Tiefdruckgebiete und Namen

Tiefdruckgebiete entstehen durch abnehmende Luftdichte und dadurch aufsteigende Luftbewegungen

Tiefdruckgebiete gibt es doppelt so viele wie Hochdruckgebiete.
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Tiefdruckgebiete in Deutschland.

In Deutschland und Mitteleuropa werden jedes Jahr etwa doppelt so viele Tiefdruckgebiete wie Hochdruckgebiete verzeichnet.

  • Ein Tiefdruckgebiet entsteht, sobald der Luftdruck in einem weitflächigen Gebiet im Vergleich zur Umgebung absinkt und dabei ein deutliches Zentrum aufweist.
  • Die Namen für Tiefdruckgebiete vergibt für Deutschland und Europa das zur Freien Universität Berlin gehörende Meteorologische Institut – seit 2002 auch für Wetterpaten.
  • Das Islandtief ist das bekannteste dynamische Tiefdruckgebiet, das Deutschland und ganz Mitteleuropa regelmäßig und direkt beeinflusst.

Offenbach – Verschiedene Tiefdruckgebiete beeinflussen unser Wetter ständig. Ausschlaggebend für ein Tiefdruckgebiet, das oft kurz Tief genannt wird, ist ein sehr niedriger Luftdruck. Die Dichte der Luft ist in diesem Gebiet entsprechend gering. Der Punkt des geringsten Luftdruckes ist der sogenannte Tiefkern. Er ist in den Wetterkarten mit dem Buchstaben T gekennzeichnet. Die Erde besitzt eine etwa 1000 Kilometer hohe Atmosphäre, die die Erdkugel gänzlich umspannt. Damit die Luft aus Bodennähe nach oben steigt und somit einen Luftdruckabfall erzeugt, sind größere Luftbewegungen in der Troposphäre erforderlich.

Die Troposphäre bezeichnet die untere Schicht der Atmosphäre. Auch dadurch, dass warme Luft über die kältere Luft gleitet, verringert sich der Luftdruck. Warme Luft besitzt eine geringere Dichte als kalte Luft. Lässt sich ein Tiefkern feststellen, sprechen Meteorologen von einem Tiefdruckgebiet. Von diesem Zentrum aus nimmt der Druck in jeder horizontalen Richtung zu. Gibt es keinen Tiefkern, handelt es sich um einen Trog. Dabei gibt es den Bodentrog und den Höhentrog als unterschiedliche Ausprägungen.

Wetter: Wie bekommen Tiefdruckgebiete ihren Namen?

Das Wetter entsteht durch das Wechselspiel aus Tiefdruckgebieten und Hochdruckgebieten. Bei einem niedrigen Luftdruck umgangssprachlich von einem Tief die Rede. Namen für alle Hochs und Tiefs vergibt seit 1954 das Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin) gehört. In geraden Jahren werden männliche Vornamen für ein neues Tief ausgewählt, in ungeraden Jahren nimmt die Universität weibliche Vornamen. Jeder Buchstabe des Alphabets kommt einmal zum Einsatz. Seit 2002 bietet die Freie Universität (FU) Berlin jedem Kunden die Möglichkeit, als Wetterpate dafür zu bezahlen, den Namen eines Tiefs oder Hochs zu festlegen zu dürfen.

Die alphabetische Reihenfolge bleibt dabei bestehen. Die Reservierung eines Namens in der alphabetischen Liste der zu vergebenden Namen kostet 237 Euro für ein Tiefdruckgebiet und 356 Euro für ein Hochdruckgebiet. Tiefdruckgebiete sind günstiger, da sie sowohl kurzlebiger als auch unbeliebter sind. Das Geld wird für die Universität verwendet. Namen vergibt die FU ausschließlich für Tiefdruckgebiete bzw. Hochdruckgebiete, die sich auf das Wetter in Deutschland auswirken. Manche Nachbarstaaten wie Polen, Österreich und Tschechien übernehmen diese Namen gewöhnlich.

Wetter: Wie entstehen Tiefdruckgebiete in Deutschland?

Das Wetter in Deutschland bestimmen häufig Tiefdruckgebiete. Sinkender Luftdruck lässt ein Tief entstehen. Hierfür sind großräumige Luftveränderungen als Aufwärtsbewegung erforderlich. Die Luftmassen bewegen sich innerhalb der Atmosphäre vom Erdboden aufwärts. Auf der nördlichen Halbkugel bewegen sich diese Luftmassen und damit auch die Tiefausläufer immer entgegen dem Uhrzeigersinn. Auf der Südhalbkugel ist das umgekehrt. Tiefdruckgebiete werden unterschieden in:

  • thermische Tiefdruckgebiete (Bodentief und Höhentief) und
  • dynamische Tiefdruckgebiete (Zyklone).

Thermische Tiefdruckgebiete entstehen dann, wenn durch Erwärmung oder Abkühlung weitflächige Unterschiede in der Luftdichte hervorgerufen werden. Ein Bodentief bildet sich durch Sonneneinstrahlung in Bodennähe. Die Dichte der Luft nimmt ab und die umgebende kältere Luft drückt die warmen Luftmassen nach oben. Sie entweicht und kältere Luft sinkt ab, wird erwärmt und steigt ebenfalls wieder auf. Eine Thermik entsteht. Ein Höhentief entsteht in höheren Luftmassen wie beispielsweise über dem warmen Mittelmeer. Dynamische Tiefdruckgebiete bilden sich, wenn Luftmassen in horizontaler Linie in ein bodennahes Tiefdruckgebiet strömen, aufsteigen und in höheren Schichten wieder auseinanderströmen. Dabei nimmt ihre Geschwindigkeit ab und die Luftströme bewegen sich wegen des niedrigeren Druckes nach innen.

Welche Auswirkungen haben Tiefdruckgebiete? Und bringen sie kaltes Wetter?

Der in einem Tief vorherrschende niedrige Luftdruck spielt für das lokale Wetter eine große Rolle. Es bilden sich Wolken und in der Folge regnet oder schneit es. Dabei wird es nicht zwangsläufig kalt. Im Sommer verringert sich die Temperatur, im Winter kann sie jedoch deutlich ansteigen. Höhentiefs bringen sehr oft dramatische Wolkenbrüche mit riesigen Wassermassen. Von Wetterfronten sprechen die Meteorologen beispielsweise dann, wenn Luftmassen aus einem warmen und einem kalten Hochdruckgebiet gemeinsam in ein Tiefdruckgebiet einströmen. Wegen der in Mitteleuropa vorherrschenden Westwinde bewegen sich auch die Tiefs von West nach Ost. Folgende Tiefdruckgebiete gibt es:

  • Warmfront
  • Kaltfront
  • Okklusion
  • Warmsektor
  • Kaltsektor

Eine Warmfront entsteht durch das Aufgleiten wärmerer auf kältere Luftschichten. Durch die Abkühlung kondensiert die aufgestiegene Luft in der Höhe und es bilden sich Wolken, die einen anhaltenden Regen verursachen. Eine Kaltfront entsteht dadurch, dass sich die kälteren unter die wärmeren Luftschichten schieben. Es bilden sich Kumuluswolken, die sich in Gewittern abregnen. Der Warmsektor befindet sich zwischen einer Warm- und einer Kaltfront, der Kaltsektor hinter der Kaltfront. Wenn sich Kalt- und Warmfront vereinen, kommt es zu einer niederschlagsintensiven Okklusion.

Das Wetter wiederholt sich: Bekannte Tiefdruckgebiete

Es gibt Orte, die immer wieder Tiefdruckgebiete hervorbringen und damit das Wetter in benachbarten Regionen maßgeblich beeinflussen. Der niedrige Luftdruck ist für die Bildung eines Tiefs entscheidend. Bekannte regelmäßig auftretende Tiefdruckgebiete sind:

  • Das Islandtief auf dem Nordatlantik rund um Island
  • Das Genuatief auf dem Mittelmeer
  • Das Aleutentief über dem Nordpazifik bei den Aleuten am Südrand des Beringmeers
  • Das Biscayatief als Form des Atlantiktiefs zwischen Großbritannien und Spanien
  • Das Atlantiktief im Nordatlantik zwischen Nordamerika und Europa

Das Genuatief entsteht regelmäßig, indem sehr kalte Luft nach Süden gelangt und sich über dem Meer mit Wassertropfen füllt, die dann wiederum am Alpenrand abregnen. Das Islandtief entsteht vorwiegend in Herbst- und Wintermonaten, wenn über dem Nordatlantik die Temperaturgegensätze deutlich zunehmen. Die kräftigen Tiefs werden nicht selten zu starken Stürmen, die bis nach Deutschland und Mitteleuropa ziehen. Sogar Orkane mit Windgeschwindigkeiten von mehr als einhundert Stundenkilometern erreichen gelegentlich Deutschland. Nordatlantiktiefs bedecken mit ihren Kalt- und Warmfronten nicht selten Ausdehnungen von 1.000 bis 3.000 Kilometern und treffen dann ganz Mitteleuropa. An den europäischen Küsten machen sie sich als Sturmtiefs mit Sturmfluten bemerkbar.

Wetter: Das Zusammenspiel von Tief- und Hochdruckgebieten

Das Wetter entsteht aus verschiedenen Faktoren wie der Sonneneinstrahlung und verschiedenen Winden. Häufig bildet sich ein Zwischenhoch zwischen zwei Tiefs, wenn sich der Luftdruck großräumiger Luftmassen zeitweilig in horizontaler Ausdehnung erhöht. Die zwischen den Hochs und Tiefs herrschenden Druckunterschiede gleicht der Wind immer wieder aus. Er weht immer von einem Hochdruckgebiet aus in Richtung eines Tiefdruckgebietes. Durch die ablenkende Kraft der Erdrotation, die Corioliskraft genannt wird, kann die Luft nicht auf direktem Weg zum Tief strömen.

Sie bildet vielmehr eine Art Schlangenlinie und umkreist auf der Nordhalbkugel das Hoch im Uhrzeigersinn. Ein Tief wird hier entgegen dem Uhrzeigersinn umströmt. Auf der südlichen Halbkugel der Erde ist dieser Effekt genau umgekehrt. Die Luftgeschwindigkeit ist dabei abhängig von der Stärke der Luftdruckunterschiede und der Bodenreibung. Ein interessantes Phänomen ist zu beobachten, sobald die Luftmassen den Äquator überschreiten. Sie ändern ihre Bewegungsrichtung und umkreisen das Hoch oder Tief nun in entgegengesetzter Richtung. Um den tiefsten bzw. höchsten Luftdruck herum sind Kreise gleichen Luftdrucks darstellbar. Sie werden Isobare genannt. (Elke Huber)

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