Lockerbie-Attentäter in Lybien mit Jubel empfangen

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Der 57-jährige Abdel Basset al Megrahi leidet an Prostata-Krebs im Endstadium.

Edinburgh/Tripolis - Der todkranke Lockerbie-Attentäter ist nach zehn Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen worden und nach Libyen zurückgekehrt. Dort wurde er von tausenden Menschen jubelnd begrüßt.

Der schottische Justizminister Kenny MacAskill erklärte am Donnerstag in Edinburgh, der frühere libysche Geheimdienstagent Abdel Basset al Megrahi sei aus humanitären Gründen freigelassen worden, damit er sein Leben im Kreise seiner Familie beenden könne.

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Der 57-Jährige leidet an Prostata-Krebs im Endstadium. Die US-Regierung und Angehörige des Anschlags auf eine Pan-Am-Maschine 1988 kritisierten die Freilassung. Al Megrahi kehrte wenige Stunden nach seiner Freilassung am Abend in seine Heimat zurück. Auf einem Militärflughafen bei Tripolis wurde er von tausenden Menschen jubelnd begrüßt. Viele Libyer sehen in ihm einen unschuldigen Sündenbock des Westens. Al Megrahi beteuerte in einer Erklärung seine Unschuld. Er sei fälschlicherweise verurteilt worden. Zugleich äußerte er Mitgefühl für Angehörigen der Opfer des Anschlags vor fast 21 Jahren.

Der schottische Justizminister MacAskill betonte, sein Beschluss folge ausschließlich humanitären Erwägungen. Er hätte auch eine juristische Entscheidung auf der Grundlage eines Abkommens mit Libyen zum Austausch von Häftlingen treffen können, habe sich aber bewusst dagegen entschieden. Eine höhere Macht werde schon bald über Al Megrahi richten, sagte der Minister. Sicherlich habe der Verurteilte seinen Opfern gegenüber keine Menschlichkeit gezeigt. Dies sei aber kein Grund für die schottische Regierung, dem Schwerkranken dies jetzt zu verweigern. Er sei sich darüber im Klaren, dass es in diesem Fall “sehr tiefe Emotionen“ gebe und dass viele seine Entscheidung nicht gutheißen würden, sagte MacAskill weiter.

Das Attentat von Lockerbie habe bei den Angehörigen der Opfer tiefe Wunden hinterlassen, die immer noch schmerzten und nie ganz verheilen würden. Dennoch habe er sich für einen Schritt der Humanität entschieden, der in der schottischen Tradition fest verankert sei.

Obama nennt Entscheidung falsch

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Freilassung Al Megrahis als einen Fehler und forderte in einem Radio-Interview, dass dieser in Libyen unter Hausarrest gestellt werden solle. Zuvor hatte bereits Obamas Sprecher Robert Gibbs erklärt, die USA hätten Schottland wiederholt ersucht, Al Megrahi weiter in Haft zu behalten. Gibbs erinnerte zugleich an das Los der Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags auf das Pan-Am-Flugzeug.

Auch mehrere Angehörige der Opfer meldeten Protest an. Kara Weitz aus Mount Laurel im US-Staat New Jersey, die damals ihren 20-jährigen Bruder verlor, sagte: “Ich begreife nicht, wie die Schotten Mitleid zeigen können.“ Das sei wirklich abscheulich. Al Megrahi wurde 1999 von Libyen an die Niederlande überstellt. Dort wurde er 2001 wegen des Anschlags auf die Pan-Am-Maschine zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bei der Explosion des Flugzeugs über der schottischen Ortschaft Lockerbie kamen im Dezember 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben, elf von ihnen am Boden. Al Megrahi war der einzige, der wegen des Anschlags verurteilt wurde.

AP

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