Wetter

Was ein Gewitter zum Unwetter macht

Ein Gewitter ist ein Wetter-Phänomen, über das wir immer noch erstaunlich wenig wissen.

  • Wetter in Deutschland: Nicht jedes Gewitter ist laut DWD-Definition ein Unwetter
  • Das Wetter-Phänomen ist auch nach langer Forschung noch immer mysteriös
  • Im Süden und in Großstädten gewittert es häufiger

Offenbach - Der Himmel verdunkelt sich. Es blitzt, es donnert, kräftige Windböen wirbeln und reißen mit sich, was nicht niet- und nagelfest ist. Das Wetter, es spielt verrückt. Gewitter wurden von unseren Vorfahren häufig als eine Strafe Gottes empfunden. Das glaubt heutzutage kaum noch jemand, aber trotz über 250 Jahren Blitz- und Gewitterforschung wissen wir noch immer recht wenig über dieses Wetter-Phänomen. 

Dabei sind Gewitter keine Seltenheit. Durchschnittlich 1.600 Gewitter treten laut Brockhaus gleichzeitig auf der Erdoberfläche auf, andere Wetter-Experten sprechen sogar von rund 3.000 Gewittern, die zeitgleich rund um den Erdball toben. 

Wetter: Was macht ein Gewitter zum Unwetter?

Meist werden Gewitter von kräftigen Regen - oder sogar Hagelschauern begleitet. Auch stürmische, böige Winde sind ein regelmäßiger Begleiter von Gewittern. Bei kräftigen Gewittern kann man auch von Unwettern sprechen. Dennoch bleiben bis heute viele Fragen beim Gewitter offen: Wie laden sich Gewitterwolken auf? Wie entstehen Blitze? Wo kommt es besonders häufig zu Entladungen von Gewittern?

Bekannt ist, dass Gewitter im Sommer deutlich häufiger auftreten als im Winter oder im Herbst. Außerdem sind sich Meteorologen und Wetter-Experten sicher, dass der Klimawandel weltweit für eine Zunahme an Gewittern sorgen wird. Das Wetter dürfte also künftig noch verrückter spielen.

Der Deutsche Wetterdienst unterscheidet verschiedene Arten von Unwetter. Ein Gewitter wird für die Meteorologen zu einem Unwetter, wenn es mit Hagelkörnern, die größer als 1,5 Zentimeter sind, einhergeht, oder aber mit Starkregen oder mit einem Sturm oder Orkan.

Wetter: Temperaturunterschiede lösen Gewitter aus

Vereinfacht gesagt werden beim Wetter Gewitter durch Temperaturunterschiede ausgelöst. Wetter-Experten unterscheiden Wärme- und Kaltfrontgewitter. Bei Wärmegewittern im Sommer mischt sich warme Luft mit deutlich kälterer in der höheren Atmosphäre. Bei Kaltfrontgewittern, zu denen es eher im Winter kommt, verdrängt kalte wärmere Luft.  

In Gewitterwolken entsteht elektrische Ladung durch unzählige Wassertropfen, Eis- und Graupelkristalle, die fortwährend zusammenstoßen. Dabei konzentrieren sich positive Ladungen im oberen Teil der Gewitterwolken und negative Ladungen im unteren Teil. Diese Trennung führt zu einer enormen Spannung, die sich bei dem Erreichen eines kritischen Werts schließlich in einem Gewitter und in Blitzen und Donner entlädt. Kurz gesagt: Das Wetter dreht sich.

Wetter: Es gibt drei Stadien einer Gewitterzelle

Experten unterscheiden beim Wetter drei Stadien einer Gewitterzelle. Im Wachstumsstadium einer Einzelzelle existiert nur Aufwind. Wenn die Wolke in den oberen Teilen vereist, wird sie zur Gewitterwolke. Im anschließenden Reifestadium der Gewitterwolke gibt es sowohl Auf- wie auch Abwinde. Abwinde bringen Niederschläge in Form von Regen, Graupel oder auch Hagel mit sich. In dieser Phase eines Gewitters treten fast alle Blitze auf, auch die Niederschlagsintensität ist hier am höchsten. Im abschließenden Auflösungsstadium existiert nur noch Abwind. Die Zelle regnet aus und die Gewitterwolke löst sich auf. 

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens (BLIDS), der Gewitter statistisch auswertet und deutschlandweit alle Blitzeinschläge durch das Wetter am Boden zählt, registrierte für das Jahr 2018 446.000 Blitze in Deutschland. Ganz vorne dabei ist im langfristigen Mittel - BLIDS gibt es seit 1999 - Garmisch-Partenkirchen. Der oberbayrische Landkreis liegt im Alpenvorland, wo sich häufig die Wolkenmassen stauen und wo es dann bei Gewittern zu Entladungen kommt. Doch auch Schweinfurt ist für Unwetter gut. Die Stadt war in den vergangenen Jahren zwei Mal die Blitzhauptstadt von Deutschland (2015 und 2018).

Wetter: Gewitter gibt es eher im Süden als im Norden

Grundsätzlich knallt es im Süden eher als im Norden. Neben den Bergen in den Alpen sind dafür vor allem Temperaturgefälle verantwortlich. Gerade im Sommer stauen sich vor dem Gebirge häufig feuchte Luftmassen, die dann zu Gewitterwolken aufsteigen und sich unwetterartig entladen, wodurch sich das Wetter dann dreht.

Auch in größeren Städten wie in Frankfurt kommt es häufiger zu Gewittern als im Umland. Das liegt an der größeren Hitze, die in Ballungsgebieten wie dem Rhein-Main-Gebiet in die Atmosphäre abgegeben wird. Das erklärt auch die BLIDS-Statistik des vergangenen Jahres: Blitzhauptstadt 2019 ist die Hauptstadt, Berlin.

Tobias Möllers

Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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