Neuer Fall Kampusch in Österreich?

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Im Alter von 16 Jahren ist Julia Kührer am 27. Juni 2006 aus Pulkau (Niederösterreich) spurlos verschwunden.

Pulkau - Ein Teenager-Drama beschäftigt Österreich: Lebt die seit vier Jahren verschwundene Julia Kührer (damals 16) noch? Oder wurde sie ermordet? Jetzt gab es mehrere Razzien mit Leichenspürhunden und drei Festnahmen.

Am 27. Juni 2006 verschwand Julia Kührer aus dem niederösterreichischen Örtchen Pulkau (1.568 Einwohner). Seitdem fehlt von dem Teenager-Mädchen jede Spur. Doch nun kommt Bewegung in den mysteriösen Fall, der an die Entführung von Natascha Kampusch erinnert (floh 2006 nach acht Jahren Gefangenschaft aus einem Haus in Wien).

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Am frühen Montagmorgen stürmten laut der österreichischen "Kleinen Zeitung" 50 Beamte der Elite-Spezialeinheit Cobra mehrere Objekte im niederösterreichischen Waldviertel (nahe Tschechien).  Bei den Razzien klickten die Handschellen für zwei Männer und eine Frau. Wie Friedrich Köhl von der Staatsanwaltschaft Korneuburg gegenüber dem Blatt erklärte, nahmen die Elite-Polizisten "drei Personen aus dem Umfeld" der vermissten Julia fest.

Genaueres berichtet die Nachrichtenseite "heute.at": Bei den Festgenommenen soll es sich um Martin H. (24) sowie seine Exfreundin Tamara K. (26) und ihren Bruder Jürgen (21) handeln. Sie sollen die vermisste Schülerin mit Haschisch beliefert haben. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie auch wichtige Hinweise verschwiegen haben, die zur Aufklärung von Julias Verschwinden hätten beitragen können.

Elite-Polizist bei Razzia verletzt

Bei der Razzia soll auch ein Elite-Polizist verletzt worden sein. Der Schäferhund von Martin H. hatte laut "heute.at" zugebissen, als ein Cobra-Beamter mit Kollegen in dessen Wohnung stürmte. Die Beamten mussten das Tier erschießen.

Nun ermittlelt die Polizei wegen "Verdacht auf Freiheitsentzug", so Friedrich Köhl von der Staatsanwaltschaft Korneuburg zur "Kleinen Zeitung". Im Bundeskriminalamt in Wien wurden die Festgenommenen noch am Montag stundenlang verhört. Im Laufe des heutigen Dienstags wird sich entscheiden, ob das Trio in Untersuchungshaft kommt.

Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, soll es neben der Groß-Razzia noch weitere Suchaktionen nach Julia gegeben haben. Auch Leichenspürhunde sollen am Montag im Einsatz gewesen sein.

Verschiedene Gerüchte über Julias Verschwinden

Bis heute wissen die Ermittler nicht, ob Julia noch am Leben ist. Nun werden laut "heute.at" verschiedene Gerüchte über ihr Veschwinden diskutiert: Möglicherweise haben die Festgenommenen die Schülerin im Juni 2006 zu Tamaras Geburtstagsparty eingeladen. Als sie dort mit Drogen experimentierten, könnte Julia an einer Überdosis gestorben sein. Anschließend haben die drei Verdächtigen die Tote möglicherweise verscharrt.

Allerdings könnte Julia auch einer Beziehungstat zum Opfer gefallen sein. Auch dazu könnte das Trio Näheres wissen.

Verhöre und Hausdurchsuchungen sollen nun klären, was mit Julia passiert ist. Erst vor Monaten wurde der bereits zu den Akten gelegte Fall neu aufgerollt. Spezial-Ermittler einer sogenannten Cold-Case-Gruppe beim österreichischen Innenministerium konzentrieren sich seit Ende Januar auf den Fall Kührer, erklärt BKA-Sprecher Alexander Marakovits gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Julias Eltern haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihre Tochter noch lebt. Jedoch sagt ihre Mutter Brigitte Kührer zu "heute.at": „Ich habe seit Längerem das Gefühl, dass es ihr sehr, sehr schlecht geht.“

fro

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