Keine Haschisch-Fans

Umfrage: Zwei von drei Deutschen haben noch nie gekifft

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Kein Bedürfnis nach einem Joint: 68 Prozent geben an, Cannabis noch nie konsumiert zu haben. Foto: Oliver Berg

Kiffen gilt bei vielen als vergleichsweise harmlos - denkt man. Eine Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Bundesbürger das anders sieht. Doch in einer speziellen Frage sind sie sehr unentschlossen.

Berlin (dpa) - Die meisten Menschen in Deutschland halten nichts vom Kiffen - und meinen auch, dass Cannabis in ihrem Umfeld keine Rolle spielt. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur.

68 Prozent gaben an, die Droge noch nie konsumiert zu haben - bei den Frauen sind es sogar 71 Prozent. Insgesamt nur 4 Prozent halten Haschisch für harmlos. Sogar 82 Prozent sagten, dass Cannabis im Alltag ihrer Kinder unter 18 Jahren keine größere Rolle spiele - auch nicht durch Freunde, Medien oder Musik.

Auch in ihrem engeren Umfeld vermuten die meisten Befragten keine Haschisch-Fans: Rund zwei von drei Bürgern (63 Prozent) denken nicht, dass jemand im Freundeskreis kifft. 22 Prozent gaben dagegen an, von einem Freund zu wissen, der Cannabis konsumiert.

Cannabis als Medizin auf Rezept - das ist in Deutschland bereits erlaubt. Nun wollen FDP, Linke und Grüne auch eine Freigabe für den generellen Konsum erreichen. Am kommenden Donnerstag (22. Februar) werden ihre Anträge im Bundestag debattiert.

Die FDP fordert die Genehmigung von Modellprojekten zur Erforschung der kontrollierten Abgabe von Cannabis als Genussmittel. Die Linke zielt in ihrem Antrag darauf ab, bei geringen Mengen Cannabis auf Strafverfolgung zu verzichten. Die Grünen legen einen Entwurf eines Cannabiskontrollgesetzes vor.

Alle drei Fraktionen eint die Überzeugung, dass der Kampf gegen den Konsum des Rauschmittels durch Strafe und Repression gescheitert sei. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sieht das anders. Eine Freigabe für den Freizeitkonsum lehnt sie ab, da mit steigender Verfügbarkeit auch der Konsum steige.

Laut Yougov-Umfrage sind die Deutschen in dieser Frage gänzlich unentschlossen: 35 Prozent gaben an, eine Haschisch-Legalisierung zu befürworten; 33 Prozent lehnten dies ab; 22 Prozent sagten, es sei ihnen egal. In einer anderen Umfrage, die im vergangenen November vom Meinungsforschungsinstitut Forsa durchgeführt worden war, fiel die Ablehnung deutlich stärker aus: Dort hatten sich 63 Prozent der Bundesbürger gegen eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen.

Zuletzt bekamen die "Legalize"-Befürworter Unterstützung von ungeahnter Seite: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) forderte eine komplette Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten. Denn meist würden nur diese erwischt - nicht aber die Drahtzieher des Handels.

"Die Prohibition von Cannabis ist historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend", sagte BDK-Chef André Schulz Anfang Februar der "Bild"-Zeitung. Er verwies auf die negativen Folgen der Repression wie offene Drogenszenen und Beschaffungskriminalität. Das Hauptproblem seien Alkohol und Tabak - Cannabis sei dagegen keine tödliche Droge.

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte aber noch Ende 2017 deutlich gemacht, dass sie die Legalisierung weiterhin entschieden ablehne. Eine kürzlich veröffentlichte Studie habe die Risiken des Cannabis-Konsums zu Rauschzwecken erneut bestätigt, hieß es. Das Cannabis-Verbot diene dem Schutz der Gesundheit der Bevölkerung.

Das sehen viele der nun von Yougov Befragten ähnlich: Auf einer Skala von 0 (harmlos) bis 10 (gefährlich) entschieden sich 16 Prozent für die 10. Die Mehrheit (63 Prozent) verteilt sich auf den Bereich "eher gefährlich" von 5 bis 10.

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