Handy-Wunder: Mann aus Trümmern gerettet

Istanbul - Das Erdbeben in der Türkei hat mehreren hundert Menschen das Leben gekostet. Doch neben all den furchtbaren Nachrichten gibt es jetzt so etwas wie ein kleines Wunder.  

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Am Montag ist ein Überlebender des schweren Erdbebens aus den Trümmern geborgen worden. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, konnte der Mann über sein Mobilfunktelefon einen Notruf absetzen. Behörden zufolge dürfte die Zahl der Opfer weniger stark steigen als zunächst befürchtet. Laut türkischem Innenministerium kamen mindestens 217 Menschen bei dem Beben der Stärke 7,2 am Sonntag im Osten der Türkei ums Leben. In anderen Berichten ist von weitaus mehr Opfern die Rede.

Der Überlebende wurde beim Einsturz eines sechsstöckigen Hauses verschüttet und erlitt eine Beinverletzung, wie Anadolu berichtete. Der Mann rief den Angaben zufolge auf seinem Handy eine Hotline der Polizei an und beschrieb, wo er sich befand.

Noch immer sind Dutzende Menschen unter den Trümmern verschüttet. Die ganze Nacht hindurch suchten Rettungsmannschaften im Schein von mit Generatoren betriebenen Flutlichtern nach Opfern. Hilfsorganisationen stellten Zelte, Lazaretts und mobile Küchen für die Opfer bereit. Viele verbrachten die Nacht aus Angst vor Nachbeben im Freien. Mit schwerem Gerät versuchten Arbeiter, die Unglücksorte von Trümmerteilen zu befreien.

Regierung hofft auf weniger Opfer als befürchtet

Die Rettungsarbeiten gingen am Montag weiter, besonders in Gebäuden, wo Rettungskräfte Überlebende vermuteten, wie der türkische Innenminister Idris Naim Sahin sagte. Allein in der Stadt Ercis seien etwa 80 mehrstöckige Häuser eingestürzt. Unter den Trümmern von etwa 40 Gebäuden gebe es immer noch Verschüttete. Die Zahl der Opfer könne zwar noch steigen, jedoch nicht so stark wie anfänglich befürchtet, sagte Sahin.

In der 75.000-Einwohner-Stadt Ercis nahe der Grenze zum Iran kamen mindestens 117 Menschen ums Leben. 100 starben in der größeren, etwa 90 Kilometer südlich gelegenen Stadt Van, der Hauptstadt der vom Erdbeben am schwersten betroffenen Provinz. 740 Menschen in der Region wurden bei den Beben verletzt, dessen Ausläufer auch im Iran und Armenien zu spüren waren. Die Behörden warnten die Bevölkerung, sich von beschädigten Gebäuden wegen Einsturzgefahr angesichts möglicher weiterer Nachbeben fernzuhalten. Aus einem Gefängnis in Van flohen 150 Häftlinge, nachdem dort eine der Mauern zusammengebrochen war.

Israel und Griechenland bieten Hilfe an

Einwohner von Van und Ercis versammelten sich um Lagerfeuer, während Helfer des Roten Halbmonds am Sonntagabend begannen, Zelte für die vielen Obdachlosen aufzustellen. “Wir werden im kalten Winter niemanden auf sich alleine gestellt lassen“, sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntagabend. Etliche Länder boten der Türkei Unterstützung bei den Rettungsarbeiten an. Erdogan zufolge ist das Land derzeit nicht auf Hilfe von außen angewiesen. Aserbaidschan, der Iran und Bulgarien schickten dennoch Unterstützung. Auch Israel und Griechenland boten ihre Hilfe an.

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Israel teile das Leid der Türkei, erklärte der israelische Präsident Schimon Peres. Sein Land sei jederzeit zur Unterstützung der Türkei bereit. Peres hatte zuvor mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül telefoniert. Auch US-Präsident Barack Obama bot der Türkei Unterstützung an: “Wir stehen Schulter an Schulter mit unserem türkischen Verbündeten in dieser schwierigen Zeit und sind bereit zu helfen.“

Heftige Nachbeben erschwerten die Suche nach den Verschütteten. Zehn Stunden nach dem Beben am Sonntagnachmittag hatten US-Wissenschaftler bereits über 100 Nachbeben registriert, eines davon mit einer Stärke von 6,0.

In der Türkei kommt es immer wieder zu Erdbeben, da sich dort etliche Verwerfungslinien befinden. Erst im März 2010 kamen bei Beben der Stärke 6,0 im Osten der Türkei 51 Menschen ums Leben, bei einem Beben der Stärke 6,4 starben 177 Menschen in der Stadt Bingöl im Südosten des Landes. 1999 wurden bei zwei Beben im Nordwesten der Türkei 18.000 Menschen getötet.

Deutsche Hilfswerke geben zehntausende Euro in die Türkei

Die kirchlichen Hilfswerke Diakonie und Caritas stellen nach dem schweren Erdbeben in der Türkei 100 000 Euro für Soforthilfe bereit. Das Geld solle in erster Linie für Zelte, Decken, Heizgeräte, Nahrungsmittel und Medikamente genutzt werden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung vom Montag. Die Malteser wiederum stellen 50 000 Euro für Soforthilfe bereit, wie sie in Köln mitteilten. Sie wollen Decken, Lebensmittel und Baby-Nahrung sowie kleine Holzöfen verteilen.

In den betroffenen Gebieten herrschten zurzeit nachts Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, berichteten die Organisationen. Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international arbeiten ihren Angaben zufolge seit Jahren mit der türkischen Organisation Support to Life (StL) zusammen. Der Malteser Hilfsdienst kooperiert seit Jahren in der Region mit der Organisation International Blue Crescent (IBC).

dapd/dpa

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