Panzer im Winterdienst

+
Wie hier in Kassel waren die Straßenmeistereien rund um die Uhr im Einsatz.

Der Winter sorgt für Chaos: China rationiert den Strom, Tschechien schließt die Grenzen für Lkw, Albanien steht wegen der Schneeschmelze vor einer Katastrophe, und in Dänemark helfen schon Panzer aus.  

Schnee und Eis haben weite Teile Europas lahmgelegt. Noch schlimmer erwischte es aber Teile Asiens: In China wurde nach Rekordschneefällen und den niedrigsten Temperaturen seit Jahrzehnten in großen Teilen des Landes der Strom rationiert oder sogar abgestellt. Großbritannien hat das Schneechaos gerade überwunden, nun hält die bittere Kälte das Land im Griff. 

Albanien

Im Norden Albaniens sorgte eine ungewöhnlich frühe Schneeschmelze in den ohnehin überfluteten Gebieten für zusätzliche Probleme. Rettungsmannschaften mussten tausende Familien aus überschwemmten Häusern retten, berichteten die Behörden. Das Land stehe vor einer Katastrophe, hatte Regierungschef Sali Berisha am Mittwoch gesagt und den Einsatz der Armee angekündigt.

Dänemark

Militärische Hilfe ist in Dänemark bereits im Einsatz: Panzer fahren auf einigen Straßen, um die Schneemassen an die Seiten zu schieben und um selbst steckengebliebene Räumfahrzeuge zu befreien.

Deutschland

Lesen Sie auch:

Deutschland rüstet sich für Schneewochenende

1000 Zugreisende in Belgien blockiert

Briten zittern in kältester Nacht des Winters

Eiszeit in USA: Mehrere Tote - Sogar Florida friert

In Deutschland gab es Zwangspausen für Binnenschiffer, schulfrei für Kinder und Ausgangssperren für Zootiere. Weiteres Unheil rückt näher: Tief “Daisy“ zieht mit Schnee und eisigem Sturm vom Mittelmeer nach Polen - und erwischt dabei auch Deutschland. Bis zum Sonntag können örtlich bis zu 20 Zentimeter Neuschnee fallen Die größten Probleme werde der starke Wind bereiten, der örtlich zu starken Schneeverwehungen führen könne, sagte Meteorologe Martin Jonas vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Besonders schlimm scheint es derzeit in Deutschlands Norden: Der Winter wütete am Hamburger Hafen.

Der Frost soll mindestens bis Mitte der kommenden Woche andauern. Die Deutsche Bahn rüstet sich mit mehreren hundert zusätzlichen Mitarbeitern, Buskontingenten und Dieselloks  für die erwarteten neuen Schneefälle. Hunderte Mitarbeiter sind in Alarmbereitschaft, um möglichst schnell Unwetterschäden beseitigen zu können, wie die Bahn am Freitag in Berlin mitteilte. Zudem sind die Winterdienste und das Servicepersonal stärker besetzt. Für den Fall, dass Züge wegen des Schnees ausfallen, hat das Unternehmen Buskontingente geordert und hält zusätzliche Dieselloks vor, die etwa bei Oberleitungsschäden eingesetzt werden können.

In den Leitstellen und Betriebszentralen sollen zusätzliche Mitarbeiter einen möglichst reibungslosen Betriebsablauf sowie schnelle Informationen für Reisende sicherstellen. Auf Schwerpunktbahnhöfen sollen Mitarbeiter des Bahnhofsmanagements das Servicepersonal zur Betreuung der Reisenden verstärken. Außerdem stockt das Unternehmen unter anderem in den Serviceschaltern das Personal auf. Zwtl: Infos im Internet abrufbar Auch im Schienengüterverkehr werden nach Angaben des Unternehmens Zusatzbereitschaften für Lokführer und Personal in den Frachtzentren und der Instandhaltung eingerichtet.

Niederlande

Im Nachbarland haben sich die Menschen etwas Besonderes ausgedacht, um ihre Straßen von Eis und Schnee zu befreien: Sie werden trocken geföhnt. Hier geht's zum Video: In den Niederlanden werden die Straßen geföhnt

Spanien

Vor allem die Nordhälfte Spaniens Landes bekam die Folgen der angekündigten "Polarkälte" zu spüren. Auf den Straßen der Pilgerstadt Santiago de Compostela in Galicien kam es zu einem Chaos, weil der Schnee den Verkehr lahmlegte, wie der Rundfunk berichtete. Auch in der Hauptstadt Madrid schneite es. In der Gegend um Cádiz im Süden setzten heftige Regenfälle Straßen, Keller und Tiefgaragen unter Wasser.

Selbst im Süden liegt Schnee: wie hier im spanischen Avila.

In Asturien, Kantabrien, dem Baskenland, Aragonien und Katalonien mussten zahlreiche Landstraßen wegen Schneefalls gesperrt werden. Auf der Ferieninsel Mallorca sorgten Regen und Sturm für Probleme. Die starken Windböen knickten nach Rundfunkberichten Bäume und Werbeschilder um. Wegen schwerer See sei auch der Hafen von Palma vorübergehend geschlossen worden. Die Meteorologen sagten für die Balearen einen Rückgang der Temperaturen auf acht Grad sowie Schneefälle auf Meereshöhe voraus. Für fast ganz Spanien galten am Freitag Unwetterwarnungen. Ausgenommen waren nur die Region Extremadura im Südwesten sowie die Kanarischen Inseln - dort herrschten frühlingshafte 20 Grad. 

Großbritannien

In England tobt der härteste Winter der vergangenen Jahrzehnte. In England fielen die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad. In den schottischen Highlands froren die Menschen in der Nacht zu Freitag bei bis zu minus 21,6 Grad, sagte der zuständige Wetterdienst gegenüber der Basler Zeitung.

Wegen des Schnees wurden auch auf dem Flughafen Gatwick im Süden Englands viele Flüge abgesagt.

Schneestürme hatten den Flugverkehr lahmgelegt. Mehrere Airports mussten am Donnerstag zeitweise ihren Betrieb einstellen. Der Billigflieger Easyjet strich etwa 70 Flüge. Auch British Airways kündigte Streichungen und Verspätungen an den Londoner Flughäfen Gatwick und Heathrow an. Daneben blieben weiter hunderte Schulen geschlossen. Rund 20 000 Menschen waren zudem von einem Stromausfall in der südenglischen Grafschaft Hampshire betroffen.  Autofahrer blieben auf den Autobahnen stecken, viele tausend Schulen erneut geschlossen. In den Krankenhäusern galten Notfallpläne. Allein im Süden Englands waren bis zu 40 Zentimeter Neuschnee gefallen. Die Zahl der Menschen, die seit der Vorweihnachtszeit vermutlich durch den Wintereinbruch umgekommen sind, stieg auf 22, nachdem ein Mann am Donnerstag in der Grafschaft Surrey tot in einem gefrorenen See gefunden wurde. 

Frankreich

Ergiebige Schneefälle haben am Freitag den Verkehr in großen Teilen Frankreichs behindert. Die von Norden kommende “Schneewalze“ erreichte die Mittelmeerküste, wo sie bei Marseille in Regen überging. Mehrere Autobahnen wurden gesperrt. Der Schwerverkehr wurde untersagt. Örtlich wurden Schulen geschlossen, weil die Schulbusse nicht fahren konnten.

Schnee am Eiffelturm: Der Winter hat PAris fest im Griff und sorgte für Chaos auf den Straßen.

Der Wetterdienst Météo France gab für den Osten Frankreichs und die Pyrenäen Schneewarnungen heraus. Nur langsam floss der Verkehr auch in der Bretagne und der Normandie. In Paris war der S-Bahn-Verkehr teilweise gestört Der Winter brachte auch den Bahnverkehr unter dem Ärmelkanal teilweise zum Erliegen. Eurostar strich wegen des harten Winterwetters in England alle frühen und späten Züge zwischen London und Paris beziehungsweise Brüssel. Die übrigen Züge hatten teils mehrstündige Verspätung. Am Donnerstag war ein Zug wegen eines Fehlers der Signaltechnik im Tunnel liegengeblieben. Der Zug mit knapp 240 Passagieren sei mit einer Lokomotive in den Bahnhof Ashford nach England geschleppt worden, sagte ein Sprecher. Die Ursache der Panne war zunächst unklar, die Fahrt der Züge wurde vorerst gestoppt. Wenige Tage vor Weihnachten hatten mehrere Eurostar-Züge im Kanaltunnel festgesteckt, weil schmelzender Schnee ihre Technik beschädigt hatte.

China

Schnee in Peking: Der künstlich angelegte See im Sommerpalast ist zugefroren.

Das nationale Wetteramt sagte am Freitag voraus, dass eine weitere Kaltfront in den nächsten zehn Tagen große Teile des Landes erfassen wird. Schneestürme werden selbst weiter südlich in den Regionen um den Jangtse-Strom erwartet. Bereits seit Anfang der Woche leidet China unter Niedrigtemperaturen und Rekordschneefällen. Nachdem der Energieverbrauch sprunghaft angestiegen war, wurde in einigen Teilen des Landes der Strom rationiert.

Die Preise für Gemüse stiegen zum Ende der Woche in Wuhan, der Hauptstadt der zentralchinesischen Provinz Hubei, zum Teil um bis zu 30 Prozent. Auch viele andere Städte sind von Teuerungen betroffen. “Einige der Bauern beschwerten sich, dass ihr Gemüse bei dem Wetter im Gewächshaus verdorben ist“, zitierte die chinesische Zeitung “Global Times“ Sun Zhigang, den Leiter des Agrarinformationszentrums in Shouguang (Provinz Shandong).

In der nordwestchinesischen Region Xinjiang steckten 400 Reisende in ihren Autos mehr als einen Tag lang auf einer Fernstraße fest. Zumindest in einem Fall erwies sich der Schnee aber auch als Lebensretter: Eine Frau überlebte den Sturz aus dem 16. Stock eines Pekinger Hochhauses - weil sie auf einer dicken Schneedecke landete. Sie hatte auf ihrem Balkon Wäsche ausgeschüttelt und war in die Tiefe gestürzt.

Eis und Schnee bieten in Harbin, der Hauptstadt der nordöstlichsten Provinz Chinas, hingegen eine märchenhafte Kulisse für verliebte Paare. Bei Minustemperaturen um 20 Grad gaben sich allein am Mittwoch 28 Brautpaare beim Eisfestival das Ja-Wort zwischen riesigen Skulpturen, die aus Eisblöcken aus dem Fluss gesägt wurden. Das 26. Festival zeigt Nachbildungen von Gebäuden aus der ganzen Welt. Ein 50 Meter hohes Traumschloss, an dem laut “Global Times“ 2000 Arbeiter 15 Tage lang gearbeitet haben, gehört zu den Hauptattraktionen.

Tschechien

Für Lkw geht an der Tschechichen Grenze nichts mehr: Am Freitag wurden zwei Grenzübergänge geschlossen.

Wegen anhaltender Schneefälle hat Tschechien am Freitag die vorübergehende Schließung zweier Grenzübergänge für den Lastwagen-Verkehr angekündigt.

Betroffen wären die Grenzen zu Deutschland bei Rozvadov und zur Slowakei bei Lanzhot, wie die tschechische Nachrichtenagentur CTK unter Berufung auf das Verkehrsministerium in Prag meldete. Die auf drei Stunden begrenzte Sperrung sollte Gelegenheit geben, Fernstraßen von Schnee zu befreien und so die Verkehrssicherheit zu erhöhen, hieß es. Für das Wochenende sind in Tschechien bis zu 70 Zentimeter Neuschnee ankündigt.

Autofahrer aufgepasst: Das droht an Bußgeldern

Eis und Schnee: Dieses Bußgeld droht Autofahrern

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare