Meteorologe über Winter

Wetter in Deutschland: Bringt La Niña uns einen Horror-Winter?

Wie wird das Wetter im Winter in Deutschland? Bringt La Niña wirklich den Forst-Schock? Ein Meteorologe redet Klartext.

  • Wetter in Deutschland: Kommt jetzt ein heftiger Wintereinbruch?
  • Das Wetterphänomen La Niña soll beim Kälte-Schock eine wichtige Rolle spielen.
  • Ein Experte erklärt, wie wahrscheinlich kommender Frost und klirrende Kälte sind.

Offenbach – Das Klimaphänomen La Niña tritt aktuell auf, doch bringt es auch einen Jahrhundertwinter nach Deutschland? Ein Meteorologe ist bei dieser Prognose nicht nur skeptisch, sondern wird richtig sauer und redet sich in Rage. Doch wie wird das Wetter denn nun in den letzten Monaten des Winters? Und bringt La Niña wirklich den Frost-Schock?

Wetter in Deutschland: Bringt La Niña einen heftigen Wintereinbruch? Experte tobt

La Niña (spanisch für „das Mädchen“) ist ein Klimaphänomen wie El Niño und spielt sich im Pazifik ab. La Niña kann ähnlich wie ihr Bruder El Niño das Wetter weltweit beeinflussen und hat damit in einigen Fällen auch Auswirkungen auf die Temperaturen in Deutschland und Europa. Das muss aber nicht sein, sondern kommt nur in ganz bestimmten Fällen und Szenarien vor.

Was geschieht bei La Niña? Im Pazifik treiben Passatwinde das warme Oberflächenwasser normalerweise nach Westen. Das sorgt dafür, dass feuchte Luft und Niederschläge an die Ostküste von Australien und Südostasien gelangt. Vor der Westküste Süd- und Mittelamerikas strömt gleichzeitig kaltes und fischreiches Wasser auf.

Wetter in Deutschland: Durch La Niña ist alles anders – Einfluss auf den Winter

Doch da La Niña ein Klimaphänomen ist, ist alles ein bisschen anders: Während sich das Oberflächenwasser des Westpazifiks erwärmt, kühlt das Meer vor Südamerika ab. Doch welche Auswirkungen hat das auf das Wetter im Winter in Deutschland? Bringt La Niña jetzt noch einen heftigen Wintereinbruch, oder sind die Auswirkungen des Klimaphänomens eher in anderen Teilen der Welt zu spüren?

Wetter in Deutschland: Bringt La Niña noch einen heftigen Wintereinbruch? (Symbolbild)

Diplom-Meteorologe Dominik Jung würde bei der Prognose eines Jahrhundertwinters dank La Niña am liebsten toben. Denn seiner Meinung nach ist sie recht unseriös. „Es ist wirklich ein Jammer mit dem unseriösen und unwissenschaftlichen Gerede. Natürlich kann La Niña Einfluss auf den Winter haben, aber es ist nur einer von ganz vielen Faktoren, die eine Rolle spielen“, erklärt Jung vom Wetterdienst Q.met gegenüber dem Wetterportal wetter.net.

Wetter in Deutschland: Meteorologe tobt wegen unseriösen Vorhersagen für den Winter

Den Meteorologen stört vor allem, dass unseriöse Prognosen jedes Jahr einen extremen Winter in Deutschland vorhersagen, obwohl die seriösen Langzeitmodelle des amerikanischen und europäischen Wetterdienstes zu einer ganz anderen Vorhersage für das Wetter kommen.

„Vor einem Jahr wurde eine schwache Sonnenfleckenaktivität aus dem Hut gezaubert, in diesem Jahr war es La Niña. Beides hätte uns viel Kälte bringen sollen, beides ging in die Hose. Das war zu erwarten. Allein aufgrund eines Phänomens den Winter vorhersagen zu wollen, wird niemals klappen. Dafür ist die Atmosphäre einfach zu chaotisch“, findet Jung deutliche Worte.

Wetter in Deutschland: Rekord-Winter im Überblick

Kälteste WinterDurchschnittstemperatur
1963-5,5 Grad
1940-5 Grad
1929-4,9 Grad
1947-4,5 Grad
1942-3, 9 Grad
(Quelle: Kachelmannwetter)
Wärmste WinterDurchschnittstemperatur
20074,4 Grad
20204,2 Grad
19753,6 Grad
19903,6 Grad
20163,6 Grad
(Quelle: Kachelmannwetter)

Beeinflusst La Niña das Wetter in Deutschland? Das sagt die Wissenschaft

Als es 2010 das letzte Mal flächendeckend weiße Weihnachten in Deutschland gab, wurde La Niña dafür verantwortlich gemacht. Deshalb rechnen jetzt noch einige Experten mit einem Jahrhundertwinter. Doch der Eindruck trügt. Denn es gab auch etliche Jahre, in denen das Klimaphänomen auftrat und das Wetter im Winter in Deutschland eher mild war, beispielsweise die Jahre 1998 bis 2000. Außerdem können wissenschaftliche Untersuchungen den eindeutigen Zusammenhang zwischen La Niña und den Auswirkungen auf den Winter in Deutschland nicht belegen.

Denn vor allem Gebiete, die direkt am Pazifik liegen, sind stärker von La Niña betroffen als Europa oder sogar Deutschland. Die Auswirkungen auf das Wetter zeigen sich dabei auf vielfältige Weise: An der australischen Nordostküste und in Südostasien fällt tendenziell mehr Niederschlag, in Südamerika regnet es in der Regel weniger als im Durchschnitt und an der Pazifikküste ist es kälter als es normalerweise der Fall ist. An der Golfküste ist es wärmer, im Atlantik bilden sich oft mehr Hurrikane.

Wetter in Deutschland: Sorgt der Polarwirbel nochmal für Spannung im Winter?

Doch wie wird der Winter in Deutschland noch? Die Langzeitmodelle des europäischen und amerikanischen Wetterdienstes sprechen eine deutliche Sprache. Januar und Februar sollen deutlich zu mild werden. Der amerikanische Wetterdienst rechnet beispielsweise damit, dass der Januar rund zwei Grad Celsius zu warm ausfällt, der Februar soll laut europäischem Wetterdienst sogar bis zu drei Grad milder werden. „Eine dicke Einwinterung ist weiterhin nicht in Sicht. Für die meisten kann sich kein Dauerfrost und echtes Winterwetter etablieren. Es bleibt beim klassischen Schmuddelwetter“, sagt Jung.

Allerdings könnte der Polarwirbel noch einmal für Spannung sorgen. Er ist nämlich zerbrochen und könnte gegen Ende des Winters einen Kälte-Schock auslösen. (Christian Weihrauch)

Rubriklistenbild: © Paul White/dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare