Ein Meteorologe übt Kritik

Meteorologe Dominik Jung: Er prognostiziert das Wetter für Deutschland

Wetterexperte Dominik Jung ist der Mann für die Vorhersagen.
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Diplom-Meteorologe Dominik Jung und das Wetter.

Der Meteorologe Dominik Jung prognostiziert das Wetter in Deutschland. Seine Kritik an der Arbeit des Deutschen Wetterdienstes sorgte für Aufsehen.

  • Meteorologe Dominik Jung ist Pressesprecher und Redaktionsleiter von „wetter.net“.
  • Seine Jahreszeitentrends für das Wetter in Deutschland geraten regelmäßig in die Kritik von TV-Meteorologe Jörg Kachelmann. 
  • Jung bemängelte die Messbedingungen der Wetterstation Lingen des DWD stark und forderte den Wetterdienst zu schnellem Handeln auf.

Dominik Jung (43) kam am 4. August 1977 in Traisen bei Bad Kreuznach zur Welt. Als Meteorologe und Klimaexperte gibt er Prognosen zum Wetter in Deutschland und veröffentlicht Jahreszeitentrends. Bekanntheit erlangte er vor allem aufgrund seiner Beiträge für die „Frankfurter Rundschau“, „Passauer Neue Presse“ und die „BILD“. Aktuell ist er bei „wetter.net“ tätig. Schon als Kind wusste Jung, dass er sich später beruflich mit dem Thema Wetter auseinandersetzen wollte. Grund dafür war sein Vater.

Er arbeitete bei „Michelin“ und besaß ein großes Thermometer, mit dem die Kesselinnentemperatur bei der Reifenherstellung gemessen wurde. Es stand bei der Familie im Garten und Jung war stets beeindruckt. Später kam ein Niederschlagsmesser hinzu und Jungs Berufswunsch stand fest. Dass es ein entsprechendes Studium gibt, war ihm zunächst unbekannt. Erst nach seinem Abitur entdeckte er einen entsprechenden Studiengang am Institut für Physik der Atmosphäre der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. 2005 schloss er sein Studium ab und erhielt sein Diplom.

Dominik Jungs Jahreszeitentrends

Ab 2002 arbeitete Dominik Jung neben seinem Studium beim privaten Wetterdienst „Q.met“. Aktuell ist er ebenfalls dort tätig und ist sowohl Redaktionsleiter als auch Pressesprecher. Bekannt ist der Wetterdienst vor allem durch „wetter.net“. Der Wetterdienst arbeitet mit einem eigenen Modell und einer eigenen Software. Anhand globaler Daten werden genaue Prognosen für das Wetter in jedem Ort Deutschlands erstellt. Damit versorgt er Onlinedienste, Tageszeitungen, Pilote, Winzer und viele mehr. Als Schwerpunkt der Forschungsarbeit des Meteorologen gilt die Erstellung von Jahreszeitentrends.

Zu diesem Zwecke entwickelte er ein Langfristmodell namens „Prognostica Magna“. Jung bezieht sich bei seinen Trends auf die Prognosen, die der US-amerikanische Wetterdienst NOAA veröffentlicht. Auch dieser erstellt Jahreszeitentrends und gibt somit Einschätzungen ab, ob die kommende Jahreszeit wärmer, kälter, trockener oder nasser ausfallen wird. Seine dazugehörigen Veröffentlichungen geraten regelmäßig in die Kritik und sind unter anderem der Grund für den Streit mit dem prominenten Meteorologen Jörg Kachelmann (62), den die beiden auf Twitter austrugen.

Meteorologen Dominik Jung und Jörg Kachelmann im Streit auf Twitter

Dominik Jung selbst schaute sich die Prognosen von Kachelmann eigenen Aussagen zufolge schon als Jugendlicher gern an. Doch dann begannen Anfeindungen ihm gegenüber. Kachelmann hielt wenig von Jungs Prognosen und machte öffentlich keinen Hehl daraus. Der Konflikt begann bereits im Februar 2011, als Kachelmann Jungs Jahreszeitentrend für den kommenden Frühling auf Twitter als „Germany’s next Gaga-Vorhersage“ betitelte. Im Sommer 2020 erschien auf „wetter.net“ eine Unwetterwarnung für den Osten Deutschlands.

Meteorologe Dominik Jung sagte für den südlichen Teil Brandenburgs starke Niederschläge voraus, die 100 l/m² überschreiten sollten. Jörg Kachelmann bestätigte zwar Starkregen, allerdings hielt er Jungs Vorhersage für unseriöse Panikmache. Dieser konterte schnell und riet seinem Kollegen, die aktuelle Lage des Wetters erst einmal genau zu prüfen, bevor er Kritik übe. Tatsächlich korrigierte Kachelmann die von ihm angegebene Warnstufe und setzte sie auf orange bis violett herauf. Dominik Jung bekommt häufig Kritik für seine Prognosen, so auch von weiteren Kollegen und Hobbymeteorologen. Doch der Konflikt mit Jörg Kachelmann erlangt besonders große Aufmerksamkeit.

Dominik Jung und Jörg Kachelmann gegen den DWD

Als Grund für den Streit zwischen den beiden Meteorologen gelten nicht nur die Prognosen und Jahreszeitentrends selbst. Es wird vermutet, dass beispielsweise Jungs Arbeit für die „BILD“, die von Kachelmann verachtet wird, eine Rolle spiele. Hinzu kommt, dass „wetter.net“ der von Jörg Kachelmann gegründeten „MeteoGroup“ Aufträge weggeschnappt haben soll. Die Meteorologen Dominik Jung und Jörg Kachelmann sind in einem Punkt dennoch einer Meinung. Beide übten starke Kritik am Deutschen Wetterdienst.

Der April 2020 war der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Temperaturen schnellten im Frühling immer wieder stark nach oben und sorgten für sommerliches Wetter. Davon ist die Rede, sobald Temperaturen über 25 °C erreicht sind. Am 09.05.2020 maß der DWD eine Höchsttemperatur von 28,4 °C, tags darauf 27,7 °C. Trotz des sehr warmen Frühlings waren diese Angaben stark umstritten, denn sie stammen von der Wetterstation Lingen. Schon 2019 erlangte sie erhöhte Aufmerksamkeit, denn dort zeigte sich am 25.07. mit 42,6 °C ein neuer Temperaturrekord für Deutschland.

Meteorologen üben Kritik an DWD

Keine andere Wetterstation konnte ähnliche Werte verzeichnen. Sämtliche Stationen im näheren Umkreis zeichneten drei bis vier Grad Celsius weniger auf. Es brach eine große Diskussion zwischen Meteorologen aus. Das Wetterportal „wetteronline.de“ erachtete diese Messung als nicht wahrheitsgemäß und fügte sie seiner Rekordliste nicht hinzu. Dominik Jung erklärte, dass sich die Wetterstation Lingen in einer Senke befindet und daher keine repräsentativen Werte aufzeichnen kann. Die Hitze staue sich dort an, wenn die Sonne in die Senke hineinscheint.

Es kommen erhöhte Temperaturen zustande, die nicht für Aussagen dieser Art geeignet seien. Bereits seit mehreren Jahren überlege der Deutsche Wetterdienst nach eigenen Angaben, die Wetterstation aufgrund dessen zu verlegen. Doch bisher folgten den Überlegungen keine Taten. Jung kritisierte, dass sich der DWD durch diese Rekordmessungen seiner Glaubwürdigkeit entledige. Er betonte, dass vor allem in Zeiten, in denen das Thema Erderwärmung in Deutschland starke Aufmerksamkeit erlangt, besondere Vorsicht im Umgang mit zweifelhaften Messungen des Wetters erforderlich ist.

Dominik Jung gegen den Deutschen Wetterdienst: Der DWD wehrt sich

Dominik Jung forderte, dass der Deutsche Wetterdienst die Wetterstation Lingen schnellstmöglich verlegt. Meteorologe Jörg Kachelmann teilte diese Ansicht und übte ebenfalls starke Kritik an den Messwerten, die die Wetterstation aufzeichnete. Auch er bemängelte, dass sie von hohen Bäumen und dichten Hecken umgeben sei, weshalb sich dort Hitze anstaue und eine Wärmeinsel entstehe. Hinzu kommt, dass es zu wenig Wind gäbe. Der Deutsche Wetterdienst wies all die Vorwürfe lange Zeit zurück.

Bereits am Tag, nachdem die Rekordtemperaturen von 42,6 °C gemessen wurden, habe man laut DWD-Pressesprecher Andreas Friedrich sowohl die Messtechnik als auch den Standort in Deutschland eindringlich geprüft. Er entspräche den internationalen Standards. Ende Mai 2020 nahm der Fall eine Wende. Der DWD räumte ein, dass die Rahmenbedingungen für die Messungen des Wetters tatsächlich verbesserungswürdig seien. Zudem biete die Wetterstation nicht genügend Platz für neue Messtechniken. Die Wetterstation Lingen soll verlegt werden. Doch das würde einige Zeit in Anspruch nehmen, so der leitende Pressesprecher des DWD.

Dominik Jung und seine Forderungen

Man habe an dem geplanten Standort archäologische Artefakte gefunden, deren Sicherstellung die Verlegung verzögere, teilte der Deutsche Wetterdienst inzwischen mit. Seit Juni 2020 werden Messungen aus Lingen nicht mehr veröffentlicht. Die Station dient bis zum Umzug lediglich zur Durchführung wissenschaftlicher Tests. Dennoch gab sich Meteorologe Dominik Jung mit dem alleinigen Umzug der Wetterstation nicht zufrieden. Er kritisierte, dass eine Station, die ihren Standort aufgrund verbesserungswürdiger Bedingungen wechseln wird, keinen Rekordwert beibehalten könne.

Jung forderte, dass der Wetterstation Lingen der Rekordwert aberkannt wird. Ob der Temperaturrekord tatsächlich korrigiert werden muss, soll eine systematische Analyse sämtlicher Messdaten zeigen. Zu diesem Zweck soll ein zweiter Sensor Vergleichsmessungen an der Wetterstation durchführen. Dennoch kommen die Temperaturrekorde aus Lingen weder bei der Erstellung von Vorhersagen für das kommende Wetter noch von Unwetterwarnungen zum Einsatz. Auch bezüglich der Klimaentwicklung in Deutschland sind sie nicht relevant. (Sophie Neumärker)

 

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