Schwerverbrecher Wolf -Anklage in Hessen

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Im Hamburger Untersuchungsgefängnis sitzt Wolf seit seiner Verhaftung am Donnerstag.

Hamburg - Der nach neunjähriger Fahndung in Hamburg gefasste Schwerverbrecher Thomas Wolf soll in Wiesbaden angeklagt werden.

Spezialisten der Hamburger Polizei hatten den 56-Jährigen am Donnerstagabend auf der Reeperbahn überwältigt. Der Festnahme seien detaillierte Hinweise eines Zeugen vorausgegangen, der Wolf getroffen und erkannt hatte. Wann der Entführer und Erpresser nach Frankfurt am Main überstellt wird, müssten die Staatsanwaltschaften klären, sagte Polizeisprecher Ralf Meyer am Freitag. In Frankfurt hatte Wolf acht Jahre lang unter falschem Namen gelebt.

Die Behörden in Hessen kündigten an, dass die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden die Anklage zügig fertigstellen werde. Noch in der Nacht waren Beamte aus Hessen nach Hamburg gereist. Der entscheidende Hinweis auf Wolf war bereits am Sonntag bei der Polizei in Hessen eingegangen. Man habe auf einen taktisch günstigen Zeitpunkt für die Festnahme gewartet, sagte der Chef der “Soko Wolf“, Matthias Weber, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main.

Der 56-Jährige leistete nach Angaben der Polizei bei dem Zugriff um 18.30 Uhr vor einer Kneipe auf der Hamburger Reeperbahn keinen Widerstand. “Er war überrascht, er hat sich nicht wehren können“, sagte der Leiter der Personen- und Zielfahndung bei der Hamburger Polizei, Jörn Blicke. Wolf war nicht bewaffnet und habe sich vor seiner Festnahme bereits gut eine Woche in Hamburg aufgehalten. “Er hat hier auch eine Unterkunft gesucht“, berichtete der Leiter der Ermittlungsunterstützung, Reinhard Bromm. Wolf habe aber nach bisheriger Erkenntnis keine Verbindung zu seinem alten Milieu in der Hansestadt aufgenommen. “Er war schon relativ allein“, sagte Blicke. Wolf hatte zuletzt in einem Hotel in der Hansestadt gewohnt.

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Der verurteilte Straftäter war im Jahr 2000 nach einem Hafturlaub nicht ins Gefängnis von Moers in Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt. Dort hatte er eine Gesamtstrafe von 21 Jahren zu verbüßen. Wolf wird beschuldigt, Ende März die Ehefrau eines leitenden Bankangestellten aus Wiesbaden entführt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst zu haben. In seinen ersten Vernehmungen in Hamburg gab er die Tat nach den Worten des Frankfurter Soko-Chefs Weber inzwischen zu.

Der Gewaltverbrecher flüchtete durch ganz Deutschland. Die Fahnder gaben an, dem Gesuchten häufig dicht auf den Fersen gewesen zu sein. Bei mehreren Gelegenheiten, zum Beispiel in München , hätten sie ihn nur um Minuten verpasst, sagte Blicke. “Wir wussten, was er für ein Leben führt, was er für Kleidung trug.“

In den Stunden vor der Festnahme in Hamburg hatten Polizisten Wolf bei einem Einkaufsbummel in der Innenstadt observiert. “Er hat schlichtweg Kaffee getrunken und war einkaufen“, sagte Blicke. Anschließend habe er sich in St. Pauli durch die Straßen treiben lassen. “So wie es schien, hatte er kein bestimmtes Ziel.“

Die Fahnder beschrieben den Gesuchten als unauffällig. “Wolf ist fit, aber er wirkt älter als er ist. Man muss sich ihn nicht als alten Mann vorstellen“, sagte Blicke. Wolf falle nicht auf. Er sei in den vergangenen Jahren sogar von Polizisten angesprochen worden, die aber keinen Grund gehabt hätten, Verdacht zu schöpfen.

Der 56-Jährige wird neben der Entführung für mehrere Überfälle in Deutschland , Belgien und den Niederlanden verantwortlich gemacht. Er soll auch eine Bank in Hamburg überfallen haben. Über den Verbleib der Beute aus den Straftaten gab es am Freitag keine Informationen.

Auf Wolfs Ergreifung waren 100 000 Euro Belohnung ausgesetzt. Zweimal wurde nach ihm auch über die ZDF -Sendung “Aktenzeichen XY... ungelöst“ gefahndet. Doch jedes Mal verlor sich seine Spur.

dpa

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