Wurde der 17-Jährige gemobbt?

Amokläufer Tim K.: Erste Hinweise auf sein Motiv

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Der Amokläufer Tim K. tötete bei seiner Bluttat an der Realschule in Winnenden auch seine ehemalige Mitschülerin Jana S. (kleines Bild rechts).

Winnenden - Nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Toten hat die Polizei erste Vermutungen, warum der 17 Jahre alte Schüler Tim K. die Tat beging. Wurde er von Mitschülern gemobbt?

Es gebe "erste Ansatzpunkte für ein Motiv", sagte der Waiblinger Polizeichef Ralf Michelfelder am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin. Details nannte er nicht und verwies auf eine für Mittag geplante Pressekonferenz. Eine Schülerin hatte berichtet, Tim K. sei möglicherweise gemobbt worden.

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Die Zwölfjährige sagte gegenüber Journalisten, Tim K. habe ihr vor etwa drei Wochen einen Brief gezeigt. "Er schrieb seinen Eltern, dass er leidet und nicht mehr weiter kann", sagte Fabienne B. Mitschüler hätten sich über ihn lustig gemacht, die Lehrer hätten ihn ignoriert. Ein Abschiedsbrief oder eine Nachricht vom Täter gibt es laut Polizei nicht. Nach Angaben von Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen wird der Computer des ehemaligen Schülers der Albertville-Realschule ausgewertet. "Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel Counterstrike gefunden." Der Amokläufer habe in den vergangenen Monaten viel Zeit mit Killerspielen am Computer verbracht. Zu seinen Hobbys gehörte auch das Schießen mit Softairwaffen.

Auch zum Zustand der verletzten Opfer äußerte sich Polizeichef Michelfelder. Die bei dem Einsatz verletzten Polizisten seien außer Lebensgefahr, sagte er. Von den verletzten Schülern seien sieben noch im Krankenhaus. Sie seien teilweise schwer verletzt, "bis hin zu Bauchschüssen", aber glücklicherweise auch außer Lebensgefahr. Die Polizei in Waiblingen sprach am Morgen von insgesamt neun Verletzten, darunter fünf Schüler. Drei verletzte Opfer seien inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Tim K. habe bei dem Amoklauf allein in der Schule mindestens 60 Schüsse abgefeuert, sagte Michelfelder. Unterdessen wird gegen den Vater des Täters wegen Verstoßes gegen das Waffenrecht ermittelt. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der ehemalige Schüler Tim K. die Tatwaffe aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet. Alle anderen Waffen des Vaters lagen sicher in einem Tresor. "Es deutet alles darauf hin, dass der Vater hier nachlässig war, was das Verwahren dieser einen Waffe anbelangt", sagte Michelfelder.

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Die Eltern des 17-Jährigen verließen ihren Wohnort Leutenbach. "Die Eltern sind bereits am Mittwoch auf eigene Initiative hin gegangen", sagte Polizeisprecher Hinderer. Der Ort ihres Verbleibs werde nicht bekanntgegeben. Sie wollten in Ruhe gelassen werden. "Sie werden nicht von der Polizei geschützt." Das Elternhaus war am Vortag von Journalisten belagert worden.

Bei dem Amoklauf hatte der 17 Jahre alte Tim K. am Mittwoch zunächst an seiner alten Schule acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen getötet. Laut Polizei wurden zudem neun Personen an der Schule verletzt. Bei seiner Flucht erschoss Tim K. einen Passanten, entführte ein Auto und tötete nach einer Verfolgungsjagd zwei Menschen in einem Autohaus in Wendlingen. Bei dem Schusswechsel mit der Polizei verletzte er zwei Beamte schwer, bevor er nach Angaben der Staatsanwaltschaft verletzt wurde und sich dann offenbar selbst tötete.

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