Flüchtlingstragödie weitet sich aus

Taucher bergen vor Lampedusa weitere Tote

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Einige Rettungskräfte beschrieben den schrecklichen Anblick der von Panik gezeichneten Gesichter und gekrümmten Körper der Toten.

Rom - Nach der Flüchtlingstragödie vor der italienischen Insel Lampedusa haben Taucher am Montag weitere 38 Leichen aus dem Bootswrack geborgen. Damit wurden insgesamt 232 Tote geborgen.

Nur 155 der insgesamt rund 500 afrikanischen Bootsflüchtlinge konnten gerettet werden. Die Bundesregierung wies unterdessen Kritik an Deutschlands Flüchtlingspolitik zurück.

Da die genaue Zahl der Menschen an Bord des Fischerboots nicht bekannt ist, vermuten die Behörden, dass zwischen 300 und 360 Flüchtlinge bei dem Unglück ums Leben kamen. Sie kamen überwiegend aus Eritrea und Somalia - auf der Flucht vor Gewalt, Hunger, Elend oder Diktatur.

Einige Rettungskräfte beschrieben den schrecklichen Anblick der von Panik gezeichneten Gesichter und gekrümmten Körper der Toten. "Da sind viele junge Leute dabei. Es ist, als wenn man seine eigenen Kinder anschaut", sagte ein mit dem Leichentransport beauftragter Armeeoffizier.

Die Bergungsarbeiten wurden am Abend nach Einbruch der Dunkelheit abgebrochen. Die Suche nach weiteren Leichen sollte am Dienstagmorgen fortgesetzt werden. Das für 250 Menschen ausgelegte Auffanglager auf Lampedusa war mit 1000 Insassen hoffnungslos überfüllt.

Deutschland gerät unter steigenden Druck, zusätzliche Schutzsuchende aufzunehmen und andere EU-Staaten so zu entlasten. Flüchtlinge müssten gerechter auf die Mitgliedsländer verteilt werden, Deutschland müsse zusätzliche Menschen aufnehmen, sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) am Abend im ZDF.

Weckruf oder nicht?

Die Bundesregierung wies den Vorwurf zurück, Deutschland nehme nicht genug Flüchtlinge auf. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, der Schlüssel zur Lösung des Problems liege langfristig in den Herkunftsländern und der Verbesserung der dortigen Lebensverhältnisse.

Am Dienstag beraten die EU-Innenminister in Luxemburg über politische Konsequenzen aus der Tragödie von Lampedusa. Nach den Worten von EU-Justizkommissarin Viviane Reding müssen die Ressortchefs darüber entscheiden, "ob diese Horror-Story auch ein Weckruf ist, die Asylgesetze zu ändern oder nicht". Nach Ansicht von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles und ihres CDU-Kollegen Hermann Gröhe sollten die EU-Staaten das Thema auch auf die Agenda des Brüsseler Gipfeltreffens am Monatsende setzen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso will Lampedusa am Mittwoch einen Besuch abstatten, "um die Opfer zu würdigen und den Bewohnern der Insel Solidarität und Dank zu bezeugen".

afp

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