Völler stiehlt Köhler die Expo-Schau

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Expo in Shanghai: Begeisterte Besucher am deutschen Pavillon.

Shanghai - Horst Köhler besucht die Weltausstellung "Expo" in China. Rudi Völler auch. Beide waren beim Deutschland-Tag zugegen. Doch mehr Applaus hat Völler, der Fußball-Star, bekommen.

Der Star des Tages war Fußball-Legende Rudi Völler. “Rudi-, Rudi“-Rufe von Fußballfans unter den deutschen Expo- Gästen - ein Hauch deutscher Stadion-Atmosphäre wehte am Mittwoch über das Gelände der Weltausstellung, bevor Bundespräsident Horst Köhler feierlich den Deutschland-Tag der Expo in Shanghai eröffnete. Völler war mit einer “Traditionself“ des DFB, darunter mehrere Weltmeister von 1990, nach China gereist, um gegen eine Altherren-Elf des chinesische Verbandes zu spielen. “In anderen Sportarten sind die Chinesen besser“, würdigte Völler diplomatisch die Ballkunst der Gastgeber. Ansonsten war Völler wie alle anderen Besucher der Expo beeindruckt: “Das ist alles sehr bombastisch hier.“ Auch Köhler war voll des Lobes. Es sei eine “Meisterleistung“, was die Chinesen auf die Beine gestellt hätten. Ganz der Chefdiplomat, dankte Köhler dem Shanghaier Parteichef Yu Zhengsheng vollmundig für die chinesische Unterstützung beim deutschen Auftritt auf der Expo.

In Wirklichkeit gibt es handfeste Probleme mit den chinesischen Expo-Organisatoren. Eindringliche deutsche Bitten und Klagen werden seit zwei Wochen zum Teil ignoriert. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen mit ungeduldigen, verärgerten Besuchern. Ein, zwei Stunden lang ist die Wartezeit - und das bei schwülheißem Wetter. Es gab wüste Beschimpfungen des deutschen Personals, sogar Rempeleien, so dass weitere Sicherheitskräfte angefordert wurden - vergeblich. Hinzu kommen Probleme mit Visa für Mitarbeiter, der Anlieferung von Waren für den Pavillon. Das Personal vergeudet jeden Morgen ein- bis einhalb Stunden wegen Kontrollen an den Eingängen. “Da sind viele Dinge“, lässt der Generalkommissar des Pavillons, Dietmar Schmitz, mal die Diplomatie beiseite: “Wir sind von China eingeladen worden. Ich fühle mich als Gast und möchte auch so behandelt werden und nicht wie im Kindergarten.“

Wenn die Kommunikation der chinesischen Stellen untereinander besser funktionieren würde, wäre schon geholfen. Die Organisationsprobleme sollten aber nicht die Festtagslaune verderben. Für alles war gesorgt: Roter Teppich, pflichtbewusst mit Deutschlandfähnchen winkende Begrüßungsgruppen, fröhliche Kinder aus der deutschen Schule in Shanghai - das enge Programm des Bundespräsidenten auf dem Expo-Gelände lief ab wie am Schnürchen. Für China ist die erste Expo in einem Schwellenland die Gelegenheit, sich als neue Weltmacht zu präsentieren. Größer, besser und teurer als alle Weltausstellungen zuvor, soll es sein. Selbstbewusst tritt die drittgrößte Wirtschaftsnation nach außen auf.

Im chinesischen Pavillon, der im kaiserlichen Rot gehalten ist, wird die Botschaft von der “harmonischen Gesellschaft“ - unter Führung der allmächtigen Kommunistischen Partei - vermittelt. Die Deutschen lieferten eher Kontrastprogramm: Breakdance, Hip-Hop und - als Stargast - die Berliner Pop-Gruppe “2raumwohnung“ - für Stimmung war gesorgt. Dass ein Hip-Hopper die deutsche und chinesische Nationalhymne zum Auftakt vokal interpretierte und “modernisierte“, löste bei einem ranghohen Diplomaten besorgtes Stirnrunzeln aus. Doch Köhler wippte angetan mit dem Kopf. Inga Humpe sang “36 Grad, es wir noch heißer“. Die Gäste schwitzten. “Fußball und Völler ist wie China und Böller“, reimte der Hip-Hopper. Am Ende umlagerten die Kinder aber nicht mehr nur “Tante Käthe“, um ein Autogramm zu ergattern. Auch Köhler konnte am Ende beim obligatorischen “Bad in der Menge“ seinen präsidialen Namen auf ihre roten Kappen kritzeln.

dpa

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