17-Jähriger richtet „blutiges Chaos" an

Schulmassaker in Texas: Warum der Todesschütze einzelne Mitschüler verschonte

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Schüler gedenken den Todesopfern.

Bei einer Schießerei an einer High School im US-Bundesstaat Texas sind am Freitag zehn Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden.

Update, 21. Mai: Todesschütze von Santa Fe verschonte offenbar bewusst einzelne Mitschüler

Houston - Der 17-jährige Schütze von Texas hat bei seinem Amoklauf an einer Schule offenbar einzelne Mitschüler bewusst verschont. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf Notizen eines Ermittlers, der Schütze habe gestanden und ausgesagt, er habe nicht auf Schüler geschossen, die er gemocht habe, "damit seine Geschichte erzählt werden konnte". In Gottesdiensten wurde der Toten gedacht, unter ihnen eine pakistanische Austauschschülerin.

Einige Mitschüler der Santa Fe High School beschrieben den 17-jährigen Dimitrios P. als ruhig und einsam. Aufzeichnungen "auf seinem Computer und in seinem Handy" deuteten darauf hin, dass er sich nach seiner Tat ursprünglich selbst töten wollte, sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott.

Die News vom 19. Mai 2018

Nach dem jüngsten Schulmassaker in den USA weht die Flagge über dem Weißen Haus auf halbmast, der Präsident verspricht entschlossenes Handeln - und doch wird die einflussreiche Waffenlobby wohl dafür sorgen, dass sich wieder nichts ändert. Ein 17-Jähriger Schüler tötete am Freitag in einer High School im Ort Santa Fe im Bundesstaat Texas zehn Menschen, darunter neun Schüler, wie Gouverneur Greg Abbott sagte. Weitere zehn wurden zum Teil schwer verletzt, darunter zwei Polizisten.

Anklage wegen Mordes erwartet

Der Sheriff des Bezirks Harris, Ed Gonzalez, sagte, die meisten Opfer seien Schüler gewesen. Von den behandelnden Krankenhäusern hieß es, zwei der zehn Verletzten schwebten ins Lebensgefahr. Zu den Verletzten zählte auch ein Polizist, der am Ellbogen getroffen wurde. Ein Beamter sagte der Zeitung Houston Chronicle, die Polizisten hätten in der Schule ein "blutiges Chaos" vorgefunden.

Dem Schützen wurde am Freitagabend (Ortszeit) eine Anklage wegen Mordes verlesen. Der texanische Gouverneur Greg Abbott sprach von "einem der bösartigsten Verbrechen in der Geschichte von Texas".

Der junge Mann hantierte während des Angriffs mit zwei Schusswaffen, die seinem Vater gehörten, darunter ein Revolver. Er habe die Absicht gehabt, Selbstmord zu begehen, sagte Abbott. Experten der Polizei fanden in der Schule und in der Nähe Sprengsätze - ein Molotow-Cocktail und eine mit CO2 gefüllte Gerätschaft. Sie waren ersten Informationen zufolge jedoch wohl nicht voll funktionsfähig. Eine weitere Person von Interesse sei in Gewahrsam, sagte Sheriff Ed Gonzalez.

Schütze posierte mit T-Shirt mit der Aufschrift „Born to Kill“

Im Internet tauchten Bilder auf, die den mutmaßlichen Schützen mit einem schwarzen T-Shirt und der Aufschrift „Born to Kill“ zeigen. „Das war vielleicht das einzige Warnsignal überhaupt“, sagte Abbott. Mitschüler beschrieben den jungen Mann als Eigenbrötler, der oft in einem schwarzen Trenchcoat unterwegs war.

Eine Schülerin der Santa Fe High School weint in den Armen ihrer Mutter Elida Sanchez, nachdem ein Schütze in der Schule durch Schüsse mehrere Menschen verletzt hat.

Am Freitagmorgen tönte plötzlich der Alarm durchs Schulhaus in Santa Fe. Alle mussten raus. „Ich bin nur gerannt, ich habe nichts gesehen“, sagte ein Mädchen. Andere berichteten, wie ein Schütze in ihr Klassenzimmer trat und das Feuer eröffnete. „Eine Mitschülerin wurde ins Bein getroffen“, sagte ein Schüler.

Die Schülerin Dakota Shrader überlebte den Amoklauf. "Ein Freund wurde im Kunstraum erschossen", sagte sie weinend vor Journalisten. "So etwas sollte niemand erleben. Das ist meine Schule, mein Alltag. Ich habe Angst zurückzugehen."

Am Abend versammelten sich in Santa Fe hunderte Menschen zu einer Mahnwache für die Opfer des Blutbades.

2018 mehr tote Schüler als US-Soldaten - Trump will nun „Schüler schützen“

Vor drei Monaten erst waren bei dem Schulmassaker von Parkland in Florida 17 Menschen ums Leben gekommen. Einer Auswertung der Washington Post zufolge sind damit in diesem Jahr bereits mehr Menschen in Schulen getötet worden als US-Soldaten im Einsatz. 

US-Präsident Donald Trump sagte im Weißen Haus angesichts der „absolut schrecklichen“ Tat, es müsse künftig sichergestellt werden, dass Schusswaffen nicht in die Hände derer gerieten, die eine Bedrohung darstellten. „Meine Regierung ist entschlossen, alles zu tun, unsere Schüler zu schützen, die Schulen sicher zu machen.“ Dies sei ein sehr trauriger Tag für Amerika, sagte er weiter. 

Versprechungen an die NRA stehen weiter im Raum

Nach dem Schulmassaker von Parkland hatte es landesweit Massenproteste von Schülern für eine Verschärfung der Waffengesetze gegeben. Auch ein Teil der Schüler der Santa-Fe-High-School hatte protestiert. Trump versprach, sich für schärfere Waffengesetze einzusetzen. Weniger Wochen später sicherte er jedoch der mächtigen Waffenlobby erneut seine Unterstützung zu.

„Eure Rechte aus dem zweiten Verfassungszusatz stehen unter Beschuss, aber sie werden niemals unter Beschuss stehen, solange ich Euer Präsident bin“, hatte Trump auf der Jahresversammlung der Waffenlobby NRA (National Rifle Association) erklärt. Der Verfassungszusatz verankert nach konservativer Lesart ein Recht auf Waffenbesitz. Auch viele Abgeordnete und Senatoren unterstützen die finanzkräftige NRA.

Die Organisation der Schüler von Parkland in Florida erklärte sich solidarisch mit ihren Mitschülern in Texas und forderte die Politik zum Handeln auf. Obwohl dies der 22. Schusswaffengebrauch dieses Jahres in einer Schule sei, dürfe es „nicht unter den Teppich gekehrt und vergessen werden“, erklärten die Schüler. „Wenn nichts unternommen wird, werden weiter Tragödien wie diese passieren.“

Merkel kondoliert nach tödlicher Schießerei an US-Schule

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat unterdessen den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl ausgedrückt. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter mitteilte, sandte die Kanzlerin ein Kondolenztelegramm an US-Präsident Donald Trump, in der sie erklärte, dass sie "mit großer Bestürzung" von der "Tragödie an der Santa Fe High School" erfahren habe.

"Erneut sind Menschen in einem schrecklichen Akt der Gewalt mitten aus dem Leben gerissen worden", erklärte Merkel. Die Gewalttat habe sich "ausgerechnet an einer Schule, einem Ort, der eigentlich den Weg in das Leben ebnen soll", ereignet. "Das Mitgefühl und die Anteilnahme aller Deutschen gelten den Angehörigen und Familien der Opfer", schrieb die Kanzlerin.

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AFP/dpa/fn

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