Klima

Wetter-Irrsinn in Sibirien – Brände in der Arktis: „Sollte nicht passieren“ 

Sibirien gilt als eine der kältesten Regionen der Welt – doch nun herrscht dort eine Hitzewelle. Die Temperaturen führen in der Arktis zu schlimmen Bränden.

  • In Sibirien spielt derzeit das Wetter verrückt.
  • Eine ungewöhnliche Hitzewelle herrscht in Sibirien – eine Region, die eigentlich für klirrenden Kälte bekannt ist.
  • Forscher sind beunruhigt: Auch Klima und Wetter in Deutschland könnten beeinflusst werden.

Offenbach – Eine ungewöhnliche Hitzewelle hat vor Kurzem in Sibirien für einen Temperaturrekord gesorgt. In der Stadt Werchojansk in Jakutien wurden am 20.07.2020 38 Grad gemessen. Das ist Rekord für die Messstation, so die Weltwetterorganisation (WMO). Eigentlich gilt die Stadt im Osten Russlands als einer der kältesten Orte der Welt: 1892 wurde dort eine Temperatur von eiskalten -67,8 Grad gemessen.

Wetter: Hitzewelle in Sibirien sorgt für Temperaturen weit über dem Durchschnitt

In den Monaten Januar bis Juni 2020 lagen die Temperaturen laut WMO fünf Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Der Juni toppte dann aber alles: In der eigentlich so kalten Stadt in Sibirien maßen die Forscher zehn Grad mehr, als durchschnittlich zu erwarten gewesen wäre. Klima und Wetter spielen verrückt.

Beunruhigende Worte zur Hitzewelle findet WMO-Sprecherin Clare Nullis: „Manche Teile Sibiriens haben die Woche erneut Temperaturen von 30 Grad Celsius überschritten – es war also in Sibirien wärmer als in vielen Teilen Floridas.“ Und das mag etwas heißen: Der US-Bundesstaat Florida liegt im Südosten der USA und ist bekannt für sein Sonnenwetter und Hitze. Er wird auch „Sunshine State“ („Sonnenschein-Staat“) genannt.

Auch wenn das Wetter in der Region unter anderem durch eine Nordverlagerung des Jetstreams – eines Starkwind-Bandes in der Troposphäre – beeinflusst werde, ist eine solche Hitzewelle nach einer Analyse von WMO-Experten ohne den Klimawandel praktisch unmöglich.

Wetter und Klima: Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie die Welt – Auch Auswirkungen für Deutschland

„Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie die ganze Welt im Durchschnitt“, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Die Entwicklung habe weitreichende Folgen. „Die Pole beeinflussen Wetter und Klima in niedrigeren Breitengraden, wo Hunderte Millionen Menschen leben.“ Heißt im Klartext: Auch auf Klima und Wetter in Deutschland könnte die Hitzewelle in Sibirien sich auswirken. Sowieso befürchten manche Wetterexperten bereits einen „Katastrophensommer“ in Deutschland.

Das zweite Jahr in Folge tobten wegen der Hitzewelle innerhalb des Polarkreises verheerende Brände. Das nördlichste zurzeit aktive Feuer befinde sich weniger als acht Kilometer vom Arktischen Ozean entfernt, so die WMO. Auf russischen Satellitenaufnahmen seien am 22. Juli insgesamt 188 wahrscheinliche Brandherde zu sehen gewesen. Clare Nullis von der WMO spricht von dramatischen Satellitenfotos: „Das sollte nicht passieren.“

Wetter und Klima: Brände in der Arktis – Der Sommer 2020 wird wohl wieder ungewöhnlich

„Der Sommer 2019 war insgesamt in Bezug auf die Brände in hohen Breitengraden ungewöhnlich, und 2020 scheint sich ähnlich zu entwickeln“, zitierte die WMO den Wissenschaftler Mark Parrington vom europäischen Kopernikus-Atmosphärenüberwachungsdienst (CAMS). Die sibirische Hitzewelle habe den Eisrückgang an den arktischen Küsten beschleunigt, besonders seit Ende Juni, berichtete die WMO. (tvd/dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance/Julia Petrenko/Greenpeace Russland via AP/dpa

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