Der aktuelle Stand des Opel-Pokers

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Am 15. Juli soll ein Vorvertrag mit dem Zulieferer Magna entscheidungsreif sein.

Rüsselsheim - Nach der Grundsatzentscheidung für den Einstieg des Zulieferers Magna beim Autobauer Opel sind die Verhandlungen in der heißen Phase. Am 15. Juli soll ein Vorvertrag mit dem Zulieferer Magna entscheidungsreif sein.

Den derzeitigen Stand bei Opel beleuchten folgende Fragen und Antworten:

Wem gehört Opel derzeit?

Das Traditionsunternehmen mit seinen deutschen Werken in Rüsselsheim , Bochum, Kaiserslautern und Eisenach gehört zu 65 Prozent einer eigens eingerichteten Treuhandgesellschaft. Diese arbeitet auf Basis eines Vertrages mit Vorgaben der Bundesregierung und von General Motors (GM). Der US-Konzern selbst hält noch 35 Prozent der Anteile. Die Treuhandgesellschaft soll den Verkauf der Anteile von 65 Prozent an einen Investor überwachen.

Wie entstand die Treuhandlösung?

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Um Opel aus der Insolvenz des bisherigen Mutterkonzerns GM herauszuhalten, einigten sich Bund, Länder, GM , der kanadisch- österreichische Autozulieferer Magna und das US-Finanzministerium am 30. Mai auf ein Rettungskonzept. Magna ging beim Bieterwettstreit unter anderem mit dem Konkurrenten Fiat als vorläufiger Sieger hervor. Damit war der Weg frei für den dringend benötigten Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro und das umstrittene Treuhand-Modell. Opel wurde damit aus dem GM-Verbund herausgelöst und soll mit Hilfe neuer Investoren zukunftsfähig werden.

Wer bietet für Opel?

Magna will mit seinen russischen Partnern, der staatlichen Sberbank sowie dem Autohersteller GAZ, 55 Prozent der Anteile erwerben, wobei auf Magna 20 Prozent und die Sberbank 35 Prozent entfallen. Weitere 10 Prozent wollen die Beschäftigten von Opel übernehmen. Die GAZ-Gruppe des Oligarchen Oleg Deripaska erhofft sich von einem möglichen Opel-Deal eine dringend benötigte Strukturhilfe. Der russische Autobauer hat gerade den Abbau von 7000 Stellen bis August 2009 angekündigt. Die Sberbank hatte bislang 500 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

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Außerdem hat der chinesische Autobauer BAIC (Beijing Automotive Industry Corporation) ein Angebot vorgelegt, das geringere Stellenstreichungen als die Magna-Offerte vorsehen soll. Nach Aussagen von Opel-Gesamtbetriebschef Klaus Franz ist der Hersteller ausschließlich an dem Transfer der Technologie interessiert. Auch der Finanzinvestor RHJ International soll noch mit im Spiel sein. Allerdings gab RHJ für das Ende März abgeschlossene Geschäftsjahr 2008/2009 einen Verlust von rund 1,0 Milliarden Euro bekannt. Ende März hatte RHJ rund eine halbe Milliarde Euro etwa für Übernahmen und weitere Beteiligungen in der Kasse. Branchenkenner vermuten, dass GM seine Verhandlungsposition gegenüber Magna stärken will, indem der Autobauer einen zweiten Bieter mit ins Spiel bringt.

Warum ist Magna der bevorzugte Bieter?

Magna gilt - im Gegensatz zu BAIC - als Technologieunternehmen mit viel Expertise im Automarkt. Anders als der Bieter RHJ strebt Magna eine langfristige strategische Partnerschaft an und sieht Opel nicht als kurzfristiges Investment. Der Opel-Betriebsrat hofft, dass Opel nach einem Einstieg des Zulieferers künftig auch als Auftragsfertiger für andere Autokonzerne produzieren kann. So wie Opel heute Saab-, Buick- und Opel-Modelle in Rüsselsheim bauen kann, solle das in Zukunft auch für andere Marken möglich sein.

Wohin fließt das Geld aus dem Überbrückungskredit?

Der von Bund und Bundesländern mit Opel-Standorten verbürgte Kredit über 1,5 Milliarden Euro sichert laufende Zahlungen etwa an Zulieferer. Mit dem Geld will die Adam Opel GmbH , zu der inzwischen auch die europäischen Opel-Standorte gehören, unter anderem in neue Modelle wie den Astra und den Meriva investieren. Eine erste Tranche von 300 Millionen Euro ist bereits ausbezahlt worden.

Wie lange reicht die Liquidität von Opel?

Opel/GM Europa geht davon aus, dass der staatliche Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro die Liquidität bis zum Vertragsabschluss mit Magna sichert.

Ist die Opel-Übernahme durch Magna schon sicher?

Nein. Bislang wurde nur eine Absichtserklärung unterzeichnet. Das kurze Papier ist nicht bindend. Am 15. Juli soll ein Vorvertrag mit Magna entscheidungsreif sein. Der Magna-Ko-Vorstandsvorsitzende Siegfried Wolf rechnet für Ende September mit dem endgültigen Vertragsabschluss.

Welche Risiken bestehen?

An den Verhandlungen mit Magna sind viele Seiten mit unterschiedlichen Interessen beteiligt, darunter GM und die US- Regierung. Eine Opel-Insolvenz ist zwar zunächst vom Tisch, sie würde mit dem Scheitern der Gespräche aber wieder wahrscheinlicher. In diesem Fall müssten die Steuerzahler für den staatlich verbürgten Überbrückungskredit geradestehen.

Wozu braucht Opel zusätzlich noch Staatsbürgschaften?

Opel soll auch Staatsbürgschaften von 3,3 Milliarden Euro bekommen, die zum großen Teil aus Deutschland stammen. Diese sollen den Einstieg eines Investors bei Opel absichern.

Was hat Brüssel mit den staatlichen Hilfen zu tun?

Die EU muss die staatlichen Hilfen noch genehmigen. Angeblich hat Brüssel mit dem 1,5 Milliarden Überbrückungskredit kein Problem. Gesprächsbedarf soll es noch bei den angestrebten drei Milliarden Euro an zusätzlichen Bürgschaften geben. Die Kommission will rasch entscheiden.

Von Birthe Blechschmidt und Harald Schmidt , dpa

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