Schießerei bei US-Uni - Drei Tote

Stiefvater: Schütze war "tickende Zeitbombe"

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Der Todesschütze von College Station, Thomas Caffall (oben rechts).

College Station - Die Familie des Amokschützen von Texas zeichnet ein erschreckendes Bild von dem Mann, der zwei Menschen erschoss und anschließend selbst ums Leben kam.

Der 35-jährige Thomas Caffall ist als Todesschütze von Texas identifiziert. Als ihm ein Polizist in der Stadt College Station in der Nähe des Geländes der A&M Universität einen Räumungsbefehl übermitteln wollte, eröffnete der erklärte Waffennarr das Feuer und tötete den Polizisten und einen Zivilisten, wie die Polizei am Montagabend (Ortszeit) mitteilte. Bei dem anschließenden Schusswechsel mit der Polizei wurden drei weitere Beamte, eine 55-jährige Frau und der Schütze selbst von Kugeln schwer verletzt. Caffall starb später in einem Krankenhaus.

Der Mann, der so viel Leid über die texanische Stadt brachte, hatte laut seiner eigenen Mutter seit Jahren seelische Probleme. Linda Weaver sagte der US-Nachrichten-Webseite Huffington Post: "Als ich die Schießerei im Fernsehen sah, wusste ich sofort: Das ist er!" Sie hatte sich seit geraumer Zeit Sorgen um ihren Sohn gemacht, den Kontakt zu ihm aber abgebrochen, nachdem sein Geisteszustand sich verschlimmerte. Weaver zeigte sich entsetzt über den Amoklauf ihres Sohnes: "Wenn man sich umbringen will, warum tötet man dann all diese Leute?"

Caffall lebte nach einer Scheidung alleine, war gläubiger Christ. "Gott liebt uns alle", schrieb er auf seinem Facebook-Profil. "Wir können alle erlöst werden, wenn wir bereit sind, uns zu ändern." Verschiedene Scharfschützen der jüngeren Kriegsgeschichte gab der Arbeitslose als seine "Inspiration" an, prahlte mit seinen vielen Waffen, darunter eine tschechische Version einer AK-47 und eine russische Pistole, die er "sein neues Spielzeug" nannte.

Sein Stiefvater sagte in einem Interview mit einem örtlichen Radiosender, Caffall sei "völlig verrückt" gewesen, eine "tickende Zeitbombe". Er und seine Frau hätten Angst gehabt, der 35-Jährige würde irgendwann bei ihnen auftauchen und ihnen etwas antun, so Richard Weaver.

Chronik des Amoklaufs

Der bei dem Vorfall getötete Polizist habe die abseits des Campus gelegene Wohnung aufgesucht, um den Räumungsbefehl zu übergeben, als der Schütze plötzlich aus dem Haus heraus das Feuer eröffnet habe, sagte der stellvertretende Polizeichef im Bezirk Brazos, Scott McCollum. Nach einem Notruf seien weitere Polizisten am Schauplatz eingetroffen, sagte er. Sie hätten den Angreifer angeschossen und ihn zunächst in Gewahrsam genommen. Später wurde er für tot erklärt.

Die Sicherheitskräfte hätten das Areal östlich des Campus kurz nach der Schießerei abgesichert, teilte Polizeisprecher John Agnew mit. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass ein zweiter Verdächtiger an der Tat beteiligt sei. Ob der Angreifer an der Universität studierte war demnach unklar.

Mehrheit der Studenten zur Tatzeit nicht auf Campus

Auf ihrer Webseite hatte die Universität kurz vor 12:30 Uhr (Ortszeit) eine Warnung herausgegeben, wonach unweit des campuseigenen Football-Stadions ein Schütze unterwegs sei. Anwohner und Studenten wurden aufgefordert, der Gegend fernzubleiben.

Das Gros der Studenten sei am Montag nicht auf dem Universitätsgelände gewesen, sagte die Universitäts-Sprecherin Sherylon Carroll. Das Herbstsemester beginnt erst am 27. August. “Es schien ziemlich ruhig zu sein“, sagte Carroll. “Zum besagten Zeitpunkt waren offenbar nicht allzu viele Leute draußen.“

College Station liegt etwa 144 Kilometer nordwestlich von Houston. An der A&M Universität sind laut ihrer Webseite mehr als 50.000 Studenten eingeschrieben.

Der texanische Gouverneur Rick Perry äußerte sein Mitgefühl für die Opfer der Schießerei. Seine Gebete seien bei all jenen, die verletzt wurden, sagte er bei einer Veranstaltung in Florida. Perry ist selbst Absolvent der A&M Universität.

Erst am vorvergangenen Sonntag hatte ein als Rechtsextremist identifizierter Mann in einem Sikh-Tempel im US-Staat Wisconsin um sich geschossen und sechs Menschen getötet, bevor er von einer Polizeikugel getroffen wurde und sich schließlich selbst in den Kopf schoss. Ende Juli tötete ein Amokläufer bei einer Premiere des neuen Batman-Films in Aurora bei Denver 14 Menschen, rund 50 wurden verletzt.

dapd/hn

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