Altersvorsorge gerät in Gefahr

Frankfurt - Angesichts der niedrigen Zinsen hat der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen die Deutschen vor Einbußen im Alter gewarnt. Anleger müssen ihre Altersvorsorge überdenken. Von Marc Kuhn

„Natürlich ist das Zinsniveau in Deutschland nicht nur sehr niedrig, sondern durch die Staatsschuldenkrise extrem nach unter getrieben“, sagte der Geschäftsführende Präsident des Verbands, Gerhard Grandke, gestern in Frankfurt bei der Vorstellung der Bilanz für 2011. Der Anleihemarkt sei aus den Fugen geraten. „Dies hat sich auf große Teile des Wertpapiergeschäfts dämpfend ausgewirkt“, erklärte Grandke weiter. „Für Anleger bedeutet es, dass sie insbesondere ihre Altersvorsorge überdenken müssen. “ Hierbei könnten Löcher entstehen. „Die Politik, die zu Recht zu mehr Altersvorsorge auffordert, ist hier gefragt. Von relativ wenig darf am Ende nicht noch weniger übrig bleiben“, mahnte Grandke. Er forderte die Politik auf, über eine „steuerliche Unterstützung“ nachzudenken. Wegen der Schuldenkrise hat die Europäische Zentralbank die Zinsen auf historische Tiefststände gesenkt. Deshalb mussten beispielsweise die Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligungen immer weiter reduzieren. Gleichzeitig sanken die Garantiezinsen.

Steuerliche Unterstützung der Politik gefordert

Nach den Worten von Grandke kämpfen die Sparkassen in Hessen und Thüringen weiter um die geplante Übernahme des Sparkassengeschäfts der WestLB in ihre Landesbank Helaba. „Wir sind bereit, uns auf dieses Projekt WestLB einzulassen und sind bereit, von unserer Seite alles zu tun, damit wir das hinbekommen“, sagte er. „Ich bin vorsichtig optimistisch, dass alle notwendigen Entscheidungen, auf welcher Ebene auch immer, noch rechtzeitig getroffen werden“, sagte Grandke. Die EU-Kommission verlangt eine Lösung für die Düsseldorfer WestLB bis Ende Juni 2012. Das Institut soll zerschlagen werden.

Für die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die zu 85 Prozent den Sparkassen gehört, biete sich mit Hilfe der gut 100 Sparkassen in Nordrhein-Westfalen die Chance, „ihr risikoarmes Profil weiter zu schärfen“, sagte Grandke. Dass es Widerstände gegen das Modell gibt, leugnete Grandke nicht. Grandke forderte alle Beteiligten auf, sich an die vereinbarten Eckpunkte zu halten: Danach soll das WestLB-Sparkassengeschäft (Verbundbank) mit etwa 400 Arbeitsplätzen unter das Dach der Helaba schlüpfen. Dafür soll die Verbundbank mit einer Milliarde Euro Eigenkapital ausgestattet werden. Die Hälfte davon bringen die beiden Sparkassenverbände in Nordrhein-Westfalen auf, je 250 Millionen Euro kommen aus der Sparkassenorganisation und von den Landesbanken. Die Sparkassenseite habe die Grundsatzbeschlüsse bestätigt, berichtete Grandke. Bei den Landesbanken stehe die Entscheidung noch aus.

Basel III belastet kleine Geldinstitute

Scharf kritisierte Grandke Regulierungsmaßnahmen wie Basel III. Dieses Regelwerk sei ursprünglich für international tätige Großbanken gedacht gewesen. In der Realität würden aber kleine Institute wie Sparkassen belastet und das, „obwohl sie sich in der Finanzmarktkrise als Stabilisatoren erwiesen“ hätten. „Wenn die Liquiditäts- und Refinanzierungsvorschriften von Basel III wie geplant kommen, ist die langfristige Finanzierungskultur in Deutschland in Gefahr“, sagte Grandke. „Das wird den Mittelstand treffen, weil sich Kredite für ihn dann verteuern werden.“

Die Sparkassen in Hessen (34) und Thüringen (16) legten im vergangenen Jahr bei Krediten und Kundeneinlagen zu. Der Kreditbestand erhöhte sich binnen Jahresfrist netto um rund 1,4 auf 59,2 Milliarden Euro. Bei den Einlagen gab es ein Plus um 1,7 auf fast 84 Milliarden Euro. Das Bewertungsergebnis wurde zwar vor allem durch eine 160-Millionen-Abschreibung auf die Beteiligung an der Landesbank Berlin belastet. Dennoch lag der Jahresgewinn vor wie nach Steuern nach vorläufigen Zahlen über den Vorjahreswerten. Die Sparkassen verbuchten demnach 329,7 (Vorjahr 276,0) Millionen Euro Überschuss.

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