Ältere passgenau vermittelt

Dietzenbach - „Unternehmen mit Weitblick“ heißt eine Auszeichnung des Bundesprogramms „Perspektive 50Plus“. Prämiert werden darin Firmen, in denen das Einstellungsalter keine entscheidende Rolle spielt.  Von Nina Beck

Derlei „Weitblick“ haben – neben weiteren – auch die KKR Dienstleistungs GmbH und die Autolackiererei Reich aus Obertshausen sowie die Rödermärker „Kudernak Industriedichtungen“ bewiesen – und sind dafür im Beschäftigungspakt der Landkreise Offenbach und Darmstadt-Dieburg ausgezeichnet worden.

60 Mitarbeiter zählt der Obertshausener Dienstleister KKR laut Projektleiterin Brunhilde Link, 15 davon haben ihre Chance über das Programm 50Plus bekommen. In den beiden anderen, jeweils zehn Mitarbeiter starken Betrieben ist je ein älterer Mitarbeiter eingestellt worden. Im Fall der „Kudernak Industriedichtungen“ etwa ein 52 Jahre alter Mann, der über Erfahrungen im Außendienst verfügte und das Marketing, also Kundenwerbung und -betreuung, aufbauen sollte, wie Geschäftsführer Günther Kudernak erzählt. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Mann“, zieht er Bilanz. „Er hat viel Bewegung reingebracht.“ Mit Beginn des Marketings, so der Geschäftsführer, habe seine Firma gar einen Umsatzzuwachs von 36 Prozent erfahren. „Das war allerdings noch vor der Wirtschaftskrise“, räumt Kudernak ein, der 2006 zu den ersten Projektteilnehmern gehörte. Zwei Bewerber hatte ihm ProArbeit vermittelt, einer passte genau auf das Profil. Eine gute Quote, findet Kudernak. Vom Arbeitsamt sei er anderes gewohnt gewesen.

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Bundesweit gibt es 62 so genannte Beschäftigungspakte, jener 2008 aus den Kreisen Offenbach und Darmstadt-Dieburg geschlossene ist laut Sozialdezernent Carsten Müller (SPD) einer der erfolgreichsten bundesweit. So hatte die Bundesregierung als Ziel für das Jahr 2008 300 Vermittlungen pro Beschäftigungspakt anvisiert, 314 seien es durchschnittlich gewesen, im Pakt Offenbach/Darmstadt-Dieburg sogar 484. Für den Beginn 2006/07 lag die Zielgröße bundesweit bei 250 Vermittlungen, während es im Kreis bereits 523 waren.

Den Erfolg des hiesigen Teams führt Müller vor allem auf die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen sowie die intensive Betreuung der arbeitssuchenden Älteren zurück. Die Integration älterer Mitarbeiter kann etwa über Lohnkosten- oder auch Beschäftigungszuschüsse gefördert werden. Darüber hinaus sei der Betreuungsschlüssel bei ProArbeit niedrig, ein „kleines, schlagkräftiges Team“. Die 16 Fallmanager hätten zuvor das selbe Schicksal erfahren wie die Betroffenen selbst. „Deshalb sind sie besonders engagiert und können glaubhaft motivieren.“ Ein ehemaliger Fallmanager habe es mittlerweile gar zum Geschäftsführer in Thüringen gebracht. Mit 55 Jahren.

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