Flammende Rede für Homo-Ehe

Dieser Politiker wurde zum Internet-Star

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Wellington - Über eine Million Youtube-Klicks für eine politische Rede. Dieses Kunststück hat ein ein neuseeländischer Parlamentarier geschafft - mit seinem flammenden Plädoyer für die Homo-Ehe.

Promis gratulieren ihm, TV-Sender reißen sich um ihn, sein Twitter-Account quillt über vor Follower-Anfragen. Dabei ist Maurice Williamson kein Popmusiker oder Hollywood-Schauspieler, sondern Politiker! Das (glücklich verheiratete) Mitglied im neuseeländischen Parlament ist mit seiner witzigen, intelligenten und herzergreifenden Rede für die Legalisierung der Homo-Ehe in seinem Land zum Internet-Star geworden. Der Youtube-Clip wurde in nur fünf Tagen über eine Million Mal angeklickt.

Lachen Sie mit und lesen Sie die Highlights aus seiner Rede

"Katholische Priester sagten mir, Homosexualität sei unnatürlich. Das fand ich interessant von jemandem zu hören, der geschworen hat, sein ganzes Leben lang zölibatär zu leben. [...] Ein anderer Kirchenmann sagte mir, ich würde eine Ewigkeit lang in der Hölle schmoren, wenn ich dafür stimme. Das war ein schwerer Fehler, denn ich habe einen Abschluss in Physik. Also habe ich die thermodynamischen Gesetze angewendet, mein Körpergewicht und die Luftfeuchtigkeit in Betracht gezogen, usw. Wenn man eine Temperatur von 5000 Grad wie in einem Schmelzofen voraussetzt, werde ich höchstens 2,1 Sekunden lang in der Hölle schmoren - das kann man wohl kaum eine Ewigkeit nennen, was meinen Sie?"

"Ich hörte auch einige ziemlich abgeschmackte Behauptungen, Adoptionen betreffend. Nun, ich habe drei fantastische Kinder - allesamt adoptiert. Ich weiß, wie gut Adoption ist! Einige Behauptungen sind schlichtweg eine Schande und einige Schikanetaktiken sind bösartig. Aber ich habe seit der Grundschule keine Angst mehr davor, schikaniert zu werden."

"Wir beginnen keinen Atomkrieg mit einem anderen Land"

"Viele moderat eingestellte Menschen sorgen sich aber tatsächlich, was für Folgen für unsere Gesellschaft die Legalisierung der Homo-Ehe haben würde. Diese Sorge nehme ich sehr ernst."

"Mit diesem Gesetz tun wir nichts anderes, als zwei Menschen, die sich lieben, zu erlauben, diese Liebe durch eine Heirat anerkannt zu bekommen. Das ist alles. Wir beginnen keinen Atomkrieg mit einem anderen Land. Wir spielen nicht mit einem Virus, das unseren gesamten landwirtschaftlichen Sektor vernichten könnte."

"Ich kann verstehen, dass einige Menschen nicht mögen, was andere Menschen tun. Das ist okay, das geht uns allen bei irgendwas so. Aber ich kann einfach nicht verstehen, wie jemand dagegen sein kann."

"All denen, die gegen dieses Gesetz sind, garantiere ich zu 100 Prozent: Die Sonne wird auch morgen wieder aufgehen. Ihre Teenager-Tochter wird auch morgen noch mit Ihnen streiten und so tun, als würde sie alles besser wissen. Ihre Hypothek wird dieselbe sein. Sie werden keinen Hautausschlag bekommen oder Kröten in Ihrem Bett finden. Die Welt wird sich weiterdrehen. Also machen Sie nicht so ein Fass deswegen auf. Dieses Gesetz ist toll für die, die es betrifft - und für alle anderen von uns wird das Leben weitergehen."

"Eine der Nachrichten, die ich bekam, behauptete, dass diese Abstimmung für die Dürre verantwortlich ist, die derzeit herrscht. Nun, heute früh hat es in meinem Wahlbezirk geschüttet wie aus Eimern und ein riesiger fröhlicher Regenbogen spannte sich über den Himmel." (Die Regenbogenfahne ist das Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung.) "Das muss einfach ein Zeichen sein!"

"Ich schließe meine Rede mit einem Bibelzitat. Im fünften Buch Mose, dem Deuteronomium, steht - ich dachte "Deuteronomium" wäre eine Katze aus dem Musical "Cats", aber egal - dort steht also: "Habt keine Angst."

Applaus bei der Gesetzesverabschiedung

Bei der Abstimmung im Parlament hatten am vergangenen Mittwoch 77 Abgeordnete dafür, 44 gegen ein entsprechendes Gesetz gestimmt. Als das Ergebnis verkündet wurde, brach im Saal Applaus aus.

Die ersten Homo-Ehen Neuseelands können im August geschlossen werden. Damit ist die Heirat von Schwulen und Lesben in gut einem Dutzend Länder weltweit erlaubt. In Deutschland gibt es seit 2001 für gleichgeschlechtliche Paare die Möglichkeit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, die rechtlich aber nicht komplett mit der Ehe gleichgestellt ist.

Der Gesetzesvorschlag war in Neuseeland von der oppositionellen Labour-Partei eingebracht worden. Die Abgeordneten konnten ohne Parteivorgaben frei nach ihrem Gewissen entscheiden.

hn/dpa

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