Riesen-Ärger um falschen Schinken

Echt oder gefälscht? In der Gastronomie wird häufig Schinken verwendet, der gar keiner ist

Frankfurt - Nach dem “Analog-Käse“ sorgt ein weiterer Fall von Verbrauchertäuschung für Aufregung: In Handel und Gastronomie wird häufig angeblicher Schinken verwendet, der gar keiner ist.

Stattdessen handelt es sich um Schinkenersatz, bei dem der Fleischanteil teilweise weniger als 50 Prozent beträgt. Proben in Hessen zeigten, dass in fast jedem dritten Fall solche Imitate zum Einsatz kamen, wie hr-Info am Freitag berichtete.

Laut Verbraucherschützern ist das Problem schon lange bekannt. Sie fordern schärfere Kennzeichnungsregeln und eine Informationspflicht. “Schinken ist seit Jahren auffällig“, sagte Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern der AP.

Laut Bayerischem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wird in der Gastronomie häufig Schinkenimitat verwendet. Dabei handelt es sich um minderwertige und billige Ersatzprodukte, die lediglich einen Fleischanteil von durchschnittlich 60 Prozent aufweisen. Der fehlende Fleischgehalt wird mit Wasser ausgeglichen, außerdem werden Bindemittel wie Stärke sowie Gelier- und Verdickungsmittel und fleischfremdes Eiweiß zugesetzt.

Häufig falsch ausgezeichnet

Obwohl solche Produkte nicht als Schinken bezeichnet werden dürfen, werden sie laut Landesamt häufig falsch ausgezeichnet. Und selbst wenn der Hersteller sie korrekt etwa als “Pizzabelag aus gepökeltem Schulterfleisch“ auszeichnet, wird dieses Ersatzprodukt auf der Speisekarte häufig dennoch als Schinken aufgeführt. Bei in Bayern kontrollierten Schinkenimitaten aus dem europäischen Ausland lag die Beanstandungsquote 2008 laut Landesamt bei 100 Prozent. In diesem Bereich seien “auch weiterhin intensive Kontrollen und Untersuchungen erforderlich“, heißt es bei der Behörde.

In Hessen wurden seit 2006 insgesamt 528 Proben bei Gastronomen , Herstellern und Händlern genommen, wie der hessische Verbraucherschutz-Staatssekretär Mark Weinmeister dem hr sagte. Besonders häufig seien die Beanstandungen in Gaststätten gewesen, wo in zwei Dritteln aller Fälle etwa für Schinken-Pizza oder Schinken-Nudeln Imitate verwendet worden sei. “Das ist üble Verbrauchertäuschung“, sagte Weinmeister. Hier liege eine Ordnungswidrigkeit vor, bei nachgewiesenem Vorsatz sogar eine Straftat. Er kündigte ein hartes Durchgreifen der Lebensmittelkontrolle an. Jedem, der das Imitat wiederholt ohne korrekte Kennzeichnung verwende, drohe die Veröffentlichung seines Namens im Internet .

Aktive Informationspflicht gefordert

Im April war bereits bekannt geworden, dass bei vielen vermeintlichen Käse-Produkten nur Käse-Imitate, sogenannter “Analog-Käse“ verwendet werden. Das ist in Deutschland nicht verboten, allerdings dürfen die Produkte nicht als “Käse“ verkauft werden. “Der Verbrauchertäuschung durch Analog-Käse und Schinken-Imitate muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden“, sagte der verbraucherpolitische Sprecher der FDP -Bundestagsfraktion, Hans-Michael Goldmann, der AP. Die bestehenden Gesetze müssten strenger angewandt werden.

Die Organisation Foodwatch fordert, dass Behörden Beanstandungen bei Lebensmittelkontrollen auch von sich aus öffentlich machen müssten. “Wir brauchen eine aktive Informationspflicht der Behörden“, sagte Sprecher Martin Rücker. Außerdem reiche es nicht, dass Imitate nicht mit der Bezeichnung “Schinken“ oder “Käse“ verkauft werden dürfen. Sie müssten vielmehr für den Verbraucher deutlich als Imitate gekennzeichnet sein.

ap

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