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Sandstürme in Deutschland: Plötzlich droht Lebensgefahr

Sand wirbelt von trockenen Feldern.
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Starker Wind wirbelt Sand von trockenen Feldern an einer Straße in der Region Hannover auf (Symbolbild).

In Deutschland sind Sandstürme eher ungewöhnliche Wetterphänomene. In Küstennähe und über brachliegenden und ausgetrockneten Feldern können sie dennoch auftreten.

  • Erst Winde mit einer Geschwindigkeit über 74,9 km/h werden zum Sturm und sobald sie Sand und Staub mit sich führen, werden sie zum Sandsturm.
  • Sandstürme entstehen regelmäßig in riesigen Trockengebieten, wenn dort durch starke Druck- und Temperaturunterschiede große Tiefdruckgebiete entstehen.
  • Die Gefahren eines Sandsturmes werden oft unterschätzt; vor allem dann, wenn er außerhalb der Sahara und anderen Wüsten entsteht.

Offenbach – Für das Wetter in Deutschland ist ein Sandsturm eher eine Ausnahme. Wenn bei einem Sturm jedoch der Wind plötzlich größere Mengen an Sand aufwirbelt, kann auch in Deutschland ein Sandsturm drohen. Ein Sturm ist ein starker Wind. Erst ein Wind mit mindestens 74,9 Kilometern pro Stunde oder 20,8 Metern pro Sekunde wird als Sturm bezeichnet. Sobald die Windgeschwindigkeit mindestens 117,7 Kilometer pro Stunde erreicht, wird der Sturm zum Orkan.

Stürmische Winde entstehen, wenn auf relativ kurzer Distanz sehr hohe Druckunterschiede in der Atmosphäre herrschen. Es handelt sich dabei um Sturmtiefs, die sich im Einflussbereich starker Tiefdruckgebiete bilden. Ausnahmen für Sturmwinde sind Winde, die durch Kanalisierungen des Windes entstehen, die topografisch bedingt sind. Dazu gehören zum Beispiel Talwinde in engen Tälern. Wirbeln sehr starke, trockene Winde große Mengen an Sandkörnchen auf, ist ein Sandsturm entstanden. Auf kürzeren Distanzen lagert sich der Sand an windgeschützten Stellen schnell wieder ab. So entstehen Dünen.

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Sandsturm: Wie entsteht ein Sandsturm?

Auch in Deutschland ist das Entstehen eines Sandsturmes möglich. Allerdings sorgen die fehlenden Wüsten und Trockengebiete in Verbindung mit dem deutschen Wetter eher selten dafür, dass ein Wind zum Sturm wird und dabei Sand mit sich führt. Gute Voraussetzungen für einen Sandsturm sind ausgedehnte trockene Flächen, auf denen keine Pflanzen wachsen und auch sonst keine Hindernisse stehen. Große Wüsten wie die Sahara sind gut geeignet, um große und heftige Sandstürme entstehen zu lassen. Bei einem Sandsturm werden Körner in Größen zwischen 0,063 und 2 Millimeter angehoben und in Höhen von bis zu zwei Metern über eher kurze Strecken transportiert.

Dieser Transport erfolgt eher sprungweise. Die Sandkörner treffen dabei immer wieder auf den Boden auf und lösen dadurch weitere kleine Sedimentteile, bevor sie wieder aufwirbeln. Die Stürme, die über viele Kilometer und in großer Höhe besonders große Mengen Sandteile transportieren, bringen tatsächlich eher Staub. Diese Partikel sind 0,002 bis 0,063 Millimeter groß und werden als Schluff bezeichnet. In manchen Jahren bewegen Sand- und Staubstürme mehrere Milliarden Tonnen Sand und Schluff.

Sandsturm: Warum ist ein Sandsturm gefährlich?

Ein Sandsturm bringt mit starken Winden sehr viel Sand und Staub. Er kann in sehr kurzer Zeit den Himmel verdunkeln. Je nach der vorherrschenden Wetterlage handelt es sich dabei zusätzlich um sehr warme Luft, die der Sturm transportiert. Bis nach Deutschland kommen auch Staubwinde, die Sandstaub aus der Wüste der Sahara oder von Nordafrika mit sich führen. Sie sind für die Menschen in Deutschland jedoch nicht mehr gefährlich. Gefahren bestehen in aller Regel in Gebieten, die sich sehr nahe an den Wüsten oder Trockengebieten befinden.

Eine riesige Wolkenfront bricht nicht selten über ganze Städte herein und die winzigen Partikel setzen sich in Windeseile in Augen, Nasenlöchern und Ohren von Menschen und Tieren fest. Das Atmen ist dann auf einen Schlag nicht mehr möglich. Sandstürme dauern oft gar nicht lange, hinterlassen jedoch nicht selten etliche Tote und Orte der totalen Verwüstung. Nicht nur Straßen und Gebäude werden von einer mehrere Zentimeter dicken Staubschicht bedeckt, auch fahrende Autos. Das Autofahren wird durch die fehlende Sicht und zusätzliche Beeinträchtigung durch den Sturm in Sekundenschnelle unmöglich, es kommt zu Massenkarambolagen.

Sandsturm: Ist auch ein Sandsturm in Deutschland gefährlich?

Das Wetter in Deutschland bringt gelegentlich einen Sandsturm hervor, der viel Sandstaub in heftigem Wind und Sturm mit sich führt. Deutschland liegt zwar nicht in der Nähe von Sandwüsten oder riesigen Trockengebieten, aber in Küstennähe und angrenzend an frisch gepflügte Äcker treten diese Stürme ab und zu auf. Am 08.04.2011 kollidierten beispielsweise mehr als vierzig Fahrzeuge auf der Autobahn A19 in Mecklenburg-Vorpommern in Folge eines Sandsturms.

Bei der Massenkarambolage in der Nähe von Rostock starben zehn Menschen und beinahe einhundert Menschen wurden verletzt. Der Sandstaub wurde durch einen heftigen Sturm von frisch gepflügten Feldern neben der Autobahn aufgewirbelt. Die Region litt zu dieser Zeit unter einer lang anhaltenden Trockenheit. Trockengebiete durch fehlenden Aprilregen waren auch Anfang Mai 2019 im Fokus der Wetterbeobachter. Sie warnten vor drohenden Sandstürmen in neun Bundesländern. Ende April und Anfang Mai 2020 bestand ebenfalls eine große Gefahr, dass ein Sturm viel Sand und Staub aufwirbeln könnte. Mit dem Klimawandel und einem zu beobachtenden zunehmenden Regenmangel – vor allem im Frühjahr – werden sich auch die Gefahren von Sandstürmen erhöhen.

Sandsturm: Beispiele für gefährliche Situationen bei Sandstürmen

Sturm und Wind in Verbindung mit Sand sind nicht nur in Deutschland Wettererscheinungen, die mit einem Sandsturm viel Unheil bringen können. Gerade in Ländern, die riesige Wüsten und Trockengebiete aufweisen, sind die Gefahren immens. In Indien starben in der Nacht zum 03.05.2018 etwa einhundert Menschen an den Folgen von Sandstürmen. Ein Großteil der Toten ist auf einstürzende Hausdächer zurückzuführen, andere starben durch umstürzende Telefonmasten und Bäume. Nach den Sandstürmen hatten Gewitter und heftige Regenfälle die Schäden noch verstärkt. Da Sandstürme oft mit heißer Luft in Tiefdruckgebieten unterwegs sind, folgen ihnen sehr häufig heftige Gewitter. Besonders viele Tote und Verletzte zählten diese indischen Bundesstaaten: Uttar Pradesh (mindestens 65 Tote), Rajasthan (33) und Unjab (2).

In Mildura im Südosten Australiens fegte am Nachmittag des 07.05.2019 ein Sandsturm über die Stadt. Innerhalb weniger Minuten war der Himmel grau, orange und anschließend schwarz gefärbt, erzählten Augenzeugen. Nach etwa zwanzig Minuten war der Sturm vorbei, aber es lag eine riesige Staubschicht auf der ganzen Stadt.

Sandsturm: Wo und in welchen Ländern kommen Sandstürme vor allem vor? Was ist Calima und wie entsteht sie?

Das in Deutschland vorherrschende Wetter ermöglicht nur sehr selten Sandstürme. Sturm, Wind und Sand sind vor allem in anderen Regionen der Welt an der Tagesordnung. Randregionen von Wüsten haben besonders lockere Böden, auch bedingt durch die Zunahme an Wüstenfahrten mit Fahrzeugen, die mit Allradantrieb den Sand aufwirbeln. Im Mittleren Westen der USA liegen riesige Weizenanbaufelder. In den Jahren um 1930 litt diese Region unter einer großen Dürre und wurde anschließend für ihre Sandstürme bekannt. Die Region erhielt den Namen „Staubschüssel“ (Dust Bowl). In Gegenden mit immer wiederkehrenden Sandstürmen gibt es verschiedene Bezeichnungen für das Wetterphänomen:

  • Habub in der Sahara-Region (Nordafrika) und in den Trockenregionen von Texas und Arizona (USA).
  • Scirocco von der Sahara in Richtung Mittelmeer.
  • Buran im Wüsten- und Steppengebiet von Zentralasien (Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan).
  • Samum im arabisch-nordafrikanischen Raum.
  • Chamsin (Khamsin) in Israel/Palästina und im Nilgebiet.
  • Gibli (Ghibli) im Wüstengebiet von Tunesien und Libyen.

Der Sandsturm Scirocco hat in unterschiedlichen Ländern verschiedene Namen. Als Calima tritt er als heißer Ostwind über den Marokko vorgelagerten Kanarischen Inseln (Spanien) und den Kapverden auf. Für die Entstehung des Scirocco sorgt eine Druckdifferenz zwischen der heißen Luft eines Hochdruckgebietes über der Sahara und kühleren Tiefdruckgebieten in Südeuropa (Elke Huber)

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