Tornados – seltene Wetterphänomene

Tornados entstehen, wenn Gewitter und Wind ungünstig zusammentreffen

So entsteht ein Tornado und so gefährlich ist er
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2015 fegte ein Tornado durch Bützow

Kommen Gewitter, hohe Luftfeuchtigkeit und Wind zusammen, kann sich daraus ein gefürchtetes Phänomen des Wetters bilden; ein zerstörerischer Tornado.

  • Tornados heißen über Meeren Hurrikan oder Taifun.
  • Tornados und ähnliche Wetterphänomene sind wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtet.
  • Der Tornado ist ein überaus kraftvoller Luftwirbel, der plötzlich und unerwartet auftritt.

Offenbach – Ein Tornado ist eine heftig in sich rotierende Luftsäule. Sie bildet sich in der Regel in einem Gewitter und reicht von dort bis zum Erdboden. Die heftigsten dieser Wirbelstürme erreichen Windgeschwindigkeiten von bis zu 450 Kilometern je Stunde. Ein solcher Luftwirbel folgt einem selbst bestimmten Kurs. Sogar größere Bauwerke, Bäume und Fahrzeuge können Tornados zerstören, liegen diese auf ihrer Route. Häufig bringt dieses Wetterphänomen sehr schlechtes Wetter mit sich: starken Wind in Böen und heftige Schauer, gelegentlich auch Hagelstürme. Besonders betroffen sind die Vereinigten Staaten von Amerika, wo jährlich bis zu 1.500 Tornados registriert werden.

Aber auch in Deutschland sind diese kraftvollen Wirbelstürme keineswegs selten. Der Wetterdienst verzeichnet pro Kalenderjahr maximal 80 zerstörerische Tornados und über 100 Wetterereignisse, die sich nicht ganz zu einem Tornado entwickeln. Während diese Art von Wirbelsturm über Land entsteht, benötigt ein Hurrikan oder ein Taifun das offene Meer zur Entstehung. Alle drei folgen in etwa den gleichen Mechanismen und können ähnlich zerstörerische Kräfte entwickeln. Als Hurrikan wird ein Wirbelsturm über dem Atlantik oder der Karibik bezeichnet. Ist der Luftwirbel über dem asiatischen Teil des Pazifischen Ozeans entstanden, wird er Taifun genannt.

Die Entstehung von Tornados

Wirbelstürme benötigen für gewöhnlich zur Entstehung:

  • Feuchte und warme Luft, vorzugsweise energiereicher Wasserdampf über einem großen Gewässer.
  • Eine kalte, trockene Luftströmung.
  • Ein Gewitter als Auslöser zur Bildung eines Wirbelsturms.

Treffen die feuchtwarmen und kalt trockenen Luftmassen aufeinander, wird die Atmosphäre in diesem Bereich destabilisiert. Zugleich ändert sich die Richtung des Windes, dessen Geschwindigkeit rapide zunimmt. Auf diese Weise wird, für das Auge unsichtbar, ein horizontaler Spinneffekt in der unteren Atmosphäre erzeugt. Durch die sich hier bildenden Aufwinde kippt die rotierende Luft von horizontal nach vertikal und es können Schauer fallen. So entsteht ein stark rotierender Schlauch, der zwischen zwei und knapp zehn Kilometern breit sein kann. In Deutschland werden diese Regelwerte oftmals unterschritten, weil ein anderes Wetter herrscht und die Temperaturunterschiede oftmals zur Bildung größerer Tornados nicht ausreichen.

Ein Tornado geht relativ schnell vorüber

Die hohe Eigendynamik eines Wirbelsturms verursacht zudem eine schnelle Fortbewegung. So ist es möglich, dass dieser kraftvolle Luftwirbel mit bis zu 60 Kilometern je Stunde wandert und dabei im Inneren Geschwindigkeiten von 450 Kilometern je Stunde auftreten. Im Vergleich dazu: Am 08. November 2013 traf der größte Taifun auf Land, der jemals seit der Aufzeichnung des Wetters registriert wurde. Dieser Taifun mit dem Namen Haiyan zerstörte zuerst große Teile der philippinischen Insel Leyte. Durch die mitgeführten ungeheuren Wassermassen lag der Durchmesser bei 700 Kilometern, was eine Vorwärtsbewegung von lediglich bis zu 20 Kilometern in der Stunde erlaubte.

Deshalb mussten Orte wie Tacloban, Palo oder Tolosa bis zu 20 Stunden lang Wind mit Böen von maximal 379 Kilometern je Stunde ertragen. Außerdem fielen während des Gewitters monsunartige Schauer mit rund 200 Millimetern Niederschlag je Stunde, insgesamt etwas mehr als 3.600 Millimeter. Im Vergleich dazu wurden im regenreichsten Gebiet Deutschlands in Baden-Württemberg im gesamten Jahr 2019 lediglich 898 Millimeter Niederschlag gemessen. Im Gegensatz zu diesem Taifun wirkt ein Tornado aufgrund des deutlich geringeren Durchmessers und der höheren Wandergeschwindigkeit nur wenige Minuten auf einen Ort ein.

Tornados existieren in verschiedenen Varianten

Meist treten Tornados in der klassischen Form als Trichter auf, mitunter aber auch in einer schlanken säulenartigen Gestalt. Einige wirken aufgewühlt oder rauchig, andere bestehen aus mehreren Luftwirbeln, die sich gemeinsam um ein Zentrum drehen. Die Ausprägung ist überwiegend vom allgemeinen Wetter, vom Wind und den Temperaturunterschieden in den Luftschichten abhängig. Die wichtigsten Unterarten eines Tornados sind:

  • der Gustnado
  • der Landspout
  • der Staubbeutel
  • der mesozyklonale Tornado

Die einzelnen Unterschiede der Tornados

Der Gustnado ist ein kurzlebiger und schwacher Wirbelwind, der sich an der Front von böigen Winden bilden kann. Diese Böen werden von einem Gewitter angeschoben. Gustnados sind wissenschaftlich gesehen keine richtigen Tornados, weil sie nicht immer einen rotierenden Luftwirbel er-zeugen. Ein sehr schwacher Wirbelsturm wird als Landspout bezeichnet. Diese Tornadoart hat mehr Ähnlichkeit mit einem Hurrikan oder Zyklon, als mit einem Tornado, weil deutlich langsamer in der Fortbewegung.

Der Staubbeutel, auch als Staubfahne bekannt, ist ein schwacher Wirbel-sturm ohne Schauer und mit Geschwindigkeiten unter 100 Kilometern je Stunde, der gelegentlich auch in Deutschland auftritt. Ein mesozyklonaler Tornado bildet sich immer in einem Superzellengewitter. Also in einem Gewitter, welches lange Bestand hat, manchmal über Tage. Diese Wirbelstürme können extrem kraftvoll und zerstörerisch wirken.

Die von Tornados ausgehende Gefahr

Diese Wirbelstürme sind unberechenbar. Sie bewegen sich dorthin, wohin der Wind das ursprüngliche Gewitter treibt. Häufig vernichtet ein Tornado eine gesamte Häuserreihe aber mittendrin bleibt ein einzelnes Haus vollkommen unversehrt. Die Zerstörungen bewirken die extremen Geschwindigkeiten und die Rotationsbewegung. Ein Tornado kann derart kraftvoll sein, dass er selbst größere Gegenstände mit sich nimmt:

  • voll beladene Lastzüge
  • Baumaschinen
  • Boote
  • kleinere Schiffe
  • Häuser
  • Scheunen
  • Tanks für Flüssiggas
  • große, uralte Bäume
  • Container

Durch die mitgebrachten Schauer besteht zudem die Gefahr von Überschwemmungen und von elektrischen Kurzschlüssen, was Brände auslösen kann. Abhängig vom Wetter, insbesondere von der Temperatur und Größe der trockenen Kaltfront, kann sich zudem Hagel bilden. In den USA wurden Hagelkörner mit einem Gewicht von über zwei Kilogramm gefunden. Ein derartiger Hagelschlag kann Menschen töten, Dächer durchschlagen und Fahrzeuge restlos zertrümmern. Auch in Deutschland sind Hagelschauer bekannt. Hier werden bei diesen Eisstrukturen Durchmesser bis zehn Zentimetern gemessen. Die Aufprallgeschwindigkeit kann mehr als 200 Kilometer je Stunde betragen.

Tornados sind in den USA häufig zu beobachten

Während in Deutschland Tornados eher selten sind, werden in den Vereinigten Staaten bis zu 1.500 zerstörerische Luftwirbel mit Schauern und starkem Wind jährlich registriert. Dort sind die Great Plains quasi eine Brutstätte für Wirbelstürme, weshalb hier spezielle Stationen zur Aufzeichnung des Wetters etabliert sind. Diese konzentrieren sich auch darauf, die Treffergenauigkeit der Vorhersage zu verbessern. Allein in dem Gebiet der Great Plains sind mehr als 500 Tornados je Saison die Regel. Auch die Bewegungsrichtung der Wirbelstürme ist nahezu einheitlich, weshalb das Areal auch Tornado Alley genannt wird. Dazu gehören die Bundesstaaten:

  • Texas,
  • Oklahoma,
  • Kansas,
  • Nebraska,
  • South Dakota,
  • North Dakota,
  • Iowa,
  • Missouri,
  • Arkansas und
  • Louisiana.

Tornados mit verheerenden Auswirkungen

Der bislang in den USA schlimmste Wirbelsturm war 1925 der große Tri-State-Tornado. In der Geschichte des Wetters ist dieses System von Luftwirbeln einzigartig, denn es forderte 695 Menschenleben, bewegte sich durch drei US-Bundesstaaten und die Trichtersäule berührte mindestens ein Dutzend Mal den Erdboden. Überdies war dieser Wirbelsturm mit mehr als fünf Stunden überaus langlebig und er legte mit über 500 Kilometern die längste bislang bekannte Strecke für einen Tornado zurück. Auch in Deutschland wurde ein zerstörerischer Stufe-5-Tornado nach der Fujita-Skala dokumentiert, allerdings bereits 1764. Es ist hierzulande eher selten warm genug, um einen extrem starken Wind mit einem kräftigen Gewitter und heftigen Schauern zu erzeugen.

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