Sahara-Staub

Sahara-Staub kommt als Wetterphänomen Blutregen auch nach Deutschland

Sahara-Staub: Wie er nach Deutschland kommt und ob er gefährlich ist.
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Sahara-Staub auch in Deutschland.

Sahara-Staub kommt im Zusammenhang mit heftigen Regenschauern als sogenannter Blutregen nach Deutschland.

  • Sahara-Staub besteht aus vielen winzigen Mineralteilchen, die als Aerosole in der Atmosphäre weite Strecken zurücklegen, bevor sie mit oder ohne Regen auf die Erdoberfläche sinken.
  • Der Feinstaub aus der Wüste beeinflusst das Wetter in Deutschland und trägt andererseits in Südamerika zur Fruchtbarkeit der Erde bei.
  • Einen negativen Einfluss des Sahara-Staubs auf die Gesundheit der Menschen in Deutschland haben die Wissenschaftler bisher nicht beobachtet.

Offenbach – Sahara-Staub kommt bei entsprechendem Wetter auch nach Deutschland. Er ist manchmal als orangerote Wolke am Himmel erkennbar, gelegentlich erscheint die Sonne mit einem sogenannten Hof. Sahara-Staub legt als Aerosole in der Atmosphäre der Erde große Entfernungen zurück. Aerosolesind Gemische aus flüssigen oder festen Schwebeteilchen, die in einem Gas transportiert werden. Mehr als die Hälfte der Aerosole, die global in der Troposphäre der Erde transportiert werden, bestehen aus Mineralstaub-Partikeln. Wiederum die Hälfte dieser Mineralstaub-Partikel kommt von der Sahara.

Die Troposphäre ist die unterste Schicht der Erdatmosphäre, die wir umgangssprachlich als Luft bezeichnen. Sobald größere Mengen an Feinstaub aus der Wüste zu uns kommen, warnt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner Wetter-Vorhersage davor. Der Sahara-Staub befindet sich etwa in 2000 bis 3000 Metern Höhe und kann in größeren Mengen die Temperaturen auf der Erde um mehrere Grad Celsius absenken. Die einzelnen Partikel des Sahara-Staubs sind meist nicht mehr als fünf bis zehn Mikrometer groß. Zu erkennen sind sie nur in Konzentrationen, die außergewöhnlich hoch sind.

Sahara-Staub: Wie entsteht der Sahara-Staub?

Dass der Sahara-Staub das Wetter auch in Deutschland beeinflusst, ist nur schwer vorstellbar. Viele Menschen verbinden auch die Wüste der Sahara nicht mit Staub, sondern mit riesigen Sanddünen. Der Sahara-Staub kommt jedoch aus der Zentral-Sahara und hat wenig mit den riesigen Sanddünen zu tun. Die Zentralsahara ist eine Wüste, die in weiten Teilen aus sehr trockenem Staub besteht. Dieser Feinstaub entstand an der Stelle eines riesigen Süßwassersees, der sich zum Ende der Eiszeit in der heutigen Sahara bildet.

Über Jahrtausende entwickelte sich am Platz des ehemaligen riesigen Sees sehr fruchtbarer Humus, bis sich das Klima in ein absolutes Trockenklima veränderte und den Humus in feinen Staub umwandelte. Auch Felsen in diesen Regionen verwitterten zu sehr feinem Staub. Sobald Winde diesen Staub hochwirbeln, werden die winzigen Aerosole in großer Höhe durch die Luft transportiert und es entsteht Sahara-Staub. Wohin sich der Feinstaub gerade bewegt, beobachtet unter anderem der DWD, um mit einer rechtzeitigen Vorhersage die Bevölkerung davor zu warnen.

Sahara-Staub: Wie kommt der Sahara-Staub nach Deutschland?

Der Sahara-Staub beeinflusst nicht nur das Wetter in Deutschland. Auch die südeuropäischen Länder wie Spanien, Frankreich und Italien sowie Österreich werden von den Staubwolken erreicht. Bei einem starken Regen, der Sahara-Staub in größeren Mengen mit sich trägt, sprechen der DWD und Meteorologen von einem sogenannten Blutregen. Diesen Namen hat der oft nach großer Hitze einsetzende heftige Regen erhalten, da er den rötlichen Staubsand mit dem Wasser überall verteilt. Der Zusammenhang heißer Luftströmungen von Süd nach Nord mit dem Auftreten größerer Mengen des Feinstaubs aus der Wüste ist unübersehbar und erleichtert die Vorhersage für den Wetterdienst.

Bleibt der Sahara-Staub in der Luft, weil es nicht regnet, kann er für eine intensive Rotfärbung der Sonne sorgen. Spektakuläre Sonnenauf- und -untergänge sind dann keine Seltenheit. Manchmal nimmt der Himmel auch einen leicht gelblichen bis orangefarbenen Farbton an; denn die winzigen Teilchen streuen das Licht. Spätestens der nächste Regen spült den ganzen Staub auf die Erde. Nicht immer hinterlässt er dabei rötliche Schlieren. Das Phänomen tritt nur bei besonders hohen Konzentrationen der Mineralien in Form von Aerosolen auf.

Sahara-Staub: Welche globale Bedeutung hat Sahara-Staub?

Nicht nur das Wetter in Deutschland wird von Sahara-Staub beeinflusst. Die Mineralstaub-Partikel gelangen mit den starken Sandstürmen in der Wüste über sehr große Strecken in folgende Gegenden:

  • Karibik
  • Amazonasbecken
  • nordöstliche Küste Amerikas
  • Süd- und Mitteleuropa
  • Naher Osten

Der ursprünglich eher nährstoffarme Regenwald des Amazonasbeckens profitiert ebenso wie die Kanarischen Inseln von den Mineralien des Sahara-Staubes. Die herabsinkenden Mineralien versorgen die Erde mit Nährstoffen. Die winzigen Partikel sind also durchaus nützlich. Außerdem sollen die Aerosole des Feinstaubes aus der Wüste Sahara für die Entstehung von Hurrikans eine wesentliche Rolle spielen. Sie werden für den Verlauf einer kompletten Hurrikan-Saison über dem mittleren Atlantik verantwortlich gemacht.

Die winzigen Mineralstaub-Partikel sind die Kondensationskeime, die einen Hurrikan vorantreiben. Sie entstehen insbesondere nach sehr großen Hitzeentwicklungen und treiben anschließend ungebremst über das flache Meer auf die karibischen Inseln und auf das Festland im Osten Amerikas. Trotz rechtzeitiger Vorhersage durch die Wetterdienste sind die Folgen der zerstörerischen Naturgewalten meist katastrophal. In Europa entstehen im Zusammenhang mit Sahara-Staub zunehmend heftige Gewitter mit Hagel, Starkregen und sogar Tornados.

Sahara-Staub: Wie gefährlich ist Sahara-Staub für die Gesundheit?

Wenn das Wetter Sahara-Staub nach Deutschland bringt, ist dies zunächst kein Grund zur Sorge. Die Gesundheit der Menschen beeinflusst dieser Feinstaub in der Regel nicht negativ. Es bleiben zwar oft auf Steinen, an Fenstern oder Gartenmöbeln rötliche Ablagerungen haften, sie sind jedoch mit Wasser schnell entfernbar. Lediglich Autofahrer, die während eines Blutregens unterwegs sind, sollten vorsichtig sein. Die kleinen Mineralien erschweren kurzfristig die Sicht. Beim späteren Abreiben mit einem trockenen Tuch kann der Sahara-Staub wie Sandpapier wirken.

Für die Gesundheit ist der so dramatisch aussehende rote Regen jedoch weitgehend ungefährlich. Der Einfluss des Feinstaubs auf die Gesundheit ist nicht größer als wenn man auf einem staubigen und trockenen Feldweg entlangläuft. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass neben den Mineralien auch Pilze und langlebige und robuste Krankheitskeime wie Meningitis-Erreger enthalten sein können. Sie haben sich auf den Oberflächen der Staubpartikel aus der Wüste festgesetzt. In der Regel verdünnt sie der Regen und macht sie unschädlich. Im Winter kann das anders sein, wenn der Schnee in 2000-3000 Metern Höhe plötzlich rot gefärbt ist.

Sahara-Staub: Neue Erkenntnisse aus dem Wetterphänomen von 2014

Der DWD warnt rechtzeitig, sobald Sahara-Staub das Wetter in Deutschland berührt. Eine besonders große Menge dieses Feinstaubs kam Anfang 2014 nach Wüstenstürmen über Nordafrika nach Europa. Hohe Konzentrationen lagerten sich in den Alpen ab und färbten den Schnee in Höhen von 2000 bis 3000 Metern rot. Die Menge des allein in den Bergen Österreichs angekommenen Sahara-Staubs schätzten Meteorologen auf zwei Millionen Tonnen. In den Dolomiten analysierten Wissenschaftler eine rötliche Staubschicht, die zwischen zwei Schneeschichten konserviert wurde. Die dort gefundenen Mikroorganismen aus der Wüste sind Bakterien und Pilze, die heimischen Artenmöglicherweise schaden.

In dieser Studie stellten die Experten fest, dass die im Winter erfolgten Ablagerungen des Staubes nach der Schneeschmelze in empfindlichen Lebensräumen eine schnelle mikrobielle Kontamination begünstigen können. Eine Analyse der Vereinten Nationen erbrachte zudem, dass im vergangenen Jahrhundert dieser Staub um 25 bis 50 Prozent zugenommen habe. Der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte bereits 2016 davor, dass sich Beschwerden wie Asthma und Bronchitis verschlimmern könnten, weil möglicherweise neben Bakterien und Pilzen auch Sporen und Allergene enthalten sind. Über Bayern befanden sich im April 2014 etwa 280.000 Tonnen Sahara-Staub in der Luft. (Elke Huber)

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