Virus hat Europa erreicht

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Einen Impfstoff gibt es für die Schweinegrippe nicht. Es können lediglich Medikamente für die Behandlung der Krankheit eingenommen werden.

Genf/Berlin (AP/dpa) - Die gefährliche Schweinegrippe hat Europa erreicht: In Spanien und Schottland wiesen Mediziner gestern das mutierte Virus H1N1 bei insgesamt drei kürzlich zurückgekehrten Mexiko-Reisenden nach.

In mehreren europäischen Ländern wurden noch Patienten mit Grippesymptomen untersucht - in Skandinavien und in der Schweiz zum Beispiel jeweils fünf Mexiko-Reisende. Die spanische Regierung sprach von fast 20 weiteren Verdachtsfällen.

In den USA verdoppelte sich die Zahl der Kranken auf 40, sechs gibt es in Kanada. In Mexiko stieg die Zahl der Grippetoten auf etwa 150. Bei wie vielen davon das neue, mutierte Schweinegrippevirus H1N1 nachgewiesen wurde, teilte die Regierung nicht mit. Die WHO nannte die Ausbreitung der Grippe „sehr beunruhigend“.

Ein erkrankter Spanier war am 22. April mit Fieber und Husten von einer Studienreise aus Mexiko zurückgekehrt. Der 23-Jährige befinde sich in einem Krankenhaus im Südosten des Landes unter Quarantäne, ihm gehe es gut, betonten die Gesundheitsbehörden. Auch seine Familie und Freunde werden vorsorglich mit Antiviren-Medikamenten behandelt. Zwei britische Patienten waren am Wochenende nach einer Mexiko-Reise mit leichten grippeähnlichen Symptomen in ein Krankenhaus nahe Glasgow in Schottland gekommen. Sie befinden sich laut Gesundheitsministerium auf einer Isolierstation und erholen sich gut. Sieben Menschen, die mit ihnen in Kontaktsatnden, zeigten ebenfalls schwache Symptome, sagte die schottische Gesundheitsministerin Nicola Sturgeon. Die Gefahr für die britische Öffentlichkeit sei „sehr gering“.

In Mexiko war der Erreger bisher bei mindestens 20 der Gestorbenen gefunden worden. Im ganzen Land werden nach Regierungsangaben fast 2000 Grippekranke in Kliniken behandelt. Nachgewiesen wurde das mutierte Virus jedoch erst bei 172 Menschen. Die Regierung von Mexiko-Stadt erwog, das Wirtschaftsleben der 20-Millionen-Metropole vorübergehend ruhen zu lassen, um die Virus-Ausbreitung zu hemmen. Dazu soll die Mega-City komplett von der Außenwelt abgeriegelt werden. Bisher sind in Mexiko-Stadt alle Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen. Von heute an soll diese Maßnahme auf ganz Mexiko ausgedehnt werden.

In den USA verdoppelte sich die Zahl der bestätigten Schweinegrippefälle von 20 auf mindestens 40, allein 28 der Patienten waren Schüler an einem New Yorker Privatgymnasium. Präsident Barack Obama sprach von einem Grund zur Besorgnis, jedoch keinem Grund zu Alarm. Die USA hatten bereits am Sonntag den „Gesundheitsnotstand“ ausgerufen. Dabei handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um zu gewährleisten, dass die nötigen Mittel rasch zur Verfügung stehen, hieß es.

Der Pharmakonzern Novartis nimmt an, in drei bis sechs Monaten eine Impfung gegen das mutierte Schweinegrippevirus zu haben. Der neue Grippeerreger weist genetische Merkmale von Schweinen, Vögeln und Menschen auf - in einer Art, wie es die Forscher bislang noch nicht beobachtet haben. „Wir haben es mit einem neuen Virus zu tun, und er verbreitet sich von Mensch zu Mensch“, sagte WHO-Sprecher Thomas Abraham.

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