Ehrenamtliche Versicherungsberater

Altersvorsorge: Das sind die fünf häufigsten Renten-Irrtümer

Wer beim Renten-Antrag nicht weiter weiß, kann sich kostenlos beraten lassen (Symbolbild).
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Wer beim Renten-Antrag nicht weiter weiß, kann sich kostenlos beraten lassen (Symbolbild).

Die Rente kommt automatisch und alle müssen arbeiten, bis sie 67 Jahre alt sind? Weit gefehlt. Falsche Informationen über die Absicherung im Alter halten sich hartnäckig. Ein Experte klärt auf. 

Region Rhein-Main – Obwohl sie die Existenz im Alter sichern soll: Viele Menschen scheuen sich vor einer Auseinandersetzung mit ihrer Rente. Doch ehrenamtliche Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung helfen unkompliziert und kostenlos dabei, Anträge zu stellen und bei Fragen aufzuklären. Bernd Link ist Berater in Frankfurt und warnt vor oft vorherrschenden Missverständnissen.

 1. Die Rente kommt automatisch

Wer denkt, dass die Rente automatisch ins Haus flattert, sobald man das Rentenalter erreicht hat, kann lange warten. „Rente gibt es immer nur auf Antrag“, sagt Bernd Link. „Und zwar ab dem Tag, an dem sie beantragt wird, und nicht rückwirkend.“ Wer also erst mit 88 Jahren einen Antrag schickt, bekommt die versäumten Jahre nicht zurück. Zudem sollte man nicht auf den letzten Drücker erst den Antrag versenden. Mindestens drei Monate Vorlauf sollte man einplanen. „Je nachdem, ob es sich beispielsweise um eine Erwerbsunfähigkeitsrente handelt, muss man neben dem Antrag auch Unterlagen, wie Arztberichte und gegebenenfalls ein Gutachten vom Arbeitsamt vorlegen.“

2. Nicht registrierte Arbeitszeiten sind verlorene Zeiten für die Rente

„Das stimmt nicht“, weiß der Versichertenberater. „Die Zeiten können auch nachträglich bei der Rentenversicherung erfasst werden.“ Dann gelte es, Nachweise zu sammeln, beispielsweise einen Kollegen ausfindig zu machen, der die Arbeitszeit bestätigen kann.

3. Die letzten Jahre vor der Rente zählen besonders

Auch das ist nicht korrekt. Für die Höhe der gesetzlichen Renten werden alle Jahre zusammengefasst, die rentenrechtlich relevant sind und es wird ein Durchschnitt ermittelt, der sich wiederum in Form der Entgeltpunkte niederschlägt. „Es ist zwar so, dass die meisten in den letzten Jahren vor ihrer Rente mehr Geld verdienen. Diesen letzten Beitragsmonate werden aber in der Berechnung nicht anders gewichtet“, sagt Link. Eine pauschale Berechnung für die zu erhaltene Rente kann der Berater übrigens nicht in Aussicht stellen. „Dafür gibt es aber Online-Rechner.“

4. Alle müssen vor Rente bis 67 arbeiten

Viele Versicherte glauben, dass nach der schrittweisen Anhebung der Altersgrenze für die Rente nun alle arbeiten müssen, bis sie 67 Jahre alt sind. „Das wirkt sich aber nicht auf alle Jahrgänge aus“, erklärt Link. „Erst die Jahrgänge ab 1964 müssen warten, bis sie 67 Jahre alt sind, um regulär, also ohne Abschläge in Rente gehen zu können.“ Der Geburtsjahrgang 1947 war als erster betroffen und musste einen Monat über den 65. Geburtstag hinaus arbeiten, um die volle Rente zu bekommen. Bis 2023 kommt für das Eintrittsalter jeweils ein weiterer Monat hinzu. Das heißt, Personen, die 1958 geboren sind, können mit 66 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Wer 45 Berufsjahre erreicht hat, kann bereits mit 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Voraussetzung ist, dass er vor 1953 geboren ist. Für die Jahrgänge 1953 bis 1964 erfolgt eine schrittweise Erhöhung der Rente mit 63 auf 65 Jahren.

5. Rentenabschläge enden, wenn das richtige Alter erreicht wurde

Schön wär’s: „Einmal Abschläge, immer Abschläge“, sagt der Experte. Wer früher in Rente will, muss Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat in Kauf nehmen. Im Jahr ergibt das 3,6 Prozent. Und die bleiben auch nach Erreichen der regulären Renteneintrittszeit bestehen. Man kann frühestens vier Jahre vor dem regulären Renteneintritt Rente beantragen, der maximale Abschlag ist dann 14,4 Prozent. „Es empfiehlt sich aber immer den individuellen Fall anzuschauen“, sagt Link. „Für den einen lohnt es sich, trotz der Abzüge früher in Rente zu gehen, weil er dann auch länger die Rente bezieht – und für den anderen eben nicht.“

Laut einer Studie bekommen Beamte im Alter wesentlich mehr Rente als Angestellte. 

Partnerschaft, Kind, Teilzeit – aber wo bleibt die Altersvorsorge? Fehlende Absicherung kann Frauen in die Armut führen. Denn in Deutschland erarbeiten sie in ihrem Beruf nicht einmal halb so viel Rente wie Männer.

Von Rebekka Farnbacher

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