Ölpest bedroht Strände von Florida

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Die Ölpest nach dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko bedroht jetzt auch die Ferienstrände von Florida.

Port Fourchon/USA - Die Ölpest im Golf von Mexiko bedroht nun auch die Strände des beliebten Ferienstaates Florida. Bisher ist es ein dünner Ölfilm, der sich den Weißen Stränden nähert.

Ein dünner Ölfilm wurde Behördenangaben zufolge 15 Kilometer vor den berühmten weißen Sandstränden von Pensacola gesichtet. Auch Barrieren könnten das Öl wohl kaum vollständig von den Stränden fernhalten. Südwestwinde treiben den Ölfilm immer näher. Zudem hat die Hurrikan-Saison begonnen. Florida wäre nach Louisiana, Alabama und Mississippi der vierte von der Ölkatastrophe betroffene US-Bundesstaat.

Beim jüngsten Versuch zur Eindämmung kam es erneut zu einer Panne. Beim Absägen eines beschädigten Steigrohrs blieb eine der Sägen stecken, berichtete die amerikanische Küstenwacht. Das neue Leck werde mit Chemikalien bekämpft.

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Ein erstes Absägen in der Nacht zum Mittwoch sei erfolgreich verlaufen, sagte der oberste Krisenmanager, Admiral Thad Allen. Ziel sei es nun, die mit Diamanten geränderte Säge freizubekommen und das Steigrohr noch am Mittwoch wie geplant abzusägen. “Die Frage ist nicht ob, sondern wie fein wir den zweiten Schnitt machen können“, sagte Allen nach der Panne. Ansonsten müsse mit einer zweiten Säge weitergearbeitet werden. Danach soll das austretende Öl mittels eines Ventils kontrolliert an die Oberfläche gebracht werden.

Das Vertrauen in den Konzern BP, die größte Ölpest in der Geschichte der USA bald in den Griff zu bekommen, ist dahin. BP habe verschwiegen, mit welchen Risiken der neue Versuch verbunden sei. Ein Berater des Weißen Hauses hatte am Wochenende erklärt, durch das Absägen des beschädigten Steigrohrs könnten zunächst rund 20 Prozent mehr Öl austreten als zuvor. BP erklärte, man rechne nicht mit einer signifikanten Zunahme. Bei der Äußerung des Konzerns sei ihm nicht wohl, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs.

US-Justiz ermittelt wegen Ölpest

Sechs Wochen nach dem Untergang der BP-Ölplattform “Deepwater Horizon“ nimmt die US-Regierung straf- und zivilrechtliche Ermittlungen auf. Die Bundesbehörden dürften nicht nur BP ins Visier nehmen: “Wir werden die Handlungen aller Beteiligten genauestens überprüfen“, sagte Justizminister Eric Holder am Dienstag in New Orleans. Mögliches illegales Verhalten werde aufs härteste geahndet.

Präsident Barack Obama hielt seine ihm unterstellte Untersuchungskommission zur schonungslosen Aufklärung an, ungeachtet was sie herausfänden und wer davon betroffen sei. Falls die Gesetze unzureichend seien, würden sie eben entsprechend geändert. Und falls die Aufsicht der Regierung zu lasch sei, werde auch dieser Fehler behoben.

Nach Einschaltung der Justiz kamen die Aktien von BP weiter unter Druck. Nach einem Kursrutsch von 13 Prozent am Dienstag setzte sich der Abwärtstrend am Mittwoch zunächst fort. Die Zukunft von BP gilt als ungewiss: Der Konzern bezifferte die Kosten bislang mit knapp einer Milliarde Dollar. Analysten rechnen zudem mit Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe. Seit die “Deepwater Horizon“ am 20. April explodierte und im Golf von Mexiko versank, hat BP 75 Milliarden Dollar an Marktwert verloren. Jeden Tag strömen aus einem defekten Bohrloch Hunderttausende Liter Öl ins Meer.

dapd

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