Der Vatikan und Israel

Jerusalem - Der Heilige Vater im Heiligen Land - Das ist mehr als eine einfache Pilgerreise. Denn das Verhältnis zwischen Vatikan und Israel war lange Zeit belastet - volle diplomatische Beziehungen gibt es erst seit 15 Jahren. Und auch jüngst hat Papst Benedikt XVI. für Spannungen zwischen Christen und Juden gesorgt.

Januar 2009: Der Papst macht die Exkommunikation von vier Anhängern des Kirchenabweichlers und Gründers der Pius-Bruderschaft, Marcel Lefebvre, rückgängig. Mit der Aufhebung der Exkommunikation erhält auch der Brite Richard Williamson wieder den Segen Roms. Er hatte jedoch wiederholt den Holocaust geleugnet. Neben der Diskussion um Williamson gibt es auch Irritationen, warum Benedikt überhaupt auf die ultrakonservativen Pius-Brüder zuging. Sie sind gegen die Religionsfreiheit - Juden sind ihrer Meinung nach zu bekehren.

März 2008: Für den alten und heutzutage nur selten gefeierten lateinischen Messritus lässt Benedikt XVI. eine Karfreitagsfürbitte wieder zu, in der die Katholiken für die Erleuchtung der Juden beten. Darin heißt es wörtlich: „Lasst uns auch beten für die Juden. Dass unser Gott und Herr ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Heiland aller Menschen.“ Der Zentralrat der Juden sieht darin einen indirekten Aufruf zur Judenmissionierung.

Mai 2006: Der Heilige Vater besucht während seiner Polenreise das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz. In seiner Rede an dem Ort, der weltweit als Symbol für den unfassbaren industriellen Massenmord an den Juden gilt, fragt er Gott: „Warum hast Du geschwiegen?“. Kritiker sagen, der Papst hätte sich lieber fragen sollen, warum damals so viele Menschen schwiegen und warum auch die Kirche so wenig Widerstand leistete.

Juli 2005: Der Pontifex verurteilt beim Sonntagsgebet Terroranschläge in Großbritannien, Ägypten, im Irak und der Türkei - Israel erwähnt er dabei nicht. Der päpstliche Botschafter wird von der israelischen Regierung zum Rapport bestellt. Das Außenministerium teilt mit, die Ausklammerung Israels könne als Billigung terroristischer Akte gegen Juden verstanden werden.

dpa

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