Führungswechsel bei Opel

Kommentar: Alte Garde, alte Fehler

Noch ist es nicht amtlich. Doch sollten sich Medienberichte bestätigen, wonach in Detroit mit Bob Lutz ausgerechnet einer der Hauptverantwortlichen der GM-Krise als Aufpasser für Opel auserkoren wurde, dann ist es um die neue Opel-Welt nicht gut bestellt. Von Frank Pröse

Plötzlich sind neben der Kanzlerin und den ebenfalls die Magna-Lösung favorisierenden Ministerpräsidenten auch jene düpiert, die den Verbleib von Opel bei der Mutter mit guten Gründen als Chance gesehen haben. Denn das Pfund, mit dem die Opelaner im GM-Riesenreich wuchern können, die Lieferung von Innovationen und Technologien, hat die jetzt wieder agierende automobile Garde in Übersee noch nie beeindrucken können. Warum sollten die neuen alten Sanierer und Oberaufseher ausgerechnet jetzt ihrer Tochter jene Selbständigkeit zugestehen, die diese braucht, um mit ihren fähigen Ingenieuren eine auch für GM in USA zukunftsfeste Modellstrategie zu entwickeln? Vielmehr besteht die Gefahr, dass GM in die Tradition verfällt, aus Kostengründen wieder Chevrolets und US-Autos unter der Marke Opel verkauft und Qualität und Innovation leiden werden.

Mit GM-Europachef Carl-Peter Forster verlässt ausgerechnet jener Manager die Bühne, der Opel trotz eines harten Sparprogramms mit modernem Design und besserer Qualität Gespür für Kundenwünsche bewies. Dass er als Sanierer scheiterte, ist zum großen Teil den Vorgaben aus Detroit geschuldet. Nach dem geplatzten Opel-Verkauf hatte Forster die Entscheidung des GM-Verwaltungsrats öffentlich als „kaum nachzuvollziehen“ kritisiert. Er wisse nicht, wie es weitergehen und wie Opel saniert werden solle: „Ich glaube, die wichtigen Herren, die das entschieden haben, wissen es selbst nicht.“ Das aus dem Munde eines Insiders, das lässt das Schlimmste für die Opelaner befürchten.

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