Vulkan-Asche: Flughafen Frankfurt gesperrt

Hamburg - Nach dem Vulkanausbruch in Island weitet sich das Chaos im deutschen Flugverkehr weiter aus. Auch der Flughafen in Frankfurt ist inzwischen geperrt. Die Störungen könnten Tage dauern.

Nur auf vier der 16 internationalen deutschen Flughäfen gab es am Vormittag noch normalen Betrieb,

Die deutschen Flughäfen in Deutschland im Überblick

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nämlich in München, Nürnberg, Stuttgart und Saarbrücken. Allen anderen deutschen Flughäfen waren für Starts und Landungen gesperrt. Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld sowei die meisten anderen Flughäfen in Deutschlands Norden bleiben am Freitag bis 20 Uhr gesperrt.

In Deutschland gibt es trotz der Ausbreitung der Aschewolke kein flächendeckendes Flugverbot. “Das wird flexibel gehandhabt“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin.

Vulkanasche legt Flugverkehr in Europa lahm

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In Frankfurt am Main wurde der Flugverkehr am Freitagmorgen um 08.00 Uhr ausgesetzt, in der Nacht oder am Donnerstagabend waren Hamburg, Bremen, Hannover, Münster-Osnabrück, Düsseldorf, Berlin, Köln-Bonn und Leipzig-Halle geschlossen worden. Die Europäische Flugsicherung Eurocontrol rechnet damit, dass 60 Prozent aller Flüge in Europa ausfallen. Mindestens die nächsten 24 Stunden werde der Flugverkehr noch stark beeinträchtigt sein, vielleicht auch länger.

Flugbetrieb wird mehrere Tage behindert sein

In Düsseldorf und Leipzig hieß es, die “vorübergehende Betriebsunterbrechung“ werde voraussichtlich bis 14.00 Uhr dauern. Die Flugsicherung erklärte, es sei überhaupt nicht absehbar, wenn sich die Lage normalisiere. Sie wies darauf hin, dass der ganze europäische Flugverkehr durcheinander geraten sei. Die Umstellung auf Normalbetrieb werde mehrere Tage dauern. Für die Fluglotsen ist es eine Herausforderung. “Es ist eine außergewöhnliche Situation. Die hatten wir noch nie“, sagte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt, Ute Otterbein.

Unterdessen haben die Fernbusunternehmener Deutsche Touring und Eurolines reagiert und ihre Kapazitäten um ein Vielfaches aufgestockt. Das teilte das Unternehmen am Freitag in Frankfurt am Main mit. “Von nahezu allen von der Schließung wegen der Aschewolke betroffenen Flughäfen und Städten werden direkte und komfortable Verbindungen mit modernsten Reisebussen angeboten“, hieß es in der Mitteilung. “Je nach Situation werden wir unsere Kapazitäten um bis zu 400 und teilweise 500 Prozent aufstocken“, erklärte Deutsche-Touring-Manager Michael Svedek.

Aschewolke am Abend über München

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Über die Situation im Süden Deutschlands, den die Aschewolke gegen Abend erreichen sollte, könnten derzeit nur vage Prognosen getroffen werden. Laut Meteorologen soll die Aschewolke am Abend auch München erreichen. Eine Sperrung des Flughafens Salzburg ist geplant. Der Luftraum über Berlin bleibt bis zum Freitagmittag gesperrt. Damit gebe es keine Flüge von und nach Schönefeld und Tegel, sagte ein Flughafensprecher. Auch der Hamburger Flughafen bleibt wegen der Aschewolke bis mindestens zum Mittag gesperrt.

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Die gefährliche Aschewolke vom Gletscher-Vulkan Eyjafjalla breitete sich immer weiter Richtung Osten und Südosten aus und wird den Luftverkehr vermutlich noch tagelang stören. Für Freitag sagte die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel starke Beeinträchtiungenn für Deutschland und Polen voraus. Etwa die Hälfte aller 600 Flüge zwischen Nordamerika und Europa falle zudem wohl aus.

Polen hat am Freitag seinen Luftraum wegen der Vulkanwolke aus Island fast vollständig geschlossen. Nur zwei Flughäfen, Krakau und Rzeszow im Süden des Landes, seien noch offen, teilte ein Sprecher der Luftfahrtagentur in Warschau nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP am Morgen mit. Am Sonntag soll in Krakau das Staatsbegräbnis für den tödlich verunglückten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seine Frau Maria stattfinden. Auf dem Krakauer Flughafen werden am Sonntagvormittag mehr als 80 ausländische Flugzeuge mit Spitzenpolitikern, darunter US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatsoberhaupt Dmitri Medwedew, erwartet.

Infobox:

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) überwacht zivile und militärische Flüge im deutschen Luftraum. 2009 wurden 2,9 Millionen Flüge kontrolliert - rund 8000 am Tag. Lotsen überwachen Maschinen bei Start und Landung sowie in der Luft. Sie sorgen dafür, dass Flugzeuge auf festgelegten Routen in richtiger Höhe fliegen und Sicherheitsabstände einhalten. dpa

In Großbritannien wurde das Flugverbot derweil bis voraussichtlich Samstagmorgen zwei Uhr unserer Zeit ausgeweitet. Am Freitag herrschte auf dem Londoner Flughafen Heathrow - einem der wichtigsten Drehkreuze der Welt - gespenstische Stille. Fast alle Passagiere hätten sich an die Empfehlung der Fluggesellschaften gehalten, bis auf weiteres zu Hause zu bleiben, da die Maschinen ohnehin nicht starten und landen können, sagte ein Flughafensprecher.

Auch Frankreich hat teilweise seine Flughäfen geschlossen, vor allem im Norden des Landes und in der Hauptstadt Paris. Im Eurostar Richtung London sind alle Plätze belegt. Auch in weiten Teilen Belgiens, den Niederlanden und Skandinavien ging nichts mehr.

Auch Merkel-Flug betroffen

Wegen der Vulkanasche kann auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht wie geplant in Berlin landen. Das verlautete am Freitag auf dem Flug der Kanzlerin von den USA nach Deutschland. Welchen Flughafen sie am Nachmittag ansteuern wird, war zunächst unklar.

Irland gibt Luftraum wieder frei

Einzig im Westen Irlands wurde der Luftraum wieder freigeben. Wie die irische Flugbehörde mitteilte, ist die Sperrung der Airports Shannon und Cork aufgehoben, weil sich die Aschewolke in Richtung Osten und Süden bewege. Der Flughafen in Dublin blieb vorerst gesperrt.

In Großbritannien müssen Passagiere dagegen länger ausharren: Die Behörden sperrten den Flugraum für den ganzen Tag bis voraussichtlich 20.00 Uhr MESZ. Die Situation habe sich nicht verbessert, hieß es. Nur Flüge zwischen Nordirland und den westlichen Schottischen Inseln und den schottischen Flughäfen Glasgow und Prestwick seien bis zum frühen Nachmittag im Einzelfall möglich.

In London Heathrow, der wichtigsten Drehscheibe des europäischen Flugverkehrs und einem der wichtigsten Flughäfen der Welt mit täglich 1300 Flügen und 180.000 Passagieren, saßen schon am Donnerstag Zehntausende Passagiere fest. Die britische Gesundheitsbehörde hat Menschen mit Atemwegserkrankungen zur Vorsicht gemahnt. Die Aschepartikel könnten bei entsprechender Vorbelastung zu Irritationen führen. Schwere Schädigungen seien aber nicht zu erwarten.

In Frankreich war in der Nacht ein Großteil des Luftraums betroffen. Auch die beiden Pariser Großflughäfen Charles-de-Gaulle und Orly wurden ab 23.00 Uhr geschlossen. Landesweit sollen zudem 23 weitere Flughäfen nach Angaben des Amts für Flugsicherheit mindestens bis Freitag 14.00 Uhr geschlossen bleiben. Auch im Nordwesten Polens wurde am Abend der Luftraum gesperrt.

Lavaasche ist gefährlich für Düsentriebwerke und die Außenhaut der Flieger. Außerdem ist die Sicht beeinträchtigt. Fluggesellschaften mussten schon am Donnerstag rund ein Viertel der täglich etwa 28.000 Verbindungen absagen, wie Eurocontrol mitteilte.

“Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen“, sagte einer der Leiter der Behörde. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas nannte die Aschewolke “eine große Bedrohung für die Sicherheit der Luftfahrt“.

Vulkan spuckt weiter

Der Vulkan im Süden von Island stößt weiterhin eine große Wolke aus Lavaasche und Rauch in die Atmosphäre. Wie das Außenministerium in Reykjavik in der Nacht zum Freitag mitteilte, konnten fast alle der 800 Betroffenen Bewohner des Gebiets wieder in ihrer Häuser zurückkehren. Die Gefahr akuter Überschwemmungen durch geschmolzenes Gletschereis sei vorerst gebannt.

dpa/DAPD

Rubriklistenbild: © Screenshot: flightradar24.com

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