Erstaunlich

Rekord in Hessen: Offenbach ist bei einem Wetter-Phänomen absoluter Spitzenreiter

Offenbach ist Hessens Blitz-Hauptstadt. Das zeigt der aktuelle Blitzatlas für Deutschland. Der Deutsche Wetterdienst erklärt die Gründe.

  • Wetter-Phänomen: Insgesamt werden Gewitter und Blitzeinschläge in Deutschland seltener.
  • In Offenbach sind 2019 hessenweit die meisten Blitze eingeschlagen.
  • Prognosen zu lokalen Gewittern sind für Meteorologen besonders schwierig zu berechnen.

Offenbach - Die Stadt Offenbach ist Hessens Hauptstadt der Blitze. In keinem Landkreis und in keiner Stadt schlugen im vergangenen Jahr mehr Blitze in Relation zur Fläche ein, als in Offenbach. Das geht aus Messungen des Blitz-Informationsdienstes (BLIDS) von Siemens hervor. In der nur 45 Quadratkilometer großen Stadt sorgte das Wetter 2019 für insgesamt 47 Blitzeinschläge. Die Blitzdichte lag damit bei 1,04. Dahinter folgen die Landkreise Fulda und Kassel mit einer Blitzdichte von je 1,02. Die geringste Einschlagsdichte von Blitzen in Hessen hatte der Hochtaunuskreis mit 0,46 Blitzen pro Quadratkilometer.

Wetter in Deutschland: Offenbach treffen in ganz Hessen die meisten Blitze

Warum gerade in Offenbach so viele Blitze einschlagen, geht aus den Untersuchungen von Siemens nicht hervor. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärt Offenbach in diesem Ranking eher zu einem „zufälligen Sieger“. Dass in Offenbach 2019 die meisten Blitze eingeschlagen haben, hängt nach Angaben des Wetterdienstes also nicht mit einem geographischen Merkmal, wie der Lage von Offenbach zusammen, sondern eher damit, dass sich ein einzelnes, starkes und blitzintensives Gewitter im vergangenen Jahr über der Stadt ausgetobt haben muss.

Ein Sprecher des DWD in Offenbach erklärt, dass im vergangenen Sommer insgesamt wenig Gewitter in Hessen stattgefunden haben. Aus dem einfachen Grund, dass es nicht viele Gewitter gab, kann ein einzelnes, starkes Gewitter Offenbach hier schon zum Zufalls-Sieger machen. Betrachtet man außerdem ein über mehrere Jahre berechnetes Mittel der Blitzdichte, zeigt sich, dass in Hessen eher der Odenwald oder der Taunus den Blitz-Hotspot darstellen, da sich Gewitter stärker über Berghängen bilden, so der Deutsche Wetterdienst.

Untersuchung des Blitz-Informationsdienstes von Siemens: 2019 schlugen hessenweit die meisten Blitze in Offenbach ein.

Im bundesweiten Vergleich ist daher auch die Blitzdichte von Spitzenreiter Offenbach nicht gerade ein hoher Wert. Im Vergleich: Bundesweite Blitz-Hauptstadt ist Speyer in Rheinland-Pfalz. Der Blitz-Informationsdienst registrierte dort im vergangenen Jahr knapp 3,1 Blitzeinschläge pro Quadratkilometer. Damit ist die Stadt deutlich vorne, was das Wetter-Phänomen „Blitz“ angeht. An zweiter und dritter Stelle folgen Rostock (2,6) und Lübeck (2,5) mit einer schon deutlich geringeren Dichte.

Im Bundesvergleich: Hessen mit eher wenigen Blitzeinschlägen

Im Vergleich ist Hessen kein Land mit besonders vielen Blitzeinschlägen: 0,75 Blitze werden statistisch gesehen pro Quadratkilometer gemessen. Spitzenreiter bei den Bundesländern sind Berlin (2,16), Mecklenburg-Vorpommern (1,41) und Brandenburg (1,25).

Das Jahr 2019 war das Wetter in Deutschland, genauso wie insgesamt in Mittel- und Westeuropa aber grundsätzlich „ausgesprochen blitzarm“, wie der Leiter des Blitz-Informationsdienstes, Stephan Thern, sagt. Es habe deutlich weniger Gewitter und Blitzeinschläge gegeben. Bundesweit gab es nach Angaben des Blitz-Informationsdienstes im vergangenen Jahr nur 329.000 Blitzeinschläge in Deutschland - so wenige wie noch nie seit dem Start des Blitzatlasses im Jahr 2007. Das sind 26 Prozent weniger als noch im Jahr 2018. Als Grund dafür nennt Thern das anhaltend trockene Wetter: „Es war schlicht zu trocken“, erklärt er. „Denn Gewitter benötigen Hitze und Feuchtigkeit.“ 2018 waren es noch 446.000 Blitze gewesen, 2007 sogar deutlich mehr als eine Million.

Siemens-Blitzatlas 2019: Blitzeinschläge in Deutschland in den vergangenen 12 Jahren

Siemens Blitzatlas 2019: Wo blitzt es am häufigsten

Blitzeinschläge in Deutschland (2019 Gesamt)329.000
Blitz-Hauptstadt (Deutschland)Speyer (Rheinland-Pfalz)
Blitz-Hauptstadt (Hessen) Offenbach
Blitzreichstes BundeslandBayern, aber dennoch:
Blitzärmste StädteHof, Bayreuth, Schweinfurt (alle Bayern)
Blitzreichster Tag 201912. Juni 2019

Wetter-Wissen: Wie entstehen Blitze überhaupt?

Gerade an heißen Sommertagen sind Gewitter immer wieder ein gegenwärtiges Wetter-Element und halten Meteorologen, Einsatzkräfte und betroffene Bewohner in Deutschland auf Trab. In einer Gewitterwolke (Cumulonimbus) herrschen starke Aufwinde, die kleine Eisteilchen nach ganz oben tragen. Wenn diese auf ihrem Weg mit großen, nicht gefrorenen Wassertröpfchen zusammenstoßen, findet eine Ladungstrennung statt: Die schweren Wassertröpfchen sind anschließend negativ geladen, die kleinen Eisteilchen positiv, erklärt die Diplom-Meteorologin Magdalena Bertelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Dadurch befindet sich in der Gewitterwolke positive Ladung im oberen Teil, während die untere Hälfte negativ geladen ist - ähnlich wie bei einer Batterie (siehe Grafik A). Die Spannungen, die durch diese Ladungstrennung innerhalb der Wolke entstehen, können dabei bis zu 1.000.000.000 Volt betragen! Da die Natur auch beim Wetter stets versucht, ein Gleichgewicht herzustellen, muss dieser Ladungsunterschied ausgeglichen werden: Dies geschieht durch Blitze.

Wie entstehen Blitze?

Von der Wolke aus entsteht dabei zunächst ein sogenannter Leitblitz. Nähert sich dieser negativ geladene Leitblitz dem Erdboden, so steigt an den Spitzen von exponierten Objekten (z.B. von Kirchtürmen oder Bäumen) die positive Ladung, bis ein bestimmter Wert überschritten wird. Dann starten von den Spitzen dieser Objekte sogenannte „Fangentladungen“, die dem Leitblitz entgegenwachsen (Bild C).

Wo nun der Blitz am Boden einschlägt, hängt von der Fangentladung ab, die als erstes mit dem Leitblitz zusammentrifft. Erst nach diesem Zusammentreffen beginnt die Hauptentladung, die wir optisch als Blitz wahrnehmen. Diese startet übrigens am Einschlagspunkt und pflanzt sich Richtung Wolke fort, also von unten nach oben, was vielen nicht bewusst ist (Bild D). 

Wetter in Deutchland: Messungen und Prognosen zu Gewittern sind schwierig

Größere meteorologische Muster und Wetter-Entwicklungen können für bestimmte Regionen auch über längere Zeiträume relativ präzise vorhergesagt werden: Das sind die bekannten Wetter-Prognosen. Die exakte Position eines lokalen Gewitters lässt sich hingegen auch mit ausgereiften Modellen kaum berechnen. Siemens ortet nach eigenen Angaben über Messstationen im ganzen Land die Blitzeinschläge bis auf 50 Meter genau. Insgesamt nutzt das Unternehmen dafür über 160 verbundene Messstationen in ganz Europa.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach arbeitet allerdings nicht mit Siemens zusammen und bezieht seine Blitz- und Gewitter-Daten nach eigenen Angaben seit 2006 von der Firma nowcast. Der Wetterdienst nutzt die Daten auch weniger um Jahresstatistiken zu erstellen, als vielmehr dazu, seine Unwetterwarnungen zu optimieren: „Die genauen und umfassenden Blitzortungsdaten der Firma nowcast sind für den Deutschen Wetterdienst (DWD) eine wichtige Informationsquelle für die Erstellung von Kürzestfristvorhersagen und die Herausgabe von Unwetterwarnungen.“, erklärt der Wetterdienst. iwe

Rubriklistenbild: © Symbolbild: Pete Caster/Lewiston Tribune/AP/dpa

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