanden wir verwendbare Erbsubstanz“, resümiert Cost in dem Fachblatt.

Die DNA stammte von insgesamt 95 Tierarten, davon 58 Wirbeltiere und 27 Wirbellose. Darunter waren etliche invasive Spezies - etwa ein aus Europa stammender, extrem langbeiniger Tausendfüssler oder eine eigentlich in Vorderasien beheimatete Latrinenfliege, die in einer Grapefruitkiste aus Texas einreiste. Möglicherweise werden die Namen der beiden Schüler sogar in den Annalen der Zoologie verewigt: Die DNA eines Insekts, das eigentlich aussah wie eine gewöhnliche Amerikanische Großschabe, deckte sich nur zu 96 Prozent mit dem Erbgut von Periplaneta americana. Da sich die Erbanlagen von Vertretern einer Spezies meist nur zu maximal einem Prozent voneinander unterscheiden, haben die Jungforscher vermutlich eine bislang unbekannte Art oder zumindest Unterart von Küchenschaben entdeckt.

Nilbarsch statt Hai

Für größeres Aufsehen dürften aber die Analysen der Lebensmittel sorgen, die die Schüler auf diversen Märkten erstanden. Elf der insgesamt 66 Waren waren falsch deklariert. Angeblicher Schafskäse bestand aus Kuhmilch, Hundekuchen aus Wild enthielten in Wirklichkeit Rind. Vermeintlicher edler Kaviar vom Stör stammte vom Löffelstör aus dem Mississippi, und die Delikatesse getrockneter Hai entpuppte sich als schnöder Süßwasserfisch Nilbarsch. Dass es sich bei den falschen Deklarationen eher um Betrug als um Versehen handelt, belegt der Umstand, dass entweder billigere Lebensmittel als teurere Delikatessen verkauft wurden oder dass geschützte Arten falsch ausgewiesen waren.

Schon im Jahr 2008 hatte ein ähnliches Projekt in New York für Furore gesorgt. Damals hatten Analysen gezeigt, dass jedes vierte Fischprodukt von Märkten und Restaurants nicht das angegebene Tier enthielt. Die an der aktuellen Studie beteiligten Forscher hoffen nun auf schärfere Lebensmittelkontrollen. “Dieser Bericht zeigt den Lebensmittel- und Gesundheitsbehörden weltweit, wie einfach es ist, die Herkunft von Produkten zu prüfen, Betrüger zu entlarven und sowohl die Gesundheit der Verbraucher als auch bedrohte Arten zu schützen“, sagt Mark Stoeckle von der Rockefeller Universität. “Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern, bis wir die ersten Ermittlungen auf Basis von DNA-Analysen sehen.“

AP

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