Russland will Kinderschänder mit Chemokeule kastrieren

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Kinderschänder sollen in Russland künftig chemisch kastriert werden. Mit Spritzen, die das männliche Sexualhormon Testosteron und damit den Trieb dämpfen.

Moskau - Kinderschänder sollen in Russland künftig chemisch kastriert werden. International ist diese Methode im Kampf gegen Pädophile umstritten.

Mehr als 2500 Kinder haben Gewaltverbrecher in Russland allein im vergangenen Jahr getötet. Viele dieser Mädchen und Jungen wurden Opfer von Kinderschändern. Deshalb will Russland Pädophile nun härter bestrafen und auch kastrieren - chemisch mit triebmindernden Medikamenten. “Die Strafe sollte so hart wie möglich ausfallen“, betont Kremlchef Dmitri Medwedew. Das Gesetz über die Kastration will er selbst unterschreiben. Die Zustimmung zur Initiative ist groß. Die wenigen Kritiker finden indes kaum Gehör.

Nur in einem Nebensatz sagt Präsident Medwedew, dass sich Pädophile “freiwillig“ zu dem Schritt entscheiden sollen: Mit Spritzen, die das männliche Sexualhormon Testosteron und damit den Trieb dämpfen. “Ein liberaler Ansatz ist hier absolut unangebracht“, betont Medwedew. Der Generalstaatsanwalt reagiert nun mit einem Gesetzentwurf für die chemische Kastration auf die jährlich Tausenden Fälle, in denen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren vergewaltigt werden.

Da Russland aber als korrupter Unrechtsstaat mit politischer Willkür gilt, das räumt auch Medwedew ein, befürchten Juristen die Gefahr eines Missbrauchs des Kastrationsgesetzes. Ärzte warnen zudem davor, dass das desolate und chronisch unterfinanzierte Gesundheitssystem eigentlich gar nicht für solche Spezialbehandlungen ausgestattet sei.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

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Doch Kritiker der von breiten Schichten unterstützten Initiative haben es schwer. Sie bringen sich leicht in Verdacht, Kinder unnötig in Gefahr zu bringen, weil sie auch Verbrechern Menschenwürde zugestehen. Die sonst um Regierungskritik nicht verlegene Gesellschaftskammer Russlands und andere einflussreiche Gremien geben Medwedew jedenfalls Rückenwind.

“Das ist eine der effektiven Methoden, die Gesellschaft vor Pädophilen zu schützen“, sagt der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml, Michail Fedotow. Moskaus Kommentatoren verweisen auf Deutschland und andere EU-Länder, in denen Sexualstraftäter sich freiwillig sexuell kaltstellen lassen.

Die Kastrationsprogramme geben ihnen die Aussicht, mit entsprechendem ärztlichem Attest doch irgendwann in Freiheit zu leben. Andernfalls droht ihnen lebenslang Sicherungshaft.

In Russland könnten sich Kinderschänder nach Meinung von Experten wohl leicht selbst für die Kastration entscheiden. Denn eine Freiheitsstrafe ist für sie doppelt hart. In den oft wie zu Zeiten des Sowjetdiktators Josef Stalin brutal geführten Gefängnissen und Straflagern gelten Pädophile als Freiwild. Die Haftstrafen zwischen acht und 15 Jahren überleben viele nicht. Immer wieder berichten Zeitungen, dass Mörder von Kinderschändern entweder mit geringen oder ohne Strafen davonkommen.

Kritiker werfen Präsident Medwedew vor, er verfolge mit der populistischen Jagd auf Pädophile politische Ziele mit Blick auf die Wahl 2012. “In der Gesellschaft blinden Zorn zu provozieren - das ist bei uns beliebt“, kommentiert die kremlkritische Zeitung “Nowaja Gaseta“. Wenn die Politik nun die “Pädophilen-Karte“ spiele, wolle sie von den vielen anderen Problemen im Land ablenken und den angestauten Frust der Menschen in diese Richtung lenken.

Von Ulf Mauder

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