Zugunglück bei Meran: Elf Tote

Meran - Bei einem Zugunglück in Südtirol sind am Montag elf Menschen ums Leben gekommen. Der Zug entgleiste zwischen Meran und Mals. Ein Erdrutsch aus einem Weinberg blockierte die Schienen.

Eine breite Schlammlawine rast talwärts, reißt einen Zug von den Gleisen und mindestens neun Menschen in den Tod. Bei dem schweren Zugunglück am Montagmorgen in Südtirol wurden außerdem 28 Menschen verletzt, 7 von ihnen schwer. Unter den Verletzten sind auch zwei Touristen, deren Nationalität aber noch nicht bekannt sei, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder. Nach italienischen Medienberichten soll es sich um Deutsche handeln. Das Auswärtige Amt hatte dagegen keinerlei Hinweise auf deutsche Opfer.

Die Regionalbahn war am Morgen im Meraner Land in einer engen Schlucht von den Erd- und Gesteinsmassen erfasst und aus den Schienen geschleudert worden. Nach ersten Informationen könnte eine Beregnungsleitung eines Obstanbaugebietes oberhalb der Schlucht über Nacht geplatzt sein und das ausströmende Wasser das Gelände aufgeweicht haben. Das könnte die Mure, also die Schlamm- und Geröllmassen, ausgelöst haben. Darauf ließen auch erste technische Überprüfungen am Unfallort schließen.

Bilder vom Zugunglück nahe Meran

Bilder vom Zugunglück nahe Meran

Passagiere sprachen von einem Knall, der kurze Zug sei stehen geblieben. Schlammmassen drangen durch die zerborstenen Scheiben ins Wageninnere. Eine Frau wurde in die Etsch geschleudert, berichtete Südtirol-Online. Alle neun Opfer kamen aus der Region. Sie waren 18 bis 73 Jahre alt.

Der Regionalzug war im Meraner Land von herabstürzenden Felsmassen aus den Schienen geworfen worden, berichteten italienische Medien.

“Ein Wagen wurde bei diesem Sturz direkt getroffen“, sagte der Rettungshelfer Florian Schrofenneger dem italienischen Fernsehsender Sky TG24. Mehrere Bäume in der Nähe des Gleises verhinderten, dass der erste von zwei Waggons in das Kiesbett des Etsch gedrückt wurde. Die Feuerwehren sicherten den Waggon mit einem Flaschenzug. Zusammen mit dem Zivilschutz gruben sie mit Schaufeln und Händen nach Opfern.

“Es können immer noch Opfer in dem Schlamm stecken“, sagte der bestürzte Durnwalder mittags an der Unfallstelle zwischen Mals und Meran im Vinschgau. Die etwa 40 Menschen in dem Zug seien alle von der gewaltigen Wucht der herabrutschenden Schlammlawine entweder getötet oder verletzt worden. Italiens Transportminister Altero Matteoli reiste noch am Montag nach Südtirol und überbrachte eine Solidaritätsbotschaft von Regierungschef Silvio Berlusconi, der auf dem Weg zum internationalen Nukleargipfel in den USA war.

So ein Zug verunglückte bei einem Erdrutsch in Südtirol.

“Das ist ohne jeden Zweifel die schlimmste Zugtragödie, die wir jemals in der Provinz Bozen gehabt haben“, sagte Durnwalder. Die Schlamm- und Gesteinsmassen bewegten sich in einer Breite von 10 bis 15 Metern talwärts und drangen auch in die Waggons ein, erläuterte der Bozener Chefgeologe Ludwig Nössing. Die Leichen mussten unter schwierigsten Bedingungen aus den Schlamm- und Geröllmassen geborgen werden. Die Verletzten wurden auf mehrere Südtiroler Krankenhäuser verteilt.

“Die Rettungshubschrauber sind pausenlos im Einsatz“, sagte Markus Perwanger vom Studio Bozen des Senders Rai der Nachrichtenagentur dpa. Die Mure erfasste den Regionalzug R108 gegen 09.00 Uhr auf dem Weg nach Meran. Die angrenzende Straße wurde zeitweise gesperrt, damit Rettungsmannschaften zum Unfallort gelangen konnten. Die eingleisige Bahnlinie gehört zu den modernsten Schienensträngen Südtirols.

Von Hanns-Jochen Kaffsack

Rubriklistenbild: © dpa

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